Jungfraubahnen halten keine Schlittenhunde mehr
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Die Hundestation am Eigergletscher ist Geschichte, nach 96 Jahren halten die Jungfraubahnen künftig keine Schlittenhunde mehr. Die 16 Polarhunde haben ein neues Zuhause gefunden, das bestätigt der Mediensprecher der Jungfraubahnen, Simon Bickel, auf Anfrage: «Die drei Betreuer werden die Hunde von den Jungfraubahnen übernehmen.» Das sei für die Jungfraubahnen die beste Lösung. Ebenfalls übernehmen werden die drei Betreuer die Infrastruktur vom Eigergletscher, etwa die Zwinger.
Keine Nachfrage mehr
Grund für die Aufgabe dieses Angebots sind die hohen Verluste, die die Hundestation jährlich eingefahren hat (wir berichteten). Gemäss Jungfraubahnen waren dies pro Jahr 300000 Franken.
Zudem wären für einen Weiterbetrieb der Hundestation Investitionen in Höhe von 1,5 Millionen Franken notwendig gewesen. Und von den Touristen gab es immer weniger Nachfrage nach Schlittenhundefahrten.
Von 2002 bis 2008 haben lediglich 0,6 Prozent der Gäste, die das Jungfraujoch besuchten, eine Fahrt auf einem Hundeschlitten unternommen. Zu gross waren mittlerweile die Alternativen. Neben dem Besuch von Eispalast, Sphinx-Aussichtsterrasse oder Plateau auf dem Gletscher steht den Gästen ein Ski- und Snowboardpark zur Verfügung oder Adventureangebote wie «Tyrolienne» oder «Snow Disk».
Trotz der wirtschaftlichen Gründe hat die Meldung von der Schliessung der Hundestation für Erstaunen gesorgt und zum Schreiben von Leserbriefen angeregt. Doris Heiniger aus Meiringen etwa stellte den Verlust der Hundestation in Relation zum Jahresgewinn 2008 der Jungfraubahnen in Höhe von 8,7 Millionen Franken.
Betreuer teilen Hunde auf
«Wir sind froh über diese Lösung», sagte der Leiter der Hundestation, Thomas Kernen, auf Anfrage. Die 16 Hunde werden unter den Pflegern aufgeteilt. «Und zwar in den Rudeln, in denen sie bisher gelebt haben.» Mit dem von den Jungfraubahnen zur Verfügung gestellten Material vom Eigergletscher würden die Betreuer an ihrem Wohnort Unterkünfte für die Hunde nach Tierschutznorm erstellen. Die Hundestation wird in den nächsten Wochen geräumt.
Droht Arbeitslosigkeit?
Kernen ist seit acht Jahren im Vollzeitamt auf dem Eigergletscher tätig, gleich wie die beiden anderen Betreuer. Eine ähnliche Stelle wird er bei den Jungfraubahnen nicht mehr erhalten. Aber: «Wir sind mit den Jungfraubahnen im Gespräch, um eine anderweitige Beschäftigung zu erhalten.» Die Mitarbeiter hätten schon vor der Anstellung am Eigergletscher selber Polarhunde besessen, nun würden die Hunde wieder rein privat gehalten. «Wir werden weiter Schlittenhundefahrten unternehmen, sei es an Rennen oder an Veranstaltungen», sagt Kernen.
Die Hunde zu halten ziehe natürlich auch Kosten nach sich. «Aber welches Hobby kostet kein Geld?» Kernen nahm mit einigen Hunden der Kolonie erfolgreich an nationalen und internationalen Schlittenhunderennen teil. Er erreichte mit seinem Gespann sogar den Weltmeistertitel.
Einst Arbeitshunde
Seit 1913 lebten Schlittenhunde am Eigergletscher. Im Sommer wurden sie auf dem Aletschgletscher eingesetzt, in den Anfängen dienten sie als Arbeitshunde, etwa zum Ziehen von Lasten während des Baus der Jungfraubahn und zum Transport von Esswaren oder Post. Seit den Dreissigerjahren waren sie nur noch eine reine Touristenattraktion und ein beliebtes Fotomotiv. (Berner Oberländer)
Erstellt: 15.10.2009, 10:19 Uhr
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