YB hat viel Arbeit auf einigen Baustellen
Von Fabian Ruch. Aktualisiert am 08.11.2011 45 Kommentare
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«YB wieder mit meisterlichen Ansätzen», titelte «Der Bund» gestern. Und die Berner Zeitung meinte am Montag gar euphorisch: «Der YB-Express rollt auf der Überholspur weiter.» Da passt es ja ganz gut, liegt den über 15'000 Dauerkartenbesitzern der Young Boys in diesen Tagen die Jahresrechnung für 2012 in den Briefkästen. Blöderweise für YB betreffen die erwähnten Schlagzeilen einerseits die NLA-Frauen, die als Meisterinnen zwar derzeit im Mittelfeld der Tabelle rangiert sind, beim 3:3 gegen Basel aber reichlich Unterhaltung und Spektakel boten – und andererseits das U-21-Team, das in der 1.Liga von Sieg zu Sieg eilt.
Die Forderung von Gross
Das Aushängeschild der Organisation wird derweil mit Begriffen wie «schwach» oder «Mittelmass» oder «ideenlos» in Verbindung gebracht – und ist von der selbst grossspurig ausgerufenen Phase 3 derzeit ungefähr so weit entfernt wie ein YB-Anhänger davon, die Saisonkarte mit Begeisterung zu erneuern. Bei der 0:1-Niederlage am Sonntag in Genf gegen den limitierten, aber kämpferischen Aufsteiger Servette offenbarte sich erneut die spielerische Armut der Young Boys. Die Berner können punktemässig einigermassen mithalten, brillierten in dieser Saison aber selten und blieben oft blass. «Wir müssen uns in allen Bereichen steigern», sagt Christian Gross.
Titeltrainer Gross hat im Sommer sein Amt mit dem klaren Auftrag und Ziel angetreten, YB in spätestens zwei Jahren zur ersten Meisterschaft seit 1986 zu führen. Die Vereinsführung, die eigentlich nicht noch mehr investieren möchte, wird nicht darum herumkommen, trotz Verlust in diesem Jahr noch einmal massiv Geld in die Hände zu nehmen. «Wir arbeiten intensiv weiter», sagt CEO Ilja Kaenzig. Trainer Gross wünscht sich ja Verstärkungen für die Offensive, und er hat in den ersten Monaten in Bern bewiesen, wie knallhart er seinen Weg geht. Nicht nur der aussortierte argentinische Verteidiger Emiliano Dudar hat das schmerzhaft erfahren. Das YB-Kader wird sein Gesicht in den nächsten Monaten radikal verändern. «Ich will keinen Fussballer abgeben», sagt Gross zwar. Aber es dürfte längst klar sein, auf welche Spieler er setzt – und vor allem: auf welche nicht.
Prominente Ersatzspieler
Marco Schneuwly und Mario Raimondi beispielsweise stehen in der Trainergunst derzeit ganz hinten. Wenn sie eingesetzt wurden, agierten beide selten überzeugend, in der Hierarchie sind sie weit abgerutscht: Schneuwly wird kaum noch eingewechselt, Raimondi stand am Sonntag nicht einmal mehr im Kader. Regisseur Moreno Costanzo muss unterdessen seine Rolle im von Gross geschätzten Kraftfussball noch finden. Wie Costanzo standen Scott Sutter und François Affolter vor 12 Monaten noch im Aufgebot des Schweizer Nationalteams – bei YB kommen sie in dieser Saison kaum zum Einsatz.
Sutter, in den letzten Jahren einer der besten YB-Spieler, ist hinten rechts hinter dem soliden, offensiv zögerlichen Elsad Zverotic nur zweite Wahl – und die 20-jährige Verteidigerbegabung Affolter, im Moment in der Sportler-RS, musste in Genf wie Raimondi auf der Tribüne Platz nehmen. Laut Gross kämpft Affolter, Captain der Schweizer U-21-Auswahl, im Innenverteidigerranking hinter den gesetzten Alain Nef und Dusan Veskovac mit Juhani Ojala um Position 3. Das sind unerfreuliche Aussichten – zudem sitzt mit Affolter viel Kapital auf der (Ersatz-)Bank.
Kostspielige Korrekturen
Es würde kaum überraschen, strebten einige der unzufriedenen, prominenten YB-Reservisten bald einen Transfer an.
Das Kader der Young Boys ist zwar äusserst breit und mit vielen Nationalspielern besetzt, wirkt aber nicht ideal zusammengestellt. Es ist Zeit für (kostspielige) Korrekturen, um den personellen Wünschen von Christian Gross gerecht zu werden. Der Trainer geniesst bei der Fangemeinde nach zahlreichen uninspirierten Vorstellungen der Young Boys keinen grossen Kredit, aber im Verein ist man von ihm überzeugt. Gross hat ja auf früheren Stationen bewiesen, mit Resultatfussball erfolgreich zu sein. Er will auch YB mit meisterlichen Ansätzen im Express auf die Überholspur lenken. (Berner Zeitung)
Erstellt: 08.11.2011, 08:41 Uhr
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45 Kommentare
Zu YB gäbe es viel zu sagen und zu schreiben -nicht aber über die Herren Kaenzig und Gross -denn dieses selbsternannte von vielen hochumjubelte und hochbezahlte Dreamteam ist tat -und ratlos, wie es typischer nicht sein könnte. Bevor ein Herr Gross fordert -soll er sich selbst einmal fordern -am besten aber nicht mehr in Bern. Antworten
Am allerwenigsten versteh ich wieso Sutter seinen Platz verloren hat. Der ist doch um Klassen besser als Zverotic und harmoniert super mit Degen. Ich hoffe Sutter verlässt YB nicht, so dass er noch da ist wenn Gross gehen muss. Was ja aber nicht der Fall sein wird, weil sonst auch Känzig und Co. das Gesicht verlieren würden. Antworten
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