Nocks Hochseilakt auf dem Grimselpass
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Spektakuläre Zirkusnummer vom Feinsten in der Winteridylle des Grimselgebietes: Am Alpenübergang, wo die Passstrasse zur Zeit unter einer meterhohen Schneedecke ruht, balancierte der Aargauer Hochseilartist am Dienstagmittag vor laufenden Filmkameras über die Tragseile der KWO-Gondelbahn, die vom Hospiz zum Chessiturm am Oberaarsee führt. Dieser Hochseilakt 100 Meter über dem zugeschneiten und -gefrorenen Grimselsee kam durch den Guttanner Filmemacher Menk Rufibach zustande: «Eigentlich wollten wir die Filmaufnahmen bei der Corvatschbahn im Engadin machen. Aber dort hätten wir dafür nur eine Stunde Zeit gehabt, denn dort wollen sie in diesen Tagen die Wintersportler ins Skigebiet transportieren.» Und so liess sich Freddy Nock von seinem Bekannten Menk Rufibach zum Seiltanz am Grimselpass überzeugen, zumal das Unterfangen von den Kraftwerken Oberhasli (KWO) unterstützt wurde.
«Sogar das Seil war warm»
Auftraggeber für die Aufnahmen, welche das Filmteam aus der Gondel der nahe liegenden Hauseneggbahn drehte, ist der Genfer Luxusuhren-Hersteller Cyrus. «Die Firma wird die exklusiven Bilder und Filme zu internen Zwecken verwenden, aber auch an der kommenden Schmuckmesse in Basel ab dem 8. März zeigen», sagt Rufibach, der Nock seit seiner Rekordserie vom letzten Sommer kennt.
Freddy Nock trug für seinen Seiltanz nicht etwa wintertaugliches Schuhwerk, sondern seine normalen Seillaufschuhe. Die minus fünf Grad Kälte konnten ihm nichts anhaben – er trug nicht mal eine Mütze. «Sogar ist Seil war angenehm warm», stellte er fest, als er sich unterwegs darauf setzte. «Die Stille in dieser unberührten, verschneiten Bergwelt – das Schönste das es gibt», schwärmte Nock nach seiner artistischen Einlage: «Ich hätte noch Stunden lang da oben bleiben können.» Rational kann Nock solche Gefühlslagen nicht begründen: «Ich bin ein Bauchmensch. Für mich muss alles zusammen passen; wenn etwas nicht stimmt, laufe ich nicht, fertig.»
«7 Rekorde in 7 Tagen»
Wie kam eigentlich Freddy Nocks 8,5 Meter lange Balancierstange über die lange Anreise mit zwei Seilbahnen und vier Kilometer Stollenfahrt bis zum Hospiz hinauf? «Diese ist ein vier Teile zerlegbar – also kein Problem», sagte Nock. Als Allrounder zieht der Künstler übrigens Bahnseile denjenigen im Zirkus vor: «Sie sind weniger gespannt, sie hängen durch, können in Schwingung geraten und sind gefettet.» Die meisten Seilläufer seien eher im Sommer unterwegs, er selber dagegen probiere gerne alles aus. Aus diesem Grund läuft er auch im Winter, bei steifem Wind und Minustemperaturen von bis zu 20 Grad.
Winterlich waren die Verhältnisse für Freddy Nock auch Ende August des letzten Jahres, als er auf dem Jungfraujoch (3454 m) einen neuen Weltrekord geschafft hat: Noch nie hat ein Mensch auf dieser Höhe einen Seillauf absolviert. In der selben Woche schaffte er zwei Drittel der geplanten Thunerseeüberquerung von Leissigen zu den Beatushöhlen – wieder ein Rekord mit 2,2 Kilometern. Diese Leistungen im Berner Oberland waren Teil seiner Serie «Sieben Rekorde in sieben Tagen», rein nach Nocks Credo «das Unmögliche möglich machen.»
Und Freddy Nock plant bereits neues auf dem Grimselpass: «Ich sage noch nicht was, aber der Besuch dieser schönen Bergwelt hat mich inspiriert; ich habe da so eine Idee» (Berner Oberländer)
Erstellt: 23.02.2012, 08:21 Uhr
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