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Das blinde Vertrauen
Von Bernhard Fischer. Aktualisiert am 27.01.2012 12 Kommentare
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Wie kann man öffentliche Funktionäre an die Kandare nehmen, um Interessenkonflikte wie im Fall Hildebrand künftig zu vermeiden? Man nehme sich ein Beispiel an Mitt Romney: Die Millionen des US-Politikers sind so parkiert, dass er persönlich keinerlei Einblick und auch keine Einflussmöglichkeiten hatte. «Das ist charakteristisch für einen Blind Trust», erklärt ein Fachanwalt für Erbrecht einer grossen Zürcher Anwaltskanzlei. Das Mandat von Romney an seinen Vermögensverwalter gilt für die gesamte Zeit seiner politischen Ambitionen, um potenzielle Interessenkonflikte zu vermeiden.
Das wäre auch beim Präsidenten der Nationalbank angezeigt gewesen, und er selbst hat es vor seinem Rücktritt als mögliche Konsequenz aus der Affäre um Dollar-Käufe als künftige Compliance-Regel angeregt. Tatsächlich aber konnte Philipp Hildebrand Aufträge an seinen Kundenberater erteilen und wurde nachweislich laufend über Transaktionen und Vermögensstände informiert. Bei einem Blind Trust wäre das nicht erlaubt. Bei dieser Form der Vermögensverwaltung bekommt lediglich der Steuerberater am Ende des Jahres eine Information über den Vermögensstand. Welche Geschäfte wann und in welcher Form getätigt wurden, bleibt geheim.
Lange Vorgeschichte
Die Institution der Blind Trusts gibt es seit dem Mittelalter. Damals haben Kreuzritter in England Hof und Gut einem sogenannten Trustee anvertraut, wenn sie auf Mission gingen. Bei seiner Rückkehr bekam er sie wieder zurück. «Wenn Romney von seinem sinnbildlichen Kreuzzug in der Politik zurückkehrt, erhält auch er wieder die volle Gewalt über sein Vermögen zurück. Mit dem Blind Trust wird zudem sichergestellt, dass er während dieser Zeitspanne keinen Einblick in die Geschäfte hat und vor dem Vorwurf des Insiderwissens geschützt ist», sagt der Fachanwalt. Eine allgemein verbindliche, einzig gültige Gesetzgebung gebe es bis heute nicht, sondern vor allem Richterentscheide, an denen sich die Jurisdiktion nach angloamerikanischem Recht orientiere.
Ob man nicht dennoch einfach zum Hörer greifen und ein Geschäft anordnen könnte? Für den Fachanwalt ist das eine heikle Frage. «Ein Romney oder Hildebrand werden mit Sicherheit schon beim Aufsetzen der Trust-Urkunde klären wollen, in welche Kategorien grundsätzlich investiert werden soll.» Denn: Sollte der Vermögensverwalter während der Mandatszeit das überantwortete Geld in den Sand setzen, kann er dafür sogar haftbar gemacht werden. «Man würde dann von mangelnder Sorgfalt sprechen. Es gibt Gerichtsentscheide in England, die etwa die ausschliessliche Vermögensanlage in Festgeld für eine Verletzung der Sorgfaltspflicht gehalten haben», sagt der Fachanwalt.
Blind und offshore
In jüngster Zeit sind Trusts etwas in Verruf geraten. «Viele haben sich mit dieser Konstruktion der Steuerpflicht für dieses Vermögen entledigt», erklärt der Fachanwalt weiter. Für die Einrichtung von Blind Trusts in der Schweiz bräuchte es aber nicht einmal die Rechtsform nach den angloamerikanischen Spielregeln.
Es könnten auch andere Rechtsformen gewählt werden, erklärt der Offshore-Spezialist einer weiteren Anwaltskanzlei, die sich um Family-Office-Geschäfte kümmert. Und zwar mit einer Vollmacht für den Vermögensverwalter, kombiniert mit einer Zugriffssperre des Inhabers auf sein Konto. Die Namensbezeichnung des Kontos bliebe in diesem Fall bestehen, aber die Verwaltung obliege dann ausschliesslich dem Beauftragten. «Das wäre die Minimallösung, die schon heute möglich ist, ohne neue Gesetze einzuführen oder Bestimmungen ändern zu müssen.»
Trusts sind teuer
Das Problem dabei: «Es sind nicht alle so vermögend, dass sich eine Trust-Konstruktion finanziell lohnen würde», sagt der Offshore-Experte. «So ein Gebilde kostet zwischen 20'000 und 30'000 Franken pro Jahr.» Für einen vermögenderen Amtsträger wie Hildebrand könne das noch eine probate Lösung sein. Und das erst recht für einen Politiker wie Mitt Romney, der über mehrere Hundert Millionen Dollar verfügt. «Für nicht so wohlhabende Funktionäre müsste wohl die betreffende Institution die Kosten übernehmen.»
In der Schweiz arbeitet man bereits an einer Sonderlösung. «Wir lobbyieren für die Finanzindustrie und befinden uns zum Blind-Trust-Thema in regem Austausch mit der Finanzmarktaufsicht», sagt Stuart Clements, Generalsekretär der SATC (Swiss Association of Trust Companys). Bis jetzt müsse jemand, der einen Blind Trust einrichten wolle, dies üblicherweise an Orten wie den Cayman Islands oder den British Virgin Islands erledigen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 26.01.2012, 17:06 Uhr
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12 Kommentare
Nur eben "hätte". Die Finanzlage Amerikas zeichnet den Unterschied (Blind Trust) Hildebrand - Mitt Romney deutlich. Blind Trust in der Schweizer Finanzbranche gar nicht so einfach. Blind Trust in der Politischen Landschaft der Schweiz aber sehr wohl. Antworten
Amerika ist ein Staat der andere Länder auf jegliche Weise schröpft, wo es nur geht. Die eigenen Regierungs- Beamten und Anwärter werden geschützt was Sie auch immer tun. Die nicht begründeten Kriege wurden von solchen Verbrecher wie Bus und Konsorten eingefädelt. Was daraus alles an Kriegsverbrechen auf Seite der USA gelaufen ist wurde nie zur Verantwortung gezogen. Typisch Amerika ! Antworten
Jegliche Regel kann umgangen werden, wenn man will. Trotzdem hat der Bankrat versagt. Es muss doch jedem Kind klar sein, dass solche Geschäfte für einen Notenbanker nicht erlaubt sind, auch wenn keine Vorschriften vorliegen. Die Kluft zwischen was wir als gerecht und fair empfinden und was die Gesetze an Recht durchsetzen klafft immer weiter auseinander, dank des Einflusses von Lobbyisten. Antworten
Es kommt dazu, dass SNB-Direktionspräsident nicht ein Amt mit Amtszeit ist, sondern er/sie ist ein Angestellte(r), bis zur Pensionierung oder Kündigung. Soll er/sie und seine Hausgenossen einen Blind Trust bis zur Pensionierung des Angestellten haben, und sich praktisch ihrer Vermögen auf unbekannte Zeit entäussern? Besser einen Habenichts anstellen, der anderseits aus Gründen nichts hat. Antworten
Jahrelang verlange man mehr Transparenz, Transparenz über alles, jede Ecke soll ausgeleuchtet sein. Nun merkt man langsam, dass die absolute Transparenz in gewissen Bereichen vielleicht doch nicht das Gelbe vom Ei ist. Die Perversie der Transparenz wäre ein globaler, totalitärer Überwachungsstaat (Orwell'sche Verhältnisse, Big Brother...), was wohl in niemandem Interesse ist. Antworten
@Ferhadi: Ich habe jetzt nicht die Schweiz gemeint, aber beispielweise die USA, die wissen mehr als sie denken. Beispielsweise die SWIFT-Transaktionen etc. Transparenz im Sinne des öffentlichen Interesses ja, aber nicht gläserne Bürger ! Und ja, einige private Firmen wissen auch sehr viel, nur ein Grund weshalb ich z.B. keine Cumulus etc. Card habe/benutze.
Wieso Überwachungsstaat? Heute weiss die Privatindustrie viel mehr über Sie, als der Staat jemals wusste und wissen wird. Transparenz funktioniert schon - wenn alle Seiten transparent sind - auch die Firmen. Ein Trust ist aber das genaue Gegenteil von Transparenz. A propos: Sie werden schon Leute finden in deren Interesse ein solcher Überwachungs"staat" ist.
Teil 1: Die richtigen, unanfechtbaren BLIND TRUSTS gibt es nur in den USA/UK. Da kann man alles verstecken. Brady Dougan (Credit Suisse CEO) arbeitete jahrelang beim Bankers Trust in NY, bis der Trust (seine Angestellten) wegen Betrugs vor Gericht mussten (1998). Der Trust wurde dann von D-Bank übernommen und verlor damit auch seine Unantastbarkteit. Dougan kam 1990 zur CS. Antworten
Teil 2: Seit den 80ern arbeitete der Bankers Trust vor allem mit Derivaten und High Yield Junk Bonds. Das toxische Zeugs eben, welches die Weltwirtschaftskrise hauptsächlich verursachte (Lehman Brothers war die andere Skandalbank) Statt Menschen wie Sergio Ermotti und Brady Dougan zu bestrafen werden sie CEOs der grössten CH-Banken. CS ist JP-Morgan/D-Bank), UBS ust Bank of America/Unicredit. ;-(
Es ist ein bisschen naiv zu glauben, mit einem Blind Trust sei jegliche Möglichkeit von Indsidergeschäften oder Interessenkonflikten ausgeschlossen. Wer unbedingt Insidergeschäfte machen will, findet auch da einen Weg. Aber natürlich sind sie mit Blind Trusts noch schwieriger nachzuweisen. Antworten
@Ferhadi: Gleicher Meinung. Feigenblatt Nr. 657 für "die Öffentlichkeit". "Don´t trust anybody with a Blind Trust (at all)" ;-).
Ein Blind Trust kann die persönlichen Dispositionen nicht treffen, wie Ferienhaus verkaufen und kaufen, und keine Vorsorge für die Ausbildung des Kindes treffen. Das müsste dann die Nationalbank machen. Gleich, wie nämlich die USA für Obama, und Russland für Putin und Medwedew sorgen. Antworten
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