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Köppel betreibt Medienschelte

Von Fritz Lehmann. Aktualisiert am 26.11.2010 1 Kommentar

Der Wirtschaftsapéro im Hotel Metropole in Interlaken wurde durch scharfe Worthäppchen von «Weltwoche»-Chefredaktor Roger Köppel ergänzt.

Roger Köppel  referierte während gut einer Stunde im Hotel Metropole in Interlaken.

Roger Köppel referierte während gut einer Stunde im Hotel Metropole in Interlaken.
Bild: Martin Keller

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Ein Mann, viele Worte: Roger Köppel, Verleger und Chefredaktor des Magazins «Weltwoche» trat Donnerstagabend im Hotel Metropole auf. Er war Gast beim Handels- und Industrieverein des Kantons Bern, Sektion Interlaken-Oberhasli. «Intelligente Provokation und Recherche – worauf es beim Journalismus wirklich ankommt», hiess der Titel seines einstündigen Referats vor rund 50 Zuhörern. Darunter Grossratspräsident Gerhard Fischer oder Tourismusdirektor Stefan Otz. Applaus gab es schon vor der Rede. «Ich war schon ferienhalber hier», erklärte Köppel lächelnd.

Gefährlicher Konsens

Inhaltlich drehte sich die Rede von Köppel um die Einheitsmeinung, die gemäss ihm heutzutage in den Medien vorherrscht. Er prangerte an, dass der Staat und seine Vertreter zu wenig kritisch hinterfragt würden. Seine These hinter diesem Verhalten: «Die Presse ist eher links orientiert.»

Die Medienschelte ging weiter, er unterstellte seinen Berufskollegen zu wenig intensive Recherche. Das geschehe einerseits aus Zeitgründen. Andererseits aber auch, weil es unbequem sei. Und grosse Medienunternehmen würden Kleine «kaputtschreiben», um diese dann zu übernehmen. Auch den anwesenden Unternehmern redete er ins Gewissen: «Herrscht in einer Firma ein Konsens, dann ist das ein gefährlicher Moment.» Nichts sei einfacher, als gleicher Meinung zu sein. «Dabei geht es nicht einfach darum, recht zu haben. Sondern auch die Schattenseiten einer Sache zu beleuchten.»

Die «Weltwoche» gegen den Rest der Medienwelt

Roger Köppel, in der Medienwelt durch seine Provokationen nicht unumstritten, erklärte, dass er sich seit vier Jahren gegen den vorherrschenden Mainstream in der Schweiz stemme. Und gab Beispiele, wie die «Weltwoche» alleine mit einer anderen Meinung gegen den Rest der Medienwelt loszog: die Wahl von Barack Obama, den Staatsvertrag mit den USA oder die Missbräuche auf dem Zürcher Sozialamt.

Es war ein pointierter Abend, und Redegewandtheit konnte man dem Referenten sicher nicht absprechen. Pointiert waren aber auch die Zuschauer. So fragte etwa Stefan Otz: «Weshalb wird die ‹Weltwoche› immer dünner?» Köppel entgegnete, dem sei nicht so. Die aktuelle Ausgabe umfasse 82 Seiten. Aber in den früheren Zeiten sei das Blatt durchaus noch dicker gewesen. Und doppelte nach: «Wir können nicht mehr anbieten, als die Inserate hergeben.» Er schreibe aber stets Gewinn, die Abofluktuation betrage lediglich 16 Prozent. Das sei ein guter Wert. Seine Schlusspointe: «Wir müssen jede Woche über die eigene Überflüssigkeit hinwegschreiben.» (Berner Oberländer)

Erstellt: 26.11.2010, 11:26 Uhr

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1 Kommentar

Daniel Kettiger

26.11.2010, 17:51 Uhr
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Man kann die eigene Einseitigkeit und das eigene journalistischen Unvermögen auch dadurch schönreden, dass man die Konkurrenz kritisiert und heruntermacht. Das ist einfach und billig. "Intelligente Provokation" ist die Weltwochen nun wirklich nicht. Im Heruntermachen von Andersdenkenden ist sie aber sicher Spitze. Antworten


Thomas Schmied

29.11.2010, 01:43 Uhr
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Die Weltwoche schimmt gegen den Strom, d.h. gegen den medialen Einheitsbrei. Das die CH-Presselandschaft hauptsächlich ein "links-drall" hat, bezweifelt niemand. Wer das mag, kann sich auch die "Tierwelt" abonnieren, die ist bedeutend spannender. Antworten



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