Schwingen auf afrikanisch – die Bösen aus dem Senegal
Statt Jörg Abderhalden oder Kilian Wenger heissen die Stars in den Ringen der senegalesischen Hauptstadt Dakar Balla Gaye II, Modou Lo oder Tyson. Die Bösen aus Afrika messen sich in zwei Disziplinen: im Ringen (Lutte) und im Ringen mit Faustschlägen (Lutte avec frappes). Die Lutte avec frappes gilt als Königsdisziplin und ist besonders beim jungen, urbanen Publikum sehr beliebt. Ein Kampf ist meist schnell entschieden, selten dauert er länger als fünf Minuten.
Die Duelle selbst, die auch auf der Rasenfläche grosser Fussballstadien stattfinden, machen nur einen kleinen Teil des Spektakels aus. Die Kämpfer stürmen zu Beginn der Veranstaltung, gefolgt von ihren Trainingskollegen, in die Arena. Dort führen sie aufwendige Tanzchoreografien auf und provozieren die Anhänger des Gegners. Parallel dazu ertönt ohrenbetäubende Musik, und das Publikum gerät regelmässig in Ekstase.
Die Wettkämpfer werden bei ihren Auftritten von einem Medizinmann begleitet, denn Tradition und Mystik sind ein fester Bestandteil des afrikanischen Ringens. Vor jedem Kampf wird auf dem Sandplatz ein grosses Ritual abgehalten: Der Athlet wird während mehreren Minuten mit unbekannten Flüssigkeiten übergossen, die ihn stärker machen und schützen sollen. Zudem werden Eier und allerlei mystische Objekte vergraben, Verwünschungen des Gegners runden das Programm ab.
Bei den Aufeinandertreffen ist die Stimmung geladen und die jungen Anhänger aus den Vororten Dakars oft ausser sich. Die Veranstalter haben Mühe die Sicherheit in den Stadien zu garantieren. Doch in jüngster Zeit sind die grossen Telekommunikationsanbieter als Sponsoren auf den Zug der Lutte aufgesprungen. Somit stehen mehr finanzielle Mittel zur Verfügung und die Wettkämpfe können unter professionelleren Rahmenbedingungen stattfinden.
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.10.2010, 11:35 Uhr
