Der nächste Lockout steht vor der Tür
Von Simon Graf. Aktualisiert am 31.01.2012 5 Kommentare
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Als Doug Gilmour im November 1994 am Obersee eintraf, war die NHL noch weit weg. Jede Bewegung des Starcenters wurde damals fasziniert beobachtet. Umso grösser war das Bedauern, als im Arbeitsstreit in Übersee noch eine Einigung gefunden wurde und er nach vier Wochen wieder ins Flugzeug stieg. Sein Gastspiel im Lido hatte sich für den SCRJ trotzdem bezahlt gemacht. Auch zehn Jahre später wurde der Mutigste belohnt: Arno Del Curto, der schon zu Beginn Joe Thornton, Rick Nash und Niklas Hagman engagierte. Viele folgten seinem Beispiel, als sich abzeichnete, dass die ganze NHL-Saison ausfallen würde. Doch der eingespielte HCD war im Playoff unantastbar.
Nun läuft der Gesamtarbeitsvertrag wieder aus, am 15. September dieses Jahres, und in der Schweiz darf man wieder von NHL-Glamour träumen. Beim Feilschen um die neuen Rahmenbedingungen zwischen der Liga und den Klubbesitzern auf der einen, den Spielern und ihrer Gewerkschaft auf der anderen Seite, verhält es sich wie in einem Pistolenduell in einem Western: Wer zuerst zuckt, hat verloren. Dass die Gewerkschaft den neuen Modus der Liga mit vier Gruppen à sieben oder acht Teams zurückwies, war ihre erste Botschaft, dass mit ihr nicht zu spassen sei.
Der hohe Preis, den die Liga für die Lohnobergrenze bezahlte
Aus dem ersten Lockout 1994/95 gingen die Spieler als Sieger hervor. Weil die NHL nicht eine ganze Saison verlieren wollte, gab sie nach und liess ihre Forderung nach einer Lohnobergrenze fallen. Die damalige Einigung beinhaltete nur Detailkorrekturen wie eine Salärregelung für Neulinge, der Durchschnittslohn stieg in den folgenden zehn Jahren von 558 000 auf 1,83 Millionen Dollar. Angesichts dieser Kostenexplosion zeigten sich Besitzer und Liga 2004/05 nicht mehr kompromissbereit. Eine Lohnobergrenze pro Team (Salary Cap) musste durchgesetzt werden. Das gelang – zum Preis, dass die Saison ausfiel. Die Gewerkschaft lenkte zu spät ein, zuletzt lag man 6,5 Millionen Dollar (49 gegenüber 42,5) auseinander.
Und nun? Die Liga hat sich in den vergangenen Jahren im nordamerikanischen Markt gut positioniert, und trotzdem verloren letzte Saison 18 von 30 Teams Geld. Weil die Löhne zu hoch sind, wie sie klagen. Der Salary Cap, der mit dem Gesamtumsatz verknüpft ist, stieg seit dem Lockout von 39 auf 64,3 Millionen Dollar. Heute beträgt selbst die Untergrenze (48,3 Millionen Dollar), die Teams für ihre Spieler jährlich ausgeben müssen, deutlich mehr als bei der Einführung das obere Limit. Der wichtigste Streitpunkt ist, wie viel des Gesamtumsatzes (aktuell 3 Milliarden Dollar) an die Spieler fliessen soll – derzeit sind es 57 Prozent. In der NFL beträgt der Anteil 47 Prozent, im NBA-Arbeitsstreit einigte man sich jüngst auf 50. Je tiefer diese Zahl, desto tiefer fällt die Lohnobergrenze aus und desto kleiner sind die Spielerlöhne.
Es geht um viel Geld, aber nicht um einen Systemwechsel
Liga und Besitzer dürften eine ähnliche Regelung anstreben wie im Basketball, doch Don Fehr, der neue Chef der Gewerkschaft, der bekannt ist für seine harten Bandagen, wird auf mehr beharren. Zudem möchten die Besitzer die Lohnuntergrenze abschaffen, die serbelnde Klubs wie die Islanders nur schwer erfüllen, und Kürzungen auf existierenden Verträgen durchsetzen – 2005 mussten die Spieler auf 24 Prozent Lohn verzichten. Weitere Themen, die diskutiert werden: die Struktur von Verträgen, Schlupflöcher (dass etwa das Salär von Cristobal Huet, der in Freiburg parkiert ist, nicht «zählt»), das Alter von Free Agents, das Draftalter, der Finanzausgleich zwischen armen und reichen Teams, Teilnahme an Olympia.
Das tönt kompliziert und ist es auch. Schliesslich umfasst der Gesamtarbeitsvertrag derzeit 457 Seiten. Es geht nicht mehr um einen Systemwechsel wie vor acht Jahren, aber um sehr viel Geld. Noch ist nicht abzuschätzen, welche Dynamik die Gespräche, die im Februar einsetzen, annehmen. Wenn so viel Geld und Prestige auf dem Spiel stehen, ist Vernunft nicht mehr die treibende Kraft. (SonntagsZeitung)
Erstellt: 31.01.2012, 00:01 Uhr
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5 Kommentare
Strider kommt natürlich nach Zürich zurück und nicht nach Bern wo man ihn nicht mal für NLA tauglich hielt und ihm keine Chance gab. Trotzdem hoffe ich nicht auf einen Lockout. So ne "Chilbi-Saison" mag ja ganz lustig anzuschauen sein, aber das bringt dem CH Hockey und der Liga gar nichts und einmal alle 20 Jahre reicht. Antworten

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