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«Die Mitarbeiter nennen mich Papa»

Von Fabienne Klenger. Aktualisiert am 08.02.2012 24 Kommentare

Warum gehen Menschen gerne zur Arbeit? Bernerzeitung.ch/Newsnet hat bei zwei Unternehmen nachgefragt, die kürzlich für ihre Leistung in der Personalführung ausgezeichnet wurden.

Das wichtigste ist der Chef: Szene in einem Büro. (Symbolbild)

Das wichtigste ist der Chef: Szene in einem Büro. (Symbolbild)
Bild: Keystone

Chef mit Auszeichnung: Eric Youssoufian am Schreibtisch.

Die Initiative

Mit Annahme der Volksinitiative «6 Wochen Ferien für alle», über die am 11. März 2012 abgestimmt wird, würde der gesetzliche Ferienanspruch per Änderung der Bundesverfassung von heute vier auf sechs Wochen erhöht. In einem ersten Schritt hätten alle Arbeitnehmenden fünf Wochen Ferien, in den darauffolgenden fünf Jahren würde der Ferienanspruch jedes Jahr um einen Tag erhöht.

Bundesrat und Parlament lehnen die Initiative des Gewerkschaftsverbands Travailsuisse ab, ebenso die bürgerlichen Parteien CVP, GLP, BDP, FDP und SVP. Befürwortet wird sie von SP und Grünen.

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Die Kosten stressbedingter Erkrankungen belaufen sich auf Milliardensummen, Tendenz stark steigend. Es lohnt sich also nicht zuletzt aus wirtschaftlicher Sicht, über den Faktor Arbeitszufriedenheit nachzudenken. Doch was macht es aus, dass man nicht schon am Montag den Freitag herbeisehnt?

Die Initianten der Ferieninitiative glauben an den stressreduzierenden Effekt von ausreichenden Pausen und Erholung, das klingt plausibel. Trotzdem ist es alles andere als sicher, dass die Initiative durchkommen wird. Gegner der Initiative wie Bundesrätin Simonetta Sommaruga führen beispielsweise ins Feld, mehr Ferien bedeute, dass bei der Rückkehr an den Arbeitsplatz die doppelte Menge an Arbeit auf dem Schreibtisch liege.

Auch ist nicht wirklich geklärt, wie viel Freizeit zu einer Verminderung der Stressproduktion führt. Untersuchungen zeigen beispielsweise, dass der Effekt von Ferien nach einem Zeitraum von rund zwei Wochen schon wieder verpufft.

«Nichts ist so wichtig wie der Chef»

Arbeitsmediziner und Burn-out-Experte Dieter Kissling sagt, die wichtigste Variable im Unternehmen sei der Chef. «Das Allerwichtigste ist gute Führung – dass ein Chef seinen Mitarbeitern Wertschätzung zeigt, dass er sie fördert, sie bei ihrer Entwicklung unterstützt.»

Auch gut organisierte Arbeitsabläufe seien von Bedeutung, und die Umgebung. «Aber nichts ist so wichtig wie ein Chef mit einer menschenachtenden Grundhaltung.»

«Man gab mir eine Chance, trotz Problemen»

Das IT-Unternehmen Oniko wurde diese Woche vom Rating-Portal Kununu zum beliebtesten Arbeitgeber gekürt, 42 Mitarbeiter gaben ihre Bewertung ab und beurteilten die Firma mehrheitlich positiv.

Das Auffällige daran: Die Kommentare im Rating stützen die These von Kissling. Die meisten führen bei ihrer Bewertung die soziale Kultur des Unternehmens an. «Die Firma geht gut mit den Angestellten um, man fühlt sich ernst genommen», schreibt beispielsweise einer. «Die Firma hat mir eine Chance gegeben, trotz gesundheitlicher Probleme», steht in einer anderen Bewertung.

Auch der Chef glaubt, dass die Firmenphilosophie entscheidend sei: Fairness und Kommunikation sind gross geschrieben. Die Angestellten sollen wissen, dass sie auch bei Schwierigkeiten eine zweite Chance erhalten, sagt Eric Youssoufian auf Anfrage von Bernerzeitung.ch/Newsnet. Die Vorgesetzten des Personalverleihers im Bereich IT besuchen ihre Angestellten regelmässig vor Ort.

Bei Problemen könne man jederzeit mit ihm sprechen: «Die Tür zu meinem Büro ist immer offen.» Youssoufian sagt, er führe das Unternehmen wie ein Patron, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: «Die meisten Mitarbeiter sagen Papa zu mir.» Neben der familiären Atmosphäre scheinen allerdings auch die harten Fakten zu stimmen. Youssoufian gibt an, dass die Firma bei Löhnen und Ferien über dem GAV liege.

Knigge-Kurs und soziale Arbeit

Eine ähnliche Strategie fährt die Gebäudetechnikfirma Hunziker und Partner, welche letzte Woche den Nachhaltigkeitspreis der Zürcher Kantonalbank für KMU erhielt. Werte zu leben, sei ihm wichtig, sagt Firmenchef Christian Hunziker.

Er legt seinen Schwerpunkt auf die firmeninterne Weiterbildung: In einem ausgeklügelten Schulungssystem erhalten die Angestellten bei der Firma 50 bis 70 Stunden Fortbildung pro Jahr. Sie bekommen dabei nicht nur technisches Wissen vermittelt, bei einem Kurs kann es auch mal darum gehen, wie man sich bei einem formellen Essen richtig verhält.

Auch Hunziker sagt auf Anfrage, dass man bei den Löhnen über dem Durchschnitt liege. Um seinen Mitarbeitern etwas zu bieten, will er jedoch auch ungewöhnliche Wege gehen. Seine Idee: Ab nächstem Jahr sollen seine Angestellten die Möglichkeit erhalten, an bestimmten Tagen soziale Freiwilligenarbeit zu leisten. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 07.02.2012, 20:24 Uhr

24

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24 Kommentare

Jacques Zimmer

07.02.2012, 21:21 Uhr
Melden 79 Empfehlung

Als Chef könnte ich wahrscheinlich gut darauf verzichten, dass die Mitarbeiter "Papa" zu mir sagen. Antworten


Bruno Bernasconi

07.02.2012, 22:47 Uhr
Melden 50 Empfehlung

Dieser Eric Youssoufian kann ja ein lieber Papi sein, aber 42 Antworten sind wohl nicht statistisch relevant. Kim il-Jung erhielt 100% Zustimmung. Antworten



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