Abo · Inserate · Wetter: Interlaken 18°recht sonnig

Wirtschaft

  • Region
  • Schweiz
  • Ausland
  • Wirtschaft
  • Börse
  • Sport
  • Kultur
  • Panorama
  • Leben
  • Auto
  • Digital
  • Wissen
  • Forum

Das Portemonnaie friert mit

Von Simon Schmid. Aktualisiert am 06.02.2012 18 Kommentare

Eine weitere Woche eisiger Temperaturen kommt auf die Schweiz zu. Dies verursacht Mehrkosten bei Heizung und Transport – wobei Elektromobile besonders schlecht wegkommen.

Innenluft will geheizt sein: Schornsteine in Bern, Thermometer in Samedan.

Innenluft will geheizt sein: Schornsteine in Bern, Thermometer in Samedan.
Bild: Keystone

Artikel zum Thema

Bildstrecke

Korrektur-Hinweis

Melden Sie uns sachliche oder formale Fehler.

Ende Januar kam Väterchen Frost in Mitteleuropa an. Und wie es aussieht, bleibt er noch einige Tage hier: Mindestens eine Woche dürften die Minusgrade noch anhalten, berichten die Wetterdienste. «Der Tiefkühlschrank Schweiz taut vorerst nicht auf», lässt uns beispielsweise SF Meteo wissen.

Ob Tiefkühlpizza oder Fünfgangmenü: Wer in seinen eigenen vier Wänden nicht frieren mag, wird durch die Kältewelle wohl oder übel auch zu Mehrausgaben gezwungen. Wie stark der Geldbeutel in diesen Tagen zittern muss, zeigt eine Aufstellung – ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Heizen gegen die Kälte

Fällt die Aussentemperatur um ein Grad, so steigt der Energieverbrauch für die Heizung um fünf Prozent an. Dies gilt als Faustregel, wie ein Sprecher des Verbands für Gebäudetechnik Suissetec sagt. Der Wert schwankt je nach Gebäudeisolation und Heizungstyp – charakteristisch ist jedoch der gleichmässige Anstieg: Liegen die Temperaturen wie aktuell rund 12 Grad unter der Durchschnittstemperatur, so steigt der Energiebedarf um rund 60 Prozent an.

Für Ölheizungen bedeutet dies, dass sich der Tank entsprechend schneller leert. Hochgerechnet auf eine Wohnung von 100 Quadratmetern verfeuert der Schweizer Haushalt demnach rund 9 Franken Öl pro Tag – rund 3.50 Franken mehr als an Februartagen üblich, wenn man den langjährigen Temperaturwert zu dieser Jahreszeit als Vergleichswert nimmt. Immerhin 100 Franken mehr macht dies auf einen ganzen Monat hochgerechnet aus.

Wer sein Sparguthaben nicht in dieser Schnelligkeit in thermische Energie umsetzen will, dem bleibt folglich nur eins: wärmere Kleider anziehen und die Heizung herunterdrehen. Stossweise Lüften und das Fenster auf keinen Fall kippen sind andere Tipps gegen Wärmeverluste und hohe Heizkosten, die der Verband Suissetec empfiehlt.

Stottern im Kaltstart

Auch beim Fahrzeug beeinflusst die Kälte den Energieverbrauch. Wie Bernhard Geringer vom Wiener Institut für Fahrzeugantriebe und Automobiltechnik sagt, führen die kalten Umgebungstemperaturen in der ersten Fahrviertelstunde zu einem Mehrverbrauch von 10 bis 20 Prozent. Erst wenn der Motor warmgelaufen ist – im durchschnittlichen Verkehrsverlauf ist dies nach etwa 11 Kilometern der Fall –, stellt sich kein Mehrverbrauch mehr ein. Aufgrund des höheren Temperaturgefälles ist der Wirkungsgrad des Motors dann sogar leicht höher, was jedoch durch andere Effekte wie den erhöhten Luftwiderstand (kalte Luft ist dichter) wieder wettgemacht wird.

Wer mit einem Zehn-Liter-Auto unterwegs ist, verbraucht demnach auf 100 Kilometer aktuell rund 2.50 Franken mehr an Benzin. Schlechter sieht es für Halter von Elektrofahrzeugen aus: In der Kälte erweisen sich die batteriebetriebenen Autos als Stromfresser, weil die Kabine nicht durch Abwärme aus dem Motor geheizt werden kann. Automobilforscher Geringer berichtet von einem Versuch, bei dem sich die Reichweite eines Elektroautos in der Kälte halbiert habe – was gleichbedeutend mit einer Verdopplung der Transportkosten für dieselbe Strecke wäre.

