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Die gefährliche Abhängigkeit der Pharmabranche

Von Markus Diem Meier. Aktualisiert am 18.12.2009

Der dramatische Kurssturz des Genfer Biotechunternehmens Addex war der vorläufig letzte in einer traurigen Reihe. Die Biotech-Branche lebt vom Prinzip Hoffnung.

Niemand weiss im voraus, welche Gefahren bei einem Wirkstoff lauern: Blick ins Labor einer Biotechfirma.

Niemand weiss im voraus, welche Gefahren bei einem Wirkstoff lauern: Blick ins Labor einer Biotechfirma.
Bild: Keystone

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Am Montag war die Aktie des Genfer Biotechunternehmens Addex an der Börse noch 39,75 Franken wert, am Dienstag wurde ihr Handel ausgesetzt, am Mittwoch schloss sie dann bei 14,05 Franken – das entspricht einem Wertverlust von beinahe 65 Prozent. Die Börsenkapitalisierung des Unternehmens ist damit um 150 Millionen geschrumpft.

Dramatische Kursreaktionen dieser Art sind unter Schweizer börsenkotierten Biotechunternehmen in jüngster Zeit nichts Ungewöhnliches. Ähnliches hat Arpida, Basilea, Santhera und Cytos erlebt. Nach dem Platzen der Internetblase zu Beginn des Jahrzehnts galt Biotech noch als das neue Zauberwort. Davon ist heute nur noch wenig zu spüren.

Eine Verzögerung kann das Ende bedeuten

Biotechfirmen leben vom Prinzip Hoffnung: Ihr Schicksal hängt von einem oder nur sehr wenigen Produktkandidaten ab. Entscheidend ist deshalb, dass sich bei den Wirkstoffen, die sie zu Medikamenten entwickeln wollen, keine Probleme zeigen. Und das kann kein Manager, kein Wissenschaftler und kein Analyst im voraus wissen. Das Sprichwort «Zeit ist Geld» hat zudem in keiner Branche eine grössere Bedeutung hat als im Biotechbereich. Die Forschung verschlingt Unmengen an Geld. Monatlich verbrennt ein kleines bis mittleres Biotechunternehmen 5 bis 10 Millionen Franken. Gleichzeitig fliesst kaum Geld in die Kasse.

Die Finanzierung erfolgt zumeist über sogenannte Meilensteinzahlungen von grossen Pharmakonzernen, die sich am potenziellen Erfolg eines Medikaments beteiligen wollen. Doch auch diese Zahlungen hängen von Zwischenerfolgen in der Forschung ab, ansonsten bleiben auch sie aus. Vor wenigen Jahren, als die Branche fast schon goldene Eier erwarten liess, war wenigstens die Herausgabe von Aktien oder der Zugriff auf private Investoren möglich. Jetzt sind auch diese Finanzierungsquellen versiegt. Verzögerungen in der Forschung können daher den Untergang bedeuten.

Der Sieger Actelion

Nur ein einziges unter den Schweizer Biotechunternehmen hat den Durchbruch auf dem Markt geschafft: Die Allschwiler Actelion. (ATLN 37.21 -0.03%) Ihre Aktie hat es im vergangenen Jahr sogar in den Leitindex SMI geschafft. Das erst 1997 von einstigen Roche-Forschern gegründete Unternehmen hat allein in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres einen Umsatz von 1,3 Milliarden Franken und einen Gewinn von 327 Millionen Franken erzielt, 44 Prozent mehr als in derselben Vorjahresperiode.

Doch selbst Actelion trägt das für Biotechfirmen typische Klumpenrisiko. Das Unternehmen macht seinen Umsatz zu fast 90 Prozent mit dem Hauptprodukt Tracleer. Dieses wird gegen eine schwere Lungenkrankheit eingesetzt. Die Patente von Tracleer laufen ab 2015 ab. Wenn es Actelion bis dahin nicht gelingt, ein neues Medikament mit einem ähnlichen Potenzial auf den Markt zu bringen, ist auch dieses Unternehmen gefährdet.

Dasselbe Grundproblem bei Big Pharma

Selbst die Pharmakonzerne sind trotz ihrer Grösse nur von wenigen Produkten abhängig. Die Schweizer sind hier keine Ausnahme: Vom gesamten Umsatz, den Novartis (NOVN 49.48 0.88%) in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres erzielt hat, entfallen fast 43 Prozent auf die zehn wichtigsten Medikamente. Bei Roche (ROG 152 0.26%) liegt der Anteil sogar bei fast 56 Prozent. Bei Novartis macht der wichtigste Kassenschlager – der Blutdrucksenker Diovan – allein 14 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Das wichtigste Medikament von Roche - Avastin gegen Krebs – hat dort einen Umsatzanteil von 13 Prozent.

Die Patente der Novartis-Medikamente laufen in den nächsten Jahren aus, jene von Roche ab Mitte des nächsten Jahrzehnts. Auch diese Konzerne sind daher auf Gedeih und Verderben darauf angewiesen, dass die in der Forschungspipeline befindlichen Medikamente einen ausreichenden Ersatz bieten. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.12.2009, 11:23 Uhr

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