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Der entrückte Leader

Von Peter M. Birrer, Thomas Schifferle. Aktualisiert am 05.02.2012

Der FC Basel kann sich nur selbst vom Weg zum nächsten Meistertitel abbringen. Heute empfängt der Super-League-Primus den FC Sion.

Zwei Ausnahmespieler in einem Ausnahmeteam: Marco Streller trägt Alex Frei.

Zwei Ausnahmespieler in einem Ausnahmeteam: Marco Streller trägt Alex Frei.

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Super League

36. Runde

23.05.Basel - Young Boys1 : 2
23.05.Lausanne - Grasshoppers2 : 1
23.05.Sion - Luzern1 : 3
23.05.Thun - FC Zürich2 : 4
Stand: 23.05.2012 22:10

Rangliste

NameSpSUNG:EP
1.Basel34228478:3374
2.Luzern341412846:3254
3.Young Boys341312952:3851
4.Servette341461445:5348
5.Thun3411101338:4143
6.FC Zürich341181543:4441
7.Lausanne34862029:6130
8.Grasshoppers34752232:6626
9.Sion341581140:3517
10.Xamax1875622:220
Stand: 23.05.2012 22:13

Stichworte

Fussball-Diskussion

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Das erste grössere Missgeschick als Cheftrainer ist Heiko Vogel diesen Winter passiert, abseits aller Bühnen, aber jetzt leicht sichtbar. Beim Wohnungswechsel schnitt er sich in den rechten Zeigefinger, mit einem «beschissen scharfen Schweizer Messer».

Die Wunde ist genäht, der Finger bandagiert, aber das ist nichts, was Vogel die Laune trüben könnte. Er ist als Trainer der Überflieger der Liga, der FCB hat mit sieben Punkten Vorsprung überwintert, das Kader ist nicht nur zusammengeblieben, es wird dank der Rückkehrer Philipp Degen, Valentin Stocker und Gilles Yapi gar noch breiter abgestützt sein.

Darum liegt die Frage nahe: Wer soll diesen FCB stoppen? Wer, wenn nicht er selbst?

Vogel kann damit nicht viel anfangen. Sagt, was von aussen an sie herangetragen werde, müsse in «keinster Weise» mit ihrer Meinung übereinstimmen. Schiebt nach, dass die Spieler bislang stets konzentriert gearbeitet hätten. Und er sagt: «Hinter jedem Erfolg stehen Talent, Fleiss und Arbeit.» Was er damit sagen will: Ein Titelgewinn ist kein Selbstläufer.

Seit 13 Spielen ist Vogel, der 36-jährige Süddeutsche, Verantwortlicher bei der Nummer 1 im Land. Seine Bilanz liest sich eindrücklich: zehn Siege, zwei Unentschieden, eine Niederlage – in Meisterschaft, Schweizer Cup und Champions League, Tabellenführung in der Liga, Qualifikation für die Cup-Viertelfinals und die Achtelfinals in der Champions League. Unter ihm ist das Team defensiv stabiler geworden, er hat einen Vertrag bis 2014 erhalten, und der ganze Klub spürt, was Sportkoordinator Georg Heitz zum Ausdruck bringt: «Er geniesst wahnsinnigen Goodwill.»

Der FCB steht auf sehr solidem Fundament. Der Jahresertrag wächst in Europacup-Jahren auf rund 60 Millionen Franken an, die Lohnkosten für die insgesamt 130 Angestellten auf gut 30 Millionen, der FCB kann 24 000 Jahreskarten absetzen und allein aus dem Verkauf der Businessplätze über 5 Millionen verbuchen. Er verfügt über eine Infrastruktur und eine Führung, die Torhüter Yann Sommer schwärmen lassen. Das sei «nüme nüt», sagt er, «der FCB ist in Europa zu einer gewissen Nummer geworden».

Sommer ging mit seinem Vater zu den Spielen ins alte Joggeli, als Ballbub stand er im St. Jakob-Park hinter dem Tor, und er tat das immer gerne – wie zum Beispiel im Frühjahr vor neun Jahren, als Basel in der Champions League Juventus 2:1 besiegte. Er war damals 14.

Zweieinhalb Wochen ist das erste der beiden speziellen Spiele gegen Bayern München noch weg, aber was heisst schon speziell? FCB-Präsident Heusler redet von «Jahrhundertspielen». Sommer dagegen äussert sich so, wie es Vogel selbst tut und darum gern hört: «Am Sonntag ist Sion. Wenn wir jetzt an Bayern denken, verlieren wir gegen Sion.»

Das ist bezeichnend für Sommer, seine Art, sein Denken. «Step by step», fällt ihm dazu ein, Schritt für Schritt. Erst gab es die Lehrjahre in Vaduz und bei GC, dann den Aufstieg zur Nummer 1 in Basel, und jetzt gibt es nur eines: die Konzentration auf die Gegenwart. «Jetzt ist Basel», sagt Sommer, nichts sonst. Alles andere ist Zukunft.

Sportkoordinator Heitz sagt, Sommer werde von seinem Vater vorzüglich beraten. Sommer jedenfalls ist mit 23 Jahren bewusst, dass ein Torhüter seine Reife braucht, um einen nächsten Schritt machen zu können. Immer «cool bleiben» heisst darum einer seiner Grundsätze. In Basel lernt er, mit der Schwierigkeit umzugehen, in einem Match selten wirklich geprüft zu werden. «Während 80 Minuten habe ich keinen schwierigen Ball zu halten», sagt er, «aber in der 85. kommt dieser eine Ball, und wenn ich ihn nicht halte, steht es 1:1.»

Sommer und der Vergleich mit Keith Richards

Heitz schwärmt von Sommer, was auch deshalb naheliegt, weil Sommer in Basel spielt. Aber der Torhüter ist ein Talent, das sich Lob verdient. Und er gehört zu denen, die damit umgehen können. Er hat Kollegen, die mit Fussball nichts zu tun haben, er lernt, seit zweieinhalb Jahren und von einem Lehrer begleitet, das Gitarrenspielen. So wie Keith Richards wäre er gerne, um genau zu sein: was das Gitarrenspielen betrifft, nicht den Lebenswandel. Und er hat einen Satz des Rolling Stone im Kopf. Der heisst: Vor 80 000 Leuten ein Solo zu spielen, sei das beste Gefühl. So ähnlich ergeht es Sommer vor 70 000 Zuschauern in der Champions League.

Sommer zählt zu den wertvollen Kapitalanlagen des Klubs. Basler Produkte sind begehrt in Europa. Viel ist Spekulation in Transferzeiten. Heitz will sich daran nicht beteiligen. Was er aber sagt: «Für sechs Spieler lagen konkrete Offerten vor.»

Für Granit Xhaka interessierte sich der Hamburger SV und damit der frühere FCB-Trainer Thorsten Fink. Für Shaqiri legten drei Vereine schriftliche Offerten vor, darunter Zenit St. Petersburg und Galatasaray Istanbul. West Bromwich erkundigte sich nach Marco Streller, dem Captain im Form- und Stimmungshoch. Von Fabian Frei, Aleksandar Dragovic und David Abraham heisst es zumindest, sie seien begehrt.

Gegangen ist keiner, zur Freude von Vogel; der FCB ist das Gegenstück zum FC Zürich. «Es spricht für den Charakter der Spieler, dass sie etwas, das sie angefangen haben, vollenden wollen.» Gerade Shaqiri war Verlockungen ausgesetzt, denn auch Bayern München beschäftigt sich ernsthaft mit ihm. Vogel wäre «eher enttäuscht» gewesen, wenn sich im Ausland niemand mit Spielern des FCB befasst hätte.

1500 Spieler werden dem FCB im Jahr angeboten

Heitz wiederum gibt eines zu bedenken: «In der Schweiz haben wir wahnsinnige Verlustängste.» Hätten sie diese Ängste in Basel auch, wären sie schlecht beraten. Sie müssen damit umgehen können, einflussreiche Arbeitskräfte irgendwann zu verlieren. Es geht dabei nicht nur um die Jugend, es geht auch um die alternden Leaderfiguren Alex Frei, Marco Streller und Benjamin Huggel.

Die Klubführung betreibt die Planspiele, wer eines Tages wie ersetzt werden könnte. Aber es sind nur Pläne, von denen sie nicht weiss, ob sie realisierbar sind. Admir Mehmedi vom FCZ wäre zum Beispiel ein «interessanter Spieler» gewesen, sagt Heitz, aber er fragt auch: «Welche Perspektiven können wir ihm jetzt bieten – solange wir Alex Frei und Marco Streller haben?»

1500 Spieler jährlich werden dem FCB angeboten, vier pro Tag. Teilweise gehen deren Agenten mit nerviger Penetranz vor. Dem FCB ist lieber, sich vornehmlich in der Region zu bedienen, um den Faktor der Identifikation hochzuhalten. Heitz ist bewusst, wie wichtig dabei der Standortvorteil für den Klub ist. Weit und breit fehlt ihm die Konkurrenz, wie es sie in Zürich auch durchs Eishockey gibt. Und er hat die finanziellen Mittel, um seine Talentschmiede weiter auf hohem Niveau zu betreiben. Für 20 Millionen Franken entsteht ein Campus, den die frühere Präsidentin Gigi Oeri finanziert, und Oeri trägt 2,6 Millionen zu den 4 Millionen bei, welche die Nachwuchsabteilung jährlich kostet.

So ist das in Basel. Und Heitz sagt: «Wir haben die besten Möglichkeiten. Und wenn man sie hat und sieben Punkte Vorsprung, kann man doch nicht sagen: Es könnte in der Meisterschaft auch noch schieflaufen für uns.» (SonntagsZeitung)

Erstellt: 05.02.2012, 12:15 Uhr

Programm & Resultate

Super League
EndeSion - Luzern1:3
EndeBasel - Young Boys1:2
EndeThun - FC Zürich2:4
EndeLausanne - Grasshoppers2:1
Stand: 23.05.2012 22:07
Brussels Ladies Open
23.05EndeRadwanska - Tsurenko6:1 6:0
Internationaux de Strasbourg
23.05EndeLucic - Schiavone1:6 2:6
Open de Nice Côte d’Azur
23.05EndeIsner - Malisse7:6 7:6
23.05EndeKukushkin - Tomic3:6 6:2 7:5
Roland Garros, Qualification WTA
23.05EndeChan - Sadikovic7:6 6:4
Stand: 23.05.2012 20:32
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Brussels Ladies Open
24.0515:30Radwanska - Uytvanck
Internationaux de Strasbourg
24.0513:00Larsson - Schiavone
Open de Nice Côte d’Azur
24.0514:45Isner - Davydenko
Power Horse World Team Cup, Red Group
24.0514:30Berdych - Berlocq
24.0516:00Roddick - Soeda
Stand: 23.05.2012 19:55
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden
Keine Daten vorhanden

Sport

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