Strom für zusätzliche 200'000 Franken pro Tag müssen derweil die SBB während der Kältewelle beziehen. Diese Zahlen ergeben sich im Vergleich zum Januar, erklärt SBB-Mediensprecher Reto Kormann. Die 20 Prozent an zusätzlicher Elektrizität – sie entspricht in etwa dem Tagesverbrauch der Stadt Zürich – wird für das morgendliche Vorheizen von Zügen und die Heizung während des Tages gebraucht. Grosse Stromfresser sind auch die 6'800 Weichenheizungen, die in diesen Tagen auf Hochtouren laufen. Die Bahn befördert täglich rund eine Million Passagiere: Müssten diese den zusätzlichen Strom gleichmässig aufgeteilt bezahlen, so wäre für jeden einzelnen eine Gebühr von 20 Rappen pro Tag fällig.

Kälte- und Erkältungswelle

Erkältungen werden bekanntermassen nicht durch die Kälte, sondern durch Krankheitserreger verursacht. Trotzdem laufen bei vielen Schweizer Hausärzten aktuell die Telefondrähte heiss. Rund zwanzig Prozent mehr Patienten melden sich in diesen Tagen zum Hausarztbesuch an, berichtet zum Beispiel ein Gesundheitszentrum in Oerlikon – viele klagen über die typischen Grippe- und Erkältungssymptome. Je nach Dauer kostet eine einfache Arztkonsultation rund 50 bis 100 Franken: Wer nicht immun gegen Erkältungen ist, dessen Jahresfranchise wird durch die Kältewelle vielleicht bereits zu Anfang des Jahres etwas aufgezehrt.

Zwischen fünf und sieben Franken oder so viel wie ein Sandwich pro Tag: Dies sind die ökonomischen Kosten der Kälte, die aus dieser Ad-hoc-Zusammenrechnung von Heiz-, Fahrt- und Gesundheitskosten resultieren. Mehr zu den gesamten Kosten werden wir im Frühling erfahren – wenn die SBB die Reparaturkosten für Weichen und Fahrleitungen errechnet, die Tiefbauämter die Schäden an Strassenbelag beziffert und die Wasserwerke alle kaputtgegangenen Leitungen repariert haben. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 06.02.2012, 15:35 Uhr

18

Kommentar schreiben

Verbleibende Anzahl Zeichen:

No connection to facebook possible. Please try again. There was a problem while transmitting your comment. Please try again.

18 Kommentare

Elisabeth Matter

06.02.2012, 16:17 Uhr
Melden 55 Empfehlung

Elektroautos haben meiner Meinung nach eh keine Zukunft. Woher soll denn einst der Strom kommen, wenn alle AKWs abgeschaltet wurden? Der Stromverbrauch der Haushalte wird kaum sinken (im Gegenteil). Und da denken "intelligente" Leute tatsächlich an eine Zukunft von Elektroautos? Ganz schön naiv! Antworten


Heidi Boser

06.02.2012, 17:26 Uhr
Melden 29 Empfehlung

Das Schöne ist doch, dass bei diesen Temperaturen kein Mensch Lust hat, irgendwohin zu fahren und freiwillig zu shoppen. So gesehen, wird das "Einfrieren" der Ausgaben die Mehrkosten für die Heizung mehr als wettmachen ! Wünsche eine besinnliche Woche. Antworten



Wirtschaft

Populär auf Facebook – Privatsphäre

Telefonbuch

Marktplatz


Live @ Sunset

11. bis 22. Juli - Zürich Dolder u.a. mit B.B. King, Elton John und Alanis Morissette!

FÜR IHRE FREIZEIT

Für Ausgehtipps in der Region, nutzen Sie einfach unsere Agenda.

Online-Wettbewerb

Jetzt mitmachen!: Gewinnen Sie einen Abend als Statist bei den Tellspielen Interlaken!

Familie, Beruf und Studium

Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.

Remund führend in Werbetechnik

Kein Wunsch zu aufwendig, kein Format zu gross - Remund Werbetechnik löst jede Aufgabe mit modernster Technik.