«Ich bin bereit, Checks einzustecken»
Wicks Urteil: «Eine Zecke»
Sven Leuenberger hat Geoff Kinrade bisher nie live spielen gesehen. Der SCB-Sportchef verliess sich auf die Urteile eines Scouts aus Tschechien, des früheren SCB-Stars Gaetano Orlando und des Kloten-Stürmers Roman Wick, der letzte Saison in der AHL gemeinsam mit Kinrade den Titel geholt hatte. «Er soll läuferisch stark sein und über einen guten ersten Pass verfügen. Roman Wick hat ihn als Zecke beschrieben, er könne sich in den Gegenspieler verbeissen», erzählt Leuenberger. Obwohl der SCB finanziell «einen Extraeffort» geleistet hat, will der Sportchef keine allzu hohen Erwartungen schüren. «Kinrade muss wegen der personellen Situation in der Abwehr die Lücke füllen.» Ob der 26-jährige Kanadier schon diese Woche zum Einsatz kommt, ist noch unklar. Spielen soll hingegen Dan Weisskopf, für den der SCB eine B-Lizenz gelöst hat. Das Okay der Basel Sharks steht allerdings noch aus.
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Was wissen Sie über Bern und den SCB?
Geoff Kinrade: Als ich am Dienstagnachmittag ankam, sah ich, wie schön die Stadt ist. Ich entdeckte in der Ferne die Berge. Daher fühlte ich mich gleich heimisch, denn ich bin in der Nähe von Vancouver aufgewachsen. Ich weiss, dass Bern eine Hockeystadt ist – und die Menschen hier, denen der SCB sehr wichtig ist, sind stolz darauf. Ich hoffe, sie glücklich machen zu können, indem ich mithelfe, den Titel zu holen.
Weshalb wollten Sie den HC Pilsen verlassen?
Mein Stil passte nicht zur Philosophie des Trainers. Er wollte, dass ich unheimlich hart spiele. Ich bin zwar ein physischer Verteidiger, aber ich will nicht nur hart, sondern auch smart spielen. Zudem galt beim Coach das Anciennitätsprinzip; er setzte generell auf ältere Spieler. Obwohl mir die Stadt gefiel und ich mit dem Management keine Probleme hatte, stimmte für mich die Gesamtsituation nicht.
Sie haben den Job in Bern nur erhalten, weil mit Travis Roche ein wichtiger Verteidiger angeschlagen ist und sich die Mannschaft in der Krise befindet. Wie gehen Sie damit um?
Einfach ist es nicht, zu einem Team zu stossen, dem es nicht läuft. Wir wollen dringend eine Steigerung erzielen. Das Wichtigste ist, dass alle zusammenstehen, wenn die Playoffs beginnen.
Wie ist Ihr erster Eindruck? Steht das Team noch zusammen?
Am Dienstag haben wir statt eines Eistrainings eine Teambildungsübung absolviert. Ich hatte das Gefühl, Teil einer starken, funktionierenden Mannschaft zu sein – das war ganz anders als zuletzt in Tschechien. Als ich letztes Jahr mit den Binghamton Senators den Calder-Cup gewann, stellte ich fest, wie wichtig die Kameradschaft ist. Jeder muss bereit sein, für den anderen Opfer zu bringen.
Der SCB verfügt nun über sechs Kanadier, nur vier davon dürfen jeweils eingesetzt werden. Mit welchen Erwartungen sind Sie nach Bern gekommen?
Ich werde machen, was immer der Trainer von mir verlangt. Aber eines kann ich sagen: Ich liebe die Playoffs, ich liebe es, wenn jede Sekunde zählt. Diese spezielle Herausforderung bringt mir Energie.
Wo liegen Ihre Stärken? Was dürfen die Teamkollegen und Fans von Ihnen erwarten?
Bekannt bin ich für meine Fähigkeiten als Schlittschuhläufer; in meiner Jugend spielte ich im Sturm. Zudem gewinne ich viele Zweikämpfe. Ich bin stark an der Bande und bereit, Checks einzustecken, wenn es die Situation erfordert. Das tut zwar manchmal fürchterlich weh, aber so gewinnt man Meistertitel.
Ein einziges Spiel in der National Hockey League haben Sie bisher bestritten. Träumen Sie noch davon, sich dereinst in der NHL zu etablieren?
Mein Ziel ist es, auf dem höchstmöglichen Niveau spielen zu können. Die NLA ist eine der besten Ligen in Europa, insofern geht es vorerst darum, mich hier durchzusetzen. Ich habe nun bis Ende Saison Zeit, mich für einen längerfristigen Vertrag zu empfehlen.
(Berner Zeitung)
Erstellt: 25.01.2012, 10:04 Uhr
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