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SP plant Initiative zum Thuner Schlossberg

Von Roland Drenkelforth. Aktualisiert am 15.09.2010

Das birgt Zündstoff: Die SP will eine Volksinitiative zur Nutzung des Schlosses Thun lancieren. Der Entwurf wurde bereits eingereicht. Doch inzwischen hat die Stadt den Vertrag mit Investor Hans Ulrich Müller ausgehandelt.

Idyllische Lage mit Panoramablick: Der Thuner Schlossberg mit dem alten Schloss (Donjon), links dem neuen Schloss (bis Ende 2009 als Gericht genutzt), dem alten Gefängnis (Mitte) und dem früheren Regierungsstatthalteramt (rechts) soll neu genutzt werden.

Idyllische Lage mit Panoramablick: Der Thuner Schlossberg mit dem alten Schloss (Donjon), links dem neuen Schloss (bis Ende 2009 als Gericht genutzt), dem alten Gefängnis (Mitte) und dem früheren Regierungsstatthalteramt (rechts) soll neu genutzt werden.
Bild: Patric Spahni

Am 29. September wird informiert

Die Stadt Thun, die 2006 das Schloss mit den umliegenden Gebäuden dem Kanton abgekauft hat, will die Liegenschaften im Baurecht an einen Investor abtreten. Das alte Schloss mit dem Museum bleibt allerdings im Besitz der Stadt. Die Gebäude auf dem Schlossberg wurden 2008 ausgeschrieben, drei Interessenten kamen in die engere Wahl. Der Gemeinderat favorisierte eines der Projekte und steht seit Ende 2009 in Verhandlungen. Beim Investor, den die Stadt erst Ende September offiziell präsentieren will, handelt es sich um Hans Ulrich Müller, Leiter der Credit Suisse für die Region Bern Mittelland und Privatinvestor. Unter anderem hatte er zusammen mit seinem Bruder Christian das Thuner Platzschulhaus gekauft und renoviert. Momentan ist er als Retter der Kartonfabrik Deisswil im Gespräch.

Das Schlossprojekt umfasst ein Restaurant, Künstlerateliers, Ausstellungsräume für das Schlossmuseum, Wohnungen und eine Akademie für KMU-Kader. Im alten Gefängnis soll ein Bed & Breakfast realisiert werden. Wohnungen sollen im Abzugshaus und im früheren Statthalteramt entstehen. Die SP möchte lediglich im Abzugshaus private Wohnungen haben (vgl. Haupttext). Am 29. September will nun die Stadt zusammen mit Investor Hans Ulrich Müller erstmals detailliert informieren.

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Bereits seit mehreren Monaten verhandeln Gemeinderätin Jolanda Moser (FDP) und ihre Chefbeamten mit einem Investor, dessen Name bis jetzt offiziell geheim gehalten wurde. Doch die halbe Stadt weiss inzwischen, dass es sich beim Investor um den Berner Hans Ulrich Müller handelt. Der Kadermann der Credit Suisse ist momentan als Retter der Kartonfabrik Deisswil in den Schlagzeilen. In Thun hatte er zusammen mit seinem Bruder Christian unter anderem das Platzschulhaus gekauft und renoviert. Jolanda Moser bestätigte nun gestern auf Anfrage erstmals, dass mit Müller verhandelt werde. Am 29. September soll dann zusammen mit dem Investor eine öffentliche Orientierung stattfinden.

Letzten Montag trafen sich die Parteien bereits zur dritten Verhandlungsrunde. «Wir konnten uns in den wesentlichen Punkten einigen und einen Vertragsentwurf aushandeln», sagte Jolanda Moser. Noch müssten aber Dienstbarkeiten und weitere juristische Details geklärt werden. Hans Ulrich Müller bestätigte gestern Abend den Sachverhalt und äusserte sich erstmals zum Projekt. «Wir wollen den Schlossberg beleben und etwas Gutes machen», betonte Müller.

«Ein grosser Teil des Schlossbergs wird auch künftig öffentlich genutzt», stellte Moser klar. Wohnen, Arbeiten, Kultur und Freizeit seien die vier Pfeiler der Nutzung (vgl. Kasten). Die Detailpläne sollen nächste Woche zusammen mit der Stiftung Schlossmuseum und der Museumsleiterin Lilian Raselli besprochen werden. «Es hat genügend Raum fürs Schlossmuseum, allerdings müssen auch die finanziellen Fragen noch geklärt werden», verdeutlichte Moser.

