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Sie führen die Villa unter den Hostels

Von Sarah McGrath-Fogal. Aktualisiert am 23.02.2012

Sie ist die Villa unter den Herbergen: Die Backpackers-Villa Sonnenhof in Interlaken wurde von der Onlinebuchungsplattform Hostelworld.com zum dritten Mal in Folge als bestes Hostel der Schweiz ausgezeichnet.

Viel Zeit zum Entspannen haben sie selten: Marianne und David Bühler in der Lounge der Backpackers-Villa Sonnenhof.

Viel Zeit zum Entspannen haben sie selten: Marianne und David Bühler in der Lounge der Backpackers-Villa Sonnenhof.
Bild: Sarah McGrath-Fogal

49'500 Logiernächte hat die Backpackers-Villa Sonnenhof im vergangenen Jahr generiert. Das sind mehr als doppelt so viele wie im ganzen Dorf Leissigen im gleichen Zeitraum zusammen. Doch für die Quantität hat der Sonnenhof keinen Preis gewonnen, sondern für seine Qualität. In Zeiten des Internets sind gute Rückmeldungen auf Onlineplattformen das A und O für einen guten Ruf und damit auch für die Wirtschaftlichkeit des Unternehmens. Über die Interlakner Herberge haben die Gäste aus aller Welt, zumindest gemäss den Rückmeldungen auf der Buchungsplattform Hostelworld. com, fast nur Gutes zu sagen. Aktuell wird das Gesamtangebot des Hostels mit sehr guten 93 Prozent bewertet. Damit wurde die Villa zum dritten Mal in Folge als bestes Backpackers der Schweiz ausgezeichnet und gewann einen sogenannten Hoscar. Marianne und David Bühler, seit 14 Jahren Gastgeber im Sonnenhof, durften diesen vor kurzem in Dublin abholen.

«Für eine Party ins Balmers»

Am Sonnenhof kritisieren die Gäste nur Kleinigkeiten. So zum Beispiel, dass die Mehrbettzimmer zu klein seien, aber auch, dass man im Balmers, einer anderen bekannten Herberge in Matten bei Interlaken, mehr Spass habe als im Sonnenhof. Darauf angesprochen lacht David Bühler und gibt unumwunden zu: «Zu uns kommen nebst Individualtouristen viele Familien. Wer Party machen will, ist bei Balmers tatsächlich besser aufgehoben.»

Interlaken habe eine hohe Dichte an Hostels, und die meisten davon seien seit 2003 im Verein Interlaken Hostels und Adventure zusammengeschlossen. «Wir arbeiten gut zusammen, und die Nachfrage ist gross genug, sodass alle profitieren können», sagt Bühler. Trotzdem ziehen viele Gäste den Sonnenhof vor, er hat sogar Stammgäste, wie Bühler bestätigt – eine Seltenheit bei Jugendherbergen.

Unweigerlich drängt sich die Frage auf, was Bühlers denn besser machen als andere? Die beiden zögern mit einer Antwort und geben sich bescheiden. Wichtig sei, nichts zu versprechen, was man nicht halten könne. «Wir geben nicht vor, etwas zu sein, was wir nicht sind. Wir sind ein Hostel und kein günstiges Hotel. Auch die Gäste der Einzel- und Doppelzimmer müssen ihre Bettwäsche selber anziehen», sagt Marianne Bühler, welche das Hauswirtschaftsteam führt und damit in der Hochsaison, wenn die Herberge ausgebucht ist, für 190 frische Betten zuständig ist. Im Sonnenhof können Backpackers ausserdem bis 24 Stunden vor Ankunft ihre Buchung annullieren – ohne Kostenfolge. «Damit haben wir bis jetzt gute Erfahrungen gemacht und verzeichnen keine Verluste. Die Hemmschwelle, ein Zimmer zu buchen, ist bei dieser kurzen Frist tiefer», sagt der Gastgeber.

Beide sind sich einig, dass ein verlässliches Team mit grosser Eigenverantwortung das Herz eines guten Betriebes ist. «Wir nehmen uns jeden Monat Zeit für eine Teamsitzung», sagt David Bühler. Das Team an der Rezeption habe ausserdem die Kompetenz, Gästen bei Reklamationen eine Nacht zu schenken. So gehen Bühlers mit ihren Kindern auch unbesorgt in die Ferien, im Wissen, dass der Betrieb auch ohne sie problemlos läuft.

iPad statt «Lonely Planet»

Bühlers kommen aus dem Kanton Aargau und sind Quereinsteiger. Er ist ursprünglich Schreiner, sie kaufmännische Angestellte. Beide haben sich ihr Wissen in der Hotellerie über all die Jahre in der Praxis angeeignet und sich mit dem Sonnenhof, der ursprünglich ein Altersheim war, vor 14 Jahren einen Traum erfüllt. Das Geschäft lief so gut, dass die beiden Gastgeber vor drei Jahren neben der ursprünglichen Villa einen Erweiterungsbau errichten konnten. «In der Hochsaison begrüssen wir pro Tag circa hundert neue Gäste; die meisten bleiben im Durchschnitt zwei Tage», sagt Marianne Bühler.

Was hat sich in den letzten 14 Jahren verändert? «In den 90er-Jahren waren die Nordamerikaner hier, mit Rucksack und dem ‹Lonely Planet›-Reiseführer. Heute sind es Asiaten mit Rollkoffer und iPad», sagt David Bühler. Am Gästesegment könne man die Weltwirtschaft gut «ablesen». Am meisten Gäste kämen derzeit aus Südkorea, Indien und Australien, Amerikaner und Kanadier seien vergleichsweise in der Unterzahl. Von letzteren profitiere Osteuropa, das billiger zu bereisen sei als die Schweiz.

Choral zum Jubiläum

Ein Gast, der immer wieder zu Bühlers nach Interlaken kommt, ist ein 70-jähriger Schotte. «Nach vielen Jahren bei uns zieht er mittlerweile ein Einzelzimmer den Mehrbettzimmern vor», sagt David Bühler mit einem Lachen. Zum 10-Jahr-Jubiläum des Hostels habe der schottische Gast, ein Anhänger von Kirchenchorälen, eigens für das Hostel sogar einen Lied geschrieben... (Berner Oberländer)

Erstellt: 23.02.2012, 10:25 Uhr

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