Luca Hänni: «Am Boden zu bleiben, ist das Wichtigste»
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Erste Live-Show am Samstag
Mitten im Gespräch mit dieser Zeitung läutet Luca Hännis Handy. Am anderen Ende: eine Gruppe Girls, ziemlich aus dem Häuschen. Hänni ist einigermassen konsterniert – denn eigentlich sollte niemand die Natelnummer kennen. Doch einiges entzieht sich derzeit seiner Kontrolle – der Rummel wird immer grösser. Das deutsche Magazin «Popcorn» machte Luca Hänni jüngst zum Cover-Star und titelte: «Alle lieben Luca». Am 6.Februar ergab das Stichwort «Luca Hänni» bei der Internet-Suchmaschine Google 42300 Treffer – jetzt sind es bereits rund viermal so viele. Bisher habe er alle Fanpost selber beantwortet, sagt der 17-Jährige. Doch zuletzt waren es nach vier Tagen in Köln rund 150 Mails. «Langsam wird es schwierig.»
Deutschlands beliebteste Casting-Sendung lockt Jahr für Jahr Millionen vor die Bildschirme und machte aus Mark Medlock oder zuletzt Pietro Lombardi, dem Sieger von 2011, Stars, die Hunderttausende Platten verkauften. In diesem Jahr haben es nach Casting, Recall und der letzten Ausscheidungsrunde auf den Malediven mit Luca Hänni und Jesse Ritch aus Urtenen-Schönbühl (vgl. Ausgabe vom Montag) gleich zwei Berner in die Top 15 geschafft. Überstehen sie die erste Livesendung, ziehen sie mit acht Konkurrenten in eine WG. Danach muss nach jeder weiteren Show ein Kandidat die Koffer packen. Jesse Ritch ist für Hänni ein guter Freund geworden – die beiden haben bereits gemeinsam einen Song komponiert. Und: «Es ist schön, zwischendurch berndeutsch sprechen zu können», sagt Hänni schmunzelnd. Für die erste Liveshow – am Samstag ab 20.15 Uhr auf RTL – wird mit Familien und Freunden eine gemeinsame Carfahrt nach Köln organisiert. Welches Lied Hänni zum Besten geben wird, darf er nicht verraten. Nur so viel: «Es ist ein cooler Song, der mir passt.»
Luca Hänni hat seine Maurer-lehre zwar auf Eis gelegt. Trotzdem: Ist er der nächste Berner Büezer-Rocker nach Gölä? Hänni lacht herzhaft. «Ja, das kann man so anschauen, das hab ich mir noch gar nicht überlegt.»
Was für ein Abenteuer, was für eine Szenerie. Türkisfarbener Ozean, strahlender Sonnenschein, blauer Himmel mit bloss einigen dunklen Wolken weit hinten am Horizont. Vernachlässigbar. «Living out our dream», singt Luca Hänni auf den blitzblanken Planken eines schicken Boots mitten auf dem Meer. «Wir leben unseren Traum.» Was könnte besser passen. Auf der Traumurlaubs-Inselwelt der Malediven kämpfen die letzten 36 von ursprünglich über 35000 Kandidaten für die Castingshow «Deutschland sucht den Superstar» (DSDS) um die 15 Plätze in der ersten grossen Livesendung. Mitten unter der geballten Ladung an Gesangstalent tummelt sich der 17-jährige Uetendorfer – und er sorgt mit seiner gefühlvollen Interpretation des Bruno-Mars-Songs «Lighter» bei der oft so strengen Jury für restlose Begeisterung. Deutschlands ranghöchster Poptitan Dieter Bohlen gerät regelrecht ins Schwärmen: «Jetzt hab ich das erste Mal Gänsehaut gehabt und hatte das Gefühl, da steht ein potenzieller DSDS-Gewinner vor mir. Hammermässig!» Vor Freude hüpfen Hänni und seine Gesangspartner, darunter der ebenfalls überzeugende Jesse Ritch aus Urtenen-Schönbühl, kurzerhand über Bord. Es ist definitiv kein Sprung ins kalte Wasser.
Die Lehre ist auf Eis gelegt
Szenenwechsel. Zwei Monate später in Thun ist Gänsehaut ebenfalls ein Thema. Hier aber in erster Linie aufgrund der bitteren Kälte. Es ist einer dieser Eistage im sibirischen Februar 2012. Luca Hänni – mit kecker Frisur, modischem grauem Pullover und dunklen Jeans – bestellt in der Cortina-Lounge in der Unteren Hauptgasse einen wärmenden Latte Macchiato. Und erzählt entspannt, freundlich, mit glänzenden Augen von seinem Abenteuer. Die zehn Tage auf den Malediven seien eine «super Erfahrung» gewesen. Sehr schön, sehr stressig – und sehr heiss. «Da bist du am Morgen um 6 Uhr aufgestanden – und das erste, was du getan hast, war schwitzen», sagt er mit einem ansteckenden Lachen. Was Luca Hänni bisher geheim halten musste, ist seit gestern Abend offiziell: Er ist bei der Riesenkiste DSDS in der ersten Liveshow vom Samstag in Köln mit dabei. Das bedeutet: Singen vor einem Millionenpublikum, ein Riesenrummel – und vorläufig keine Zeit mehr für seine Maurerlehre. Bis Anfang Februar besuchte Luca Hänni nach der Rückkehr von den Malediven noch die Schulstunden. «Jetzt gibt es in der Lehre eine Pause, die so lange dauert, bis ich mich wieder melde.» Bei seinem Arbeitgeber, der Firma Frutiger, sei das kein Problem gewesen. «Sie sagten: Diese Chance hast du einmal – eine Lehre kannst du immer noch machen.» Klar ist es für Luca Hänni eine Option, dass er sich nach der DSDS-Zeit für irgendetwas entscheidet, wo sein musikalisches Talent gefordert ist und gefördert wird. Klar ist für ihn aber auch: «Eine Ausbildung will ich auf jeden Fall machen.»
Plötzlich berühmt
Der begeisterte Snow- und Wakeboarder, der gerne Pop und R’n’B hört und beim ersten Casting mit dem Song «One Step Closer» der Schweizer Band Myron überzeugte (vgl. Ausgabe vom 18.Februar), betrachtet das DSDS-Abenteuer realistisch. Er ist kein Lautsprecher, kein Blender und sagt: «Ich erhoffe mir, dass ich vielleicht mal eine CD aufnehmen kann.» Ihm ist durchaus bewusst, dass die allermeisten DSDS-Kandidaten über kurz oder lang in der Versenkung verschwinden. Sollte es bei DSDS nicht zum Sieg reichen, «lässt sich ja vielleicht in der Schweiz etwas aufbauen».
Dass er etwa in Thun bereits oft auf der Strasse angesprochen wird, findet Luca Hänni zwar «cool». Aber er will sich von der plötzlichen Bekanntheit nicht verbiegen lassen. Dafür würden auch seine Freunde und die Familie sorgen, ist er überzeugt. Und: «Ich sage mir auch selber immer wieder: Was ich erlebe ist schön und cool, ich kann es geniessen – aber am Boden zu bleiben, ist das Wichtigste. Sonst wirkst du schnell arrogant. Und das bin ich nicht.» Zu den teilweise euphorischen Juryreaktionen auf seine Gesangsdarbietungen im Casting und auf den Malediven sagt er: «Natürlich war ich froh, dass sie schöne Worte fanden. Dieter Bohlen ist ja sehr direkt, wenn ihm etwas nicht passt.» Dass es von Bohlen auf den Malediven auch mal Kritik gab, weil Hänni bei einem Duett enttäuschte, warf ihn nicht aus der Bahn. «Dann merkt man wieder: Ich muss Vollgas geben!»
Start am Schlagzeug
Blenden wir über ein Jahrzehnt zurück: Damals gab der Uetendorfer vor allem am Schlagzeug Vollgas. Klein Luca bearbeitete die Felle schon im Kindergartenalter. Später brachte er sich selber das Klavier- und Gitarrenspielen bei. Mit dem Klavier kam auch das Singen. Ein halbes Jahr, bevor er sich entschloss, beim DSDS-Casting mitzumachen, begann er mit Gesangsunterricht: «Meine Stimme ist noch nicht so ausgebildet, da ist sicher noch viel möglich.»
In seiner Familie spielt die Musik eine wichtige Rolle. «Mein Vater spielt ebenfalls Schlagzeug, meine Mutter hat in Gospelchören gesungen», erzählt Luca Hänni, der eine 21-jährige Schwester und einen 21-jährigen Stiefbruder hat und mit der Mutter und dem Stiefvater in Uetendorf lebt. Und er betont: «Die Eltern unterstützen mich. Sie haben immer an mich geglaubt, mir aber auch gesagt, ich solle nicht traurig sein, wenn ich bei DSDS rausfliege.»
«Ich will alles geben»
In der Cortina Lounge flackert das Kaminfeuer digital auf einem Bildschirm. Luca Hänni hingegen ist Feuer und Flamme – und zwar echt. «Ich will alles geben. Ich will nicht rausfliegen und mir sagen müssen: Luca, du hättest eigentlich mehr gekonnt», antwortet er auf die Frage nach den Erwartungen an sich selber bei DSDS. Und wo sieht er sich heute in einem Jahr? «Ich hoffe, irgendwo am Singen», sagt er. «Dass ich etwas aus meiner Chance machen konnte, die ich jetzt habe.»
Doch vorläufig konzentriert er sich voll und ganz auf die erste Livesendung von «Deutschland sucht den Superstar» am Samstag. Und da gilt: Die Malediven waren nur ein Vorgeschmack – jetzt wirds richtig heiss. «Logisch bin ich aufgeregt, vor so vielen Leuten zu singen», sagt er. Stärker als die Nervosität sei aber die Vorfreude.
Das Abenteuer seines Lebens – es beginnt für Luca Hänni jetzt erst richtig. (Thuner Tagblatt)
Erstellt: 23.02.2012, 10:30 Uhr
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