Felsbrocken fielen auf Einstellhalleneinfahrt des Werkhofs

An der Schybeflue in Unterseen donnerten am Freitagabend 20 bis 25 Kubikmeter Fels auf die Brandpromenade. Einzelne Brocken fanden den Weg in die Einstellhalleneinfahrt des Werkhofs und in die Nähe eines Hauses.

Die Schybeflue hinter dem Werkhof der Gemeinde Unterseen: Die Felsbrocken 
durchschlugen unterhalb der Ausbruchstelle (Kreis) ein Steinschlagnetz (Pfeil).

Die Schybeflue hinter dem Werkhof der Gemeinde Unterseen: Die Felsbrocken durchschlugen unterhalb der Ausbruchstelle (Kreis) ein Steinschlagnetz (Pfeil). (Bild: Ueli Flück)

Stichworte

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnetz wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS). Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...

Der Harder sorgt immer wieder für Überraschungen. Am Freitagabend um zirka 18.15 Uhr sorgte ein Felsausbruch an der Schybeflue am Vorder Harder für «Äggschen». Felsbrocken donnerten auf die am Fusse des Felsens verlaufende Brandpromenade, ein beliebter Spazier- und Wanderweg. Zwei gewichtige Brocken kamen erst in der Einfahrt zur Einstellhalle des Werkhofs zum Stillstand, zwei andere in der Wiese hinter einem Mehrfamilienhaus. «Wir nahmen den Felssturz wie ein Erdbeben wahr», schilderte eine Anwohnerin. Den misslichen Wetterverhältnissen ist es wohl zu verdanken, dass sich niemand im Bereich des Absturzes befand, Personenschäden gab es nicht.

Fast senkrecht

Der Felsausbruch ereignete sich etwa 25 bis 30 Meter unterhalb des Schybefluehüttlis, einem Aussichtspunkt. Die Felsbrocken stürzten – unterwegs ein Steinschlagnetz durchschlagend – mehr oder weniger senkrecht rund 120 Meter in die Tiefe. Aus den zwischen der Fluh und der Brandpromenade stehenden Bäumen und Sträuchern wurde Kleinholz gemacht. Ingenieurgeologe Daniel Tobler von der Geotest AG in Zollikofen schätzt die abgestürzte Felsmasse auf 20-25 Kubikmeter, was einem Gewicht von 50-62,5 Tonnen entspricht.

Noch am Freitagabend wurde als erste Massnahme die Brandpromenade mit Absperrgittern gesperrt. Werkhofchef Erich Zurbuchen, Bergführer Hans Benninger, Kantonspolizist (und Bergführer) Adrian Deuschle und Gemeindepräsident Simon Margot prüften dann die Lage bei Tageslicht am Samstagmorgen. Am Samstagnachmittag wurde zudem die Ausbruchstelle von Geologe Tobler von einem Helikopter aus inspiziert.

Fazit des Geologen: «Es müssen keine weitern Ausbrüche aus diesem Bereich befürchtet werden.» Trotzdem: Die Brandpromenade bleibt vorläufig gesperrt. Den Bewohnern des Mehrfamilienhauses wurde geraten, vorsichtshalber den Ausgang auf der Rückseite des Gebäudes und den Spielplatz nicht zu benützen. Die beim Steinschlagnetz liegen gebliebenen Steine müssen zu Tale befördert und der Bereich gesäubert werden. Das wird vielleicht schon heute Montag geschehen. Gleichzeitig muss das Steinschlagnetz notdürftig hergerichtet, später repariert respektive neu installiert werden. «Wann die Brandpromenade wieder geöffnet werden kann, entscheidet der Geologe», stellte Gemeindepräsident Margot klar.

Die alten Unterseener kannten die Gefahren des Harders und hüteten sich, ihre Häuser zu nahe an dessen Fuss zu bauen. Aber das Städtchen wuchs immer näher an den Berg. Es mussten Steinschlagnetze montiert und Schutzdämme aufgeschüttet werden. Die Firma Geotest, von der das Integralprojekt Vorder Harder stammt, erarbeitete auch ein Überwachungsprogramm, schuf einen Frühwarndienst und ein Pflichtenheft. Laut diesem sind die Felsbereiche mit fraglicher Stabilität periodisch zu kontrollieren. Bei verschiedenen Felsabschnitten wurden Messpunkte eingerichtet und Zementsiegel angebracht.

Unberechenbar

Die Gemeinde Unterseen betraute den einheimischen Bergführer Hans Benninger mit folgenden Arbeiten: Visuelle Beobachtung der kritischen Felsbereiche, Messung der mit Felsbolzen ausgerüsteten Beobachtungsstellen, Kontrolle der Zementsiegel und der Steinschlagnetze, jährliche Felsreinigung an der Schybeflue. Diese erfolgte letztmals im Juni 2009. «Damals deutete nichts auf den nun erfolgten Felsausbruch hin», berichtet Hans Benninger, der seine Kontrolltätigkeit seit 30 Jahren ausübt und seine Rapporte gewissenhaft an Geotest weiterleitet. Ein Ereignis wie am Freitagabend hat er noch nie erlebt. Aber er pflichtet Gemeindepräsident Simon Margot bei, der festhält. «Der Harder ist halt unberechenbar und sorgt immer wieder für Überraschungen.» (Berner Oberländer)

Erstellt: 08.02.2010, 08:16 Uhr

KOMMENTAR SCHREIBEN







 Ausland



Verbleibende Anzahl Zeichen:

Mit dem Absenden des Kommentars erklärt sich der Leser mit nachfolgenden Bedingungen einverstanden: Die Redaktion behält sich vor, Kommentare nicht zu publizieren. Dies gilt insbesondere für ehrverletzende, rassistische, unsachliche, themenfremde Kommentare oder solche in Mundart oder Fremdsprachen. Kommentare mit Fantasienamen oder mit ganz offensichtlich falschen Namen werden ebenfalls nicht veröffentlicht. Über die Entscheide der Redaktion wird keine Korrespondenz geführt. Telefonische Auskünfte werden keine erteilt. Ihr Kommentar kann auch auf Google und anderen Suchseiten gefunden werden.


Meistgelesen in der Rubrik Region

Der TV-Player benötigt einen aktuellen Adobe Flash Player: Flash herunterladen

Weitere Videos Videothek öffnen

Emil Frey AG Autocenter Bern

Umfrage

Der Dokufilm The Cove, über japans Delfin-Fangmethoden läuft seit Januar in den Kinos. Schauen Sie sich den Film nun an, da er mit einem Oscar ausgezeichnet wurde?

Ja, unbedingt

