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Wohnungsbrand: «Wir hatten Glück im Unglück»
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Ein nächtlicher Wohnungsbrand in Oberhofen verlief für die Bewohner glimpflich: Alle konnten sich selber befreien oder von der Feuerwehr vom Balkon gerettet werden.
In den Zimmern entstand teils grosser Schaden. Man kann es getrost sagen: Oberhofen ist in der Nacht von Freitag auf Samstag haarscharf an einer Katastrophe vorbeigeschlittert. Ein Bewohner des Wohnkomplexes, welcher oberhalb des Restaurants Kreuz liegt, entdeckte bei seiner Heimkehr um 00.40 Uhr starke Rauchentwicklung im ersten Stock, wo er noch seine Freundin besuchen wollte. Es gelang ihm, die restlichen 15 Bewohner des bis 2005 als Hotel geführten Gebäudes aufzuwecken und den Wirt Dietmar Quietzsch zu alarmieren. Dieser löste sofort den Alarm aus, rannte auf die Restaurant-Terrasse und beruhigte von dort aus zwei Bewohnerinnen und einen Bewohner. Diese hatten sich wegen der Qualmbildung auf die Balkone geflüchtet.
Kurz darauf trafen die Feuerwehren von Oberhofen und Hilterfingen sowie die Ambulanz und später auch der Stützpunkt Thun (Löschzug) ein. Die drei Personen wurden mit der Autodrehleiter gerettet und wegen Verdacht auf Rauchvergiftung ins Spital gefahren. Mittransportiert wurde auch gleich Wirt Dietmar Quietzsch. Er hatte die mehrstufige Treppe übersehen, fiel hin und brach den Arm. Die drei anderen Bewohner konnten bereits wieder aus dem Spital entlassen werden.
In Sicherheit gebracht
So erzählen es gestern morgen der Besitzer des Gebäudes, Fred Künzli, und sein Vater Toni, der bis vor wenigen Jahren selber Besitzer war. Er wohnt ganz in der Nähe und kümmert sich von dort aus um die Anliegen der insgesamt 22 Hausbewohner. Es sind neben der Wirtewohnung und der zweistöckigen Maisonette, wo der Brand ausbrach, einfache Wohnungen, die aus den früheren Hotelzimmern umgenutzt worden sind.
Die anderen Bewohner des Hauses hatten sich dank des Alarms selber in Sicherheit bringen können. Derweilen versuchten die Feuerwehren, dem Feuerherd mit immer neuen Brandnestern so gut wie möglich Herr zu werden. Eine Checkliste, die der Gebäudebesitzer sogleich mit Sonja Reichen als Ressortverantwortlicher des Gemeinderats durchging, bestätigte es: Neben einigen, die die Nacht nicht in der Wohnung verbrachten, konnten alle Bewohner gerettet werden.
Gegen 5 Uhr, so berichtet Haupteinsatzleiter Martin Holzer, habe man den Brandherd im Griff gehabt. Kurz darauf wurde eine Brandwache bis in die gestrigen Morgenstunden eingerichtet. Die Löscharbeiten hatten sich im verwinkelten, in Gemischtbauweise mit hohem Holzanteil erstellten Gebäude (Jahrgang 1864) mit dem rechts davon im Jahre 1907 erbauten Wohnteil schwierig gestaltet.
Die Betreuung der Bewohner ging im Restaurant Kreuz vor sich, wo um 3 Uhr auch Gemeindepräsident Manfred Ammann auftauchte. Sonja Reichen vermittelte sechs Betroffene ins Hotel Niesenblick. Eine Person wurde privat beim ehemaligen Besitzer Toni Künzli untergebracht. Dessen Sohn Fred schätzte den generösen und unkomplizierten Einsatz der Gemeindebehörden. Die Kosten für die beiden Übernachtungen im Hotel übernimmt die Gemeinde. Heute wird weiter geschaut, wer in Ferienwohnungen zugeteilt werden kann, bis die Zimmer und Wohnungen wieder hergestellt sind.
Elf Wohnungen beziehbar
Von den 19 Wohnungen waren elf am gleichen Tag wieder beziehbar. In drei dieser elf Zimmer stellte die auf Brand- und Wasserschadensanierung spezialisierte Firma Wann SA sogenannte Neutralisierungs-Apparate hin. Diese kommen als Sofortmassnahme zum Einsatz. Wenn hingegen der Russbeschlag (Chlorid) ersichtlich ist, kann nicht neutralisiert werden. Er muss in diesem Fall laut Angaben von Erwin Zimmermann, dem Betriebsleiter der Wann SA, zuerst gereinigt werden. Die restlichen acht Wohnungen – darunter auch jene mit dem Brandherd, die aus ermittlungstechnischen Gründen noch nicht freigegeben wird – müssen mehr oder minder (total) saniert werden. «Vier Wohnungen davon sind laut der Gebäude- und Brandversicherung nur nass oder zu stark mit Rauchgasen belastet, aber grundsätzlich noch nicht beziehbar», sagt Fred Künzli. Toni Künzli führt regelmässige Investitionen am Haus ins Feld, die getätigt wurden. So sei vor drei Jahren die Fassade saniert worden. Und Sohn Fred ergänzt, dass das Zimmer im obersten Stock erst grad im letzten Herbst neu gemacht geworden sei.
Ermittlungen laufen
Das Regierungsstatthalteramt Thun und die Kantonspolizei Bern bezifferten den am Gebäude entstandenen Brand- und Russschaden auf mehrere 100'000 Franken. Die Brandursache war gestern noch nicht bekannt. Sie ist Gegenstand der laufenden Ermittlungen.
Dass beim Brandfall keine Menschen zu Schaden kamen (sieht man vom Armbruch des Wirts mal ab), sorgte für Erleichterung. «Wir haben Glück im Unglück gehabt. Es hätte ganz dumm laufen können», meinte Gemeindepräsident Ammann. Den Betroffenen gegenüber äussert er sich respektvoll: «Die Leute reagierten überraschend gut. Niemand machte auf Panik.» Ihn hat erstaunt, wie diszipliniert und ruhig der ganze Rettungseinsatz der Feuerwehren gelaufen ist. (Thuner Tagblatt)
Erstellt: 08.02.2010, 09:26 Uhr
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