Der Schattenmann gegen den Glamourboy
Von Florian A. Lehmann. Aktualisiert am 02.02.2012 2 Kommentare
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Das bedeutendste US-Sportereignis des Jahres in der Nacht auf Montag (MEZ) ist eine Reprise des Finals von 2008. Vor vier Jahren setzten sich die Giants überraschend mit 17:14 gegen die favorisierten Patriots durch. Während viele Fans, namentlich jene der Giants, glauben, dass der Ausgang 2012 ähnlich verlaufen könnte wie vor vier Jahren in Phoenix, so scheinen die Stars eine andere Meinung zu haben. In einer Umfrage unter zehn Profis sprachen sich sechs für das Team aus Boston aus, nur vier für die Franchise aus New York. Die Prophezeiung der noch aktiven Experten beweist zudem, dass sich die Affiche als äusserst spannend ankündigt.
Solche Umfragen im Vorfeld von Grossereignissen gehören zum Sport. Die Hauptdarsteller selber pfeifen auf solche Prognosen. «Wir hätten das Flugzeug nicht bestiegen, wenn wir nicht sicher wären zu gewinnen», erklärt Giants-Profi Antrel Rolle nach der Landung in Indianapolis selbstbewusst. Dazu muss man beifügen: Wer nicht über genügend Selbstvertrauen verfügt, hat in dieser Sportart nichts zu suchen. Und wer ein Weichei ist, steht im American Football auf verlorenem Posten – so wie ein Eisbär in der Wüste.
Endgültig aus dem Schatten des Bruders treten
Nun, die Giants sind zuletzt in Fahrt gekommen. Sie konnten überdies in der Regular Season ihren Finalgegner bezwingen. In Form präsentierte sich während der gesamten Saison Eli Manning, dessen Berufsbezeichnung Quarterback ist. Das bedeutet, dass er eine Schlüsselrolle in der riesigen Organisation aus dem Big Apple einnimmt. Vor vier Jahren führte er den Underdog zum Titel gegen die Patrioten. Auch am Sonntagabend Lokalzeit im Dome von Indianapolis wird ihm zugetraut, dass er jene raumgreifenden und exakten Pässe hervorzaubert, die einen überzeugenden Spieler auf dieser so wichtigen Position auszeichnen. «Das ist ein grosses Spiel für die Giants. Das ist ein grosses Spiel für jeden von uns, der zum Einsatz kommt. Und es ist für mich nicht wichtiger als für unseren Trainer Tom Coughlin oder jeden anderen in unserem Team.» Wer glaubt, Football-Stars seien primär überhebliche und eitle Individuen, wird aufgrund von solchen Aussagen eines Besseren belehrt.
Eli Manning gilt als Profisportler, der zurückhaltende Aussagen macht – im Gegensatz zu seinem extrovertierten und berühmteren Bruder Peyton, der sein tägliches Brot als Quarterback der Colts aus Indianapolis verdient. Doch die Colts schiessen in dieser Spielzeit auf dem Platz längst nicht mehr, und Peyton Manning verfolgte aufgrund einer Nackenverletzung die gesamte Saison auf der Tribüne. Die beiden Brüder kommen zwar recht gut aus, eine Rivalität unter ihnen ist trotzdem auszumachen. Dass Eli nun quasi im Wohnzimmer seines älteren Bruders Peyton im Scheinwerferlicht der grossen Sportbühne steht, wird den einen wurmen und den anderen hämisch grinsen lassen. Es war auch schon anders: Als Payton 2007 mit den Colts die Superbowl für sich entschied, musste sich Eli mit der Rolle als Zuschauer begnügen. Das habe ihn damals definitiv neidisch gemacht, gesteht der jüngere Manning-Bruder an einer Medienkonferenz in der Hauptstadt des Bundesstaates Indiana. Mit einem zweiten Meisterring an den Händen wäre er familienintern etabliert und würde endlich auch in der Öffentlichkeit aus dem Schatten von Payton treten.
Keine Selbstzufriedenheit
Bescheidenheit ist eine Zier, doch weiter kommt man ohne ihr. Diesen Kernsatz kennt Eli Manning. Deshalb sagt der Quarterback der Giants ohne mit der Wimper zu zucken: «Ich sehe mich in derselben Klasse wie Tom Brady.» Das sind grosse Worte. Denn Brady führte in seiner glanzvollen Karriere die Bostoner schon zu drei Superbowl-Siegen. Holt Brady mit seinen Mannschaftskollegen erneut den Pott, dann wird er in Nordamerika definitiv auf die Stufe der unvergesslichen Grössen Joe Montana und Terry Bradshaw gehoben.
«Tom Terrific», wie er in der Branche und von Fans genannt wird, gilt als unermüdlicher Arbeiter, der nie mit seiner Leistung so richtig zufrieden ist. Besessen und ehrgeizig, ist für ihn nur der Triumph gut genug. Ein Beispiel gefällig? Nach dem knappen Erfolg im Conference-Finale gegen die Baltimore Ravens im Januar meinte Brady: «Ich habe heute versagt.» Er werde in den kommenden Wochen so hart wie möglich arbeiten und dann hoffentlich das beste Spiel abliefern, das er je gezeigt habe. HCD-Trainer Arno Del Curto würde den seriösen und nach Perfektion strebenden Brady sofort verpflichten, wenn dieser ein Eishockeyaner wäre.
Der Hauch von Glamour
Der Kalifornier wusste schon als Teenager, wohin ihn der Weg führen sollte. Wille und Einsatz, gepaart mit grossem Selbstbewusstsein, haben ihn zu einem der grössten und populärsten Sportstars des Landes gemacht. Dennoch haftet ihm der Ruf als Beau von der Westküste an, der auch schon als Coverboy von Magazinen posierte. Dass er mit dem brasilianischen Topmodel Gisele Bündchen verheiratet ist, umhüllt den Quarterback der Patriots zusätzlich mit Glamour – einem Attribut, das die Amerikaner besonders schätzen. Wenn das sportliche Highlight des Jahres vorüber ist, wird der 34-Jährige mit seiner Gattin und Sohnemann Ben in eine neue Villa in Los Angeles einziehen. Kostenpunkt des neuen Heims: über 20 Millionen US-Dollar. Ein Klacks für ein Paar, das gemäss dem Magazin «Forbes» jährlich rund 76 Millionen US-Dollar in die Haushaltkasse bringt; wobei die schöne Südamerikanerin (45 Millionen) ihren sportlichen Gatten (31 Millionen) in dieser Disziplin bei weitem in den Schatten stellt.
Doch häusliche Aspekte im Leben von Tom Brady müssen hinten anstehen. Der Kalifornier hat mit seinem in New Orleans geborenen Rivalen, der zum wertvollsten Spieler (MVP) der Superbowl 2008 gekürt wurde, eine vierjährige Rechnung offen. Nicht nur die beiden Quarterbacks sind gespannt, wie das grosse Duell in Indianapolis enden wird. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 02.02.2012, 14:25 Uhr
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2 Kommentare
Danke! Endlich ist dieser grosse Anlass auch in der Schweiz angekommen! Spannend wäre es ja schon seit Monaten und es interessiert unzählige Millionen von Sportfans, aber wir lesen hier nur über den Spengler Cup und Tina Mazes Unterhose. Nochmal danke, dass ihr wenigstens jetzt den Superbowl bemerkt habt! Guter Artikel! Antworten

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