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Region

WG-Gründung mit Hindernissen

Von Katia Grütter. Aktualisiert am 08.09.2010

Was einfach tönt, erweist sich für ihn als schwieriges Unterfangen: Peter Lüthi sitzt wegen Multipler Sklerose im Rollstuhl und möchte in Thun mit anderen Körperbehinderten eine eigene Wohngemeinschaft gründen.

Der an Multiple-
Sklerose leidende Peter Lüthi (hier ein Bild auf der Mühlebrücke) möchte in Thun eine WG gründen.

Der an Multiple- Sklerose leidende Peter Lüthi (hier ein Bild auf der Mühlebrücke) möchte in Thun eine WG gründen.
Bild: Katia Grütter

Frust schwingt in seiner Stimme mit. Die Suche nach einem WG-Zimmer in Thun via Internet musste Peter Lüthi aufgeben. «Die Wohnungen waren fast alle nicht rollstuhlgängig», schildert er. Der 43-jährige Bruder des Thuner Künstlers Heinrich Gartentor hat Multiple Sklerose und sitzt seit 2003 im Rollstuhl. Nun will er zusammen mit anderen Körperbehinderten eine eigene WG gründen – was sich als nicht weniger schwierig herausstellt.

Fehlende Plattform

Peter Lüthi, der in Kehrsatz aufgewachsen ist und zurzeit noch in Effretikon lebt, weiss nicht, ob es andere Körperbehinderte in der Region Thun gibt, die sich für eine WG-Gründung gewinnen liessen. «Ich denke schon, dass Interesse besteht», sagt er, «aber die Kontaktaufnahme ist schwierig.» Oftmals würden Adressen über Organisationen wie Pro Infirmis oder die Schweizer Paraplegikervereinigung (SPV) ausgetauscht, was aber bisher nicht ergiebig gewesen sei. Auch ein Aufruf im Diskussionsforum der Schweizerischen Multiple-Sklerose-Gesellschaft sei negativ verlaufen. «Mir fehlt eine Plattform, wo ich direkt mit anderen Körperbehinderten Kontakt aufnehmen kann», bringt es Lüthi auf den Punkt.

Support von Pro Infirmis?

Margareta Hofer, Beratungsstellenleiterin der Pro Infirmis in Thun, hat bisher keine Anfragen von anderen Körperbehinderten bezüglich einer WG-Gründung erhalten. «Ich kann mir aber durchaus vorstellen, dass es Interessenten gibt», fügt sie an. Peter Lüthis Idee findet sie spannend: «Wir könnten ihm Unterstützung für die Erarbeitung eines Konzepts anbieten.»

Auch Roland Bommeli, Sozialarbeiter beim Selbsthilfezentrum Berner Oberland in Thun, wäre bereit, dem 43-Jährigen zu helfen. «Eine Möglichkeit wäre es, ihm durch Vernetzung den Zugang mit ähnlich Betroffenen zu öffnen», sagt Bommeli. «Vielleicht könnte er dabei Menschen kennen lernen, die auch nach neuen Formen für ein selbstbestimmtes Wohnen für Körperbehinderte suchen und diese umsetzen möchten.»

Wohnungssuche schwierig

Die Suche nach passenden Mitbewohnern ist das eine, das Finden der geeigneten Wohnung das andere. Die Wohnung müsse rollstuhlgängig und durch einen Lift zugänglich sein, erklärt Peter Lüthi. Er stelle sich eine 3- bis 5½-Zimmer-Wohnung für zwei bis maximal vier Bewohner vor, im Umkreis einer Viertelstunde vom Bahnhof entfernt.

Doch ein Verzeichnis über Anzahl und Belegung behindertengerechter Wohnungen in Thun ist auch Thomas Zumthurm, Leiter des Amts für Stadtliegenschaft, nicht bekannt. «Thun besitzt jedoch 16 gemeindeeigene Wohnungen, die für Senioren oder Menschen mit leichten Behinderungen gedacht sind», sagt er. Allerdings seien diese zurzeit alle belegt. Eine weitere Option für Peter Lüthi wäre, einen Vermieter zu suchen, der sich bereits vor dem Wohnungsbau auf sein WG-Projekt einlassen würde. «Dazu muss ich aber zuerst wissen, mit wie vielen Leuten ich zusammenziehe», seufzt der 43-Jährige. Ein Teufelskreis.

Braucht Durchhaltewillen

Margareta Hofer sieht die Probleme, die mit dieser WG-Gründung verbunden sind. «Es braucht viel Durchhaltewillen, um so etwas zu erreichen», sagt sie. Einfacher wäre es, wenn Peter Lüthi sich einer Institution wie zum Beispiel der Wohn- und Arbeitsgemeinschaft für Körperbehinderte Gwatt (WAG) anschliessen würde. Der einstige Landschaftsgärtner möchte jedoch seine eigene Lösungfinden. Da er trotz Multipler Sklerose noch aufstehen könne, sei er nach wie vor ziemlich selbstständig und vorerst nur einige Male in der Woche auf die Betreuung der Spitex an-gewiesen.

«Es wäre schön, wenn ich möglichst bald nach Thun ziehen könnte», wünscht er sich. Denn der Grossteil seiner Verwandtschaft lebt hier, und der See hat es ihm angetan. Bleibt zu hoffen, dass Lüthi in Thun bald nicht mehr bloss auf Besuch ist.

Wer Peter Lüthi weiterhelfen möchte, kann sich bei ihm via E-Mail oder Handy jederzeit melden: luethip@gmx.net oder 078 681 43 02. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.09.2010, 10:11 Uhr

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