Initiative wird geprüft

Kein Thema an der Besprechung war laut Moser die geplante Volksinitiative der SP Thun. Die Initiative mit dem Titel «Unser Schloss gehört den Thunerinnen und Thunern» wurde letzte Woche zur Vorprüfung auf der Thuner Stadtkanzlei eingereicht. Moser bestätigte lediglich, dass sie von der Vorprüfung wisse, die Details aber nicht kenne. Sie gibt sich aber gelassen: «Wir stehen hinter dem jetzt vorliegenden Projekt und hoffen, dass wir auch die Initianten davon überzeugen können.»

Weniger Wohnungen

Ziel der SP-Initiative ist «der Erhalt und die Aufwertung des Schlosses Thun und seiner Umgebung als Begegnungsort für Einheimische und Gäste», wie es im Initiativtext heisst. Erreicht werden soll dies durch eine Überbauungsordnung, die der Stadtrat zu beschliessen habe. «Wir wollen, dass die Gebäude auf dem Schlossberg für kulturelle, gastgewerbliche und andere touristischen Nutzungen verwendet werden», erläutert auf Anfrage SP-Präsident Franz Schori.

Wohnungen sollen nur im Abzugshaus entstehen. Vor allem sollen auch die Aussenräume öffentlich zugänglich bleiben und die Bedürfnisse des Schlossmuseums abgedeckt werden. Gemäss Müller, der von der Initiative noch keine Kenntnis hatte, würden die Anliegen der SP weitgehend erfüllt.

SP sucht PartnerWohnungen seien nur im Abzugshaus und im früheren Statthalteramt vorgesehen. «Denkbar ist, dass dort auch wie bisher Büroräume sind», meinte Müller.

Gemäss Schori laufen momentan noch Gespräche mit den Grünen, anderen Parteien und Institutionen für eine Mitunterzeichnung der Initiative. Diese sollen in den nächsten zwei Wochen abgeschlossen sein. «Falls niemand mitmacht, ziehen wir das alleine durch», so Schori. Es brauche zwar noch einen offiziellen Beschluss der SP-Mitgliederversammlung (terminiert auf den 20. Oktober), das sei aber eine Formsache. «Die Initiative stösst grundsätzlich auf Zustimmung», meint Schori. Er ist deshalb auch überzeugt, dass die benötigten 1600 Unterschriften in kurzer Zeit gesammelt werden könnten.

Nachdem die Mitunterzeichner definiert sind, kann die Vorprüfung durch die Stadtkanzlei erfolgen. Das wird laut Schori etwa einen Monat dauern. Damit werde die Initiative «sicher noch vor den Wahlen von Ende November lanciert». Schori weisst jedoch wahltaktische Überlegungen von sich. «Uns geht es um das Schloss. So wie es jetzt läuft, kommt es nicht gut», ist Schori überzeugt.

Aber wieso lanciert die SP diese Volksinitiative erst jetzt, wo die Stadt mitten in Verhandlungen steht? «Anfangs Jahr hatten wir noch den Eindruck, dass das Vorgehen des Gemeinderats sinnvoll ist», erläutert Schori. Doch dieser Eindruck habe sich diesen Sommer geändert, es fehle an Transparenz. Schori ist sich bewusst, dass mit der Lancierung der Volksinitiative die laufenden Verhandlungen gestört werden. «Der politische Druck wird so hoch sein, dass dies Einfluss auf die Verhandlungen haben wird. Das ist auch unser Ziel», betont Schori.

«Wie Kaffeesatz lesen»

Gemeinderätin Moser räumt ein, dass in den letzten Monat vielleicht nicht alles optimal gelaufen sei. Nachdem die wesentlichen Punkte geklärt seien, «wollen wir nun Ende September offen und transparent informieren.» Ob die angekündigte Volksinitiative das vorliegende Projekt gefährden würde, könne sie nicht sagen. «Da müsste ich im Kaffeesatz lesen». so Moser. (Thuner Tagblatt)

Erstellt: 15.09.2010, 08:46 Uhr

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