Im Ring war der Pazifist ein Zerstörer
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Muhammad Ali feiert seinen 70. Geburtstag. Wer ist Ihrer Meinung nach der grösste Sportler aller Zeiten?
Zitate von Ali
«Wer nicht mutig genug ist, Risiken einzugehen, wird im Leben nichts erreichen.»
«Ich habe George Foreman beim Schattenboxen gesehen, und der Schatten hat gewonnen.»
«Es ist nur ein Job. Gras wächst, Vögel fliegen, Wellen schlagen auf Sand, ich verhaue Leute.»
«Wenn es dein Verstand ersinnen und dein Herz glauben kann, dann kannst du es auch erreichen.»
«Um ein grosser Champion zu sein, musst du glauben, du seist der Beste. Und wenn du es nicht glaubst, gib wenigstens vor, du würdest es glauben.»
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Der gesundheitlich angeschlagene Muhammad Ali wird heute 70 Jahre alt. Der dreifache Schwergewichts-Weltmeister ist einer der grössten Sportler in der Geschichte. Während seiner Blütezeit wurde in Europa die Nacht zum Tag, wenn Ali in den Ring trat.
Mittlerweile sind über 30 Jahre seit dem letzten Kampf in seiner unvergleichlichen Karriere als Boxer vergangen. Doch Ali ist weltweit für viele immer noch der Grösste –auch, weil er sich in seinem letzten, aussichtslosen Kampf von einem übermächtigen Rivalen nicht bezwingen lassen will. Seit 1984 leidet der US-Amerikaner an Parkinson.
Den Ruhm hat er nicht nur mit überragenden sportlichen Fähigkeiten erworben. Wegen seines scharfen Verstands und seiner prahlerischen Art war der Boxer nicht nur bei seinen Gegnern im Ring gefürchtet. «Es ist schwierig, bescheiden zu sein, wenn du so grossartig bist wie ich», sagte Ali.
Gegen Krieg und Rassismus
Mit seiner Eloquenz sorgte er überall für beste Unterhaltung, wobei er über Rassenprobleme, Klassenkampf, die Dritte Welt ebenso referierte wie über die Fights gegen Joe Frazier sowie über seine vier Ehefrauen. Sein ausgeprägtes Charisma, das Engagement gegen Rassismus und Krieg, aber auch unzählige Verbalattacken, die ihm das Etikett «Grossmaul» eintrugen, machten den Boxer zu einer der schillerndsten Persönlichkeiten seiner Epoche. Mit seinem Bekenntnis zum Islam und dem Eintritt in die als politisch radikal eingestufte Gruppierung der Black Muslims hatte Ali seinen, wie er sagte, «Sklavennamen» Cassius Clay abgelegt und die amerikanische Öffentlichkeit schockiert. Hass aus dem reaktionären Lager schlug ihm entgegen, als er 1967 den Vietnam-Krieg öffentlich ablehnte und den Kriegsdienst verweigerte. Sein politisches Bekenntnis brachte ihm die Aberkennung des WM-Gürtels, den Entzug der Boxlizenz und eine fünfjährige Haftstrafe ein, die er aber nicht verbüssen musste.
Alis pazifistische Haltung («Ich habe keinen Streit mit dem Vietcong») erwies sich als weitsichtig. Sportlich schadete ihm die Sperre zwischen seinem 26. und 29. Altersjahr jedoch. Er erreichte nie wieder die Eleganz und Leichtfüssigkeit aus der Zeit vor der Sperre, lieferte aber gegen hochkarätige Rivalen fesselnde Kämpfe. Ali verfügte in seiner Hochblüte über boxerische Qualitäten, die bis heute im Schwergewicht unerreicht geblieben sind: Er «tanzte wie ein Schmetterling und stach wie eine Biene» (Selbstmetapher).
Angefangen hatte alles im Jahr 1954 in Louisville (Kentucky). Ali war der Sohn einer Mittelschichtsfamilie. Als Erster erkannte Joe Martin die aussergewöhnliche Begabung von Ali. Martin war Polizist und nebenamtlicher Boxtrainer. Er führte den damals 12-jährigen Clay in den Faustkampf ein. 1960 errang Clay unter Martin in Rom Olympiagold. Nachdem er bei der Rückkehr als «Nigger» beschimpft worden war, warf er die Goldmedaille in den Ohio-Fluss. Unvergessliche Klassiker
Noch im Herbst jenes Jahres gab Ali sein Profidebüt. Nach 19 klaren Siegen kam er zum ersehnten WM-Duell mit Sonny Liston. Clay nahm dem «alten, hässlichen Bären» durch technischen K.o. in der siebten Runde den Titel ab. Im Rückkampf gegen Liston kreierte Ali nach 102 Sekunden den «Phantomschlag», den alles entscheidenden K.-o.-Treffer, den niemand sah. Es folgten nach der Vietnam-Sperre die drei unvergesslichen Klassiker gegen den kürzlich verstorbenen Joe Frazier.
Im ersten Duell kassierte Ali 1971 in New York die erste Niederlage als Profi, das dritte ging als wohl grösste Ringschlacht in die Boxgeschichte ein: Im «Thrilla in Manila» lieferten sich Ali und Frazier am 1. Oktober 1975 bei Hitze einen gnadenlosen Schlagabtausch; nach 14 Runden gab Frazier auf Geheiss seines Trainers auf. «Wir kamen als junge Champions nach Manila und gingen als alte Männer», gestand Ali später.
Mit dem zweiten und dritten Gewinn des Schwergewichts-WM-Titels gegen George Foreman (1974 im legendären «Rumble in the Jungle» und Leon Spinks (1978) schrieb er Sportgeschichte. Im «Rumble in the Jungle» lancierte Ali die «Rope a Dope»-Taktik. Er lehnte sich an den locker gespannten Seilen mit dem Oberkörper und in der Doppeldeckung weit nach hinten, um sich der Wucht der Schläge Foremans zu entziehen. Der von Ali verbal provozierte Foreman, der zuvor Frazier den Titel mit einem brutalen K.o. entrissen hatte, schlug sich müde.
Schliesslich entschied Ali den spektakulären Fight gegen Ende der 8. Runde mit neun Kopftreffern in Folge für sich. Spätestens nach dem zweiten Kampf gegen Spinks hätte er im Alter von 36 Jahren endgültig zurücktreten sollen. Er tat es nicht, verlor 1980 gegen Larry Holmes und 1981 gegen Trevor Berbick. «Für einen alten Mann habe ich mich anständig geschlagen. Ich bin froh, dass ich noch immer so schön bin», sagte er. Lieber im Diesseits leiden
Längst ist Alis Gesundheitszustand fragil. Ali lebt heute mit seiner Frau Lonnie in Phoenix. Das Paar nahm an diesem Wochenende an offiziellen Feierlichkeiten zum runden Geburtstag in Alis Heimatstadt Louisville teil. Tochter Laila , die selbst als Profiboxerin WM-Titel gewann, sagt: «Mein Vater hat gute und schlechte Tage. Aber er kommt noch heraus, und er liebt Leute.» Ali kann nach dem Aufwachen nur noch einige Worte flüstern.
Maryum, eine andere Tochter, betont aber: «Er freut sich, wenn die Leute ihn erkennen, und er sagt immer, dass er lieber jetzt leidet als später im Jenseits.» (Berner Zeitung)
Erstellt: 17.01.2012, 07:30 Uhr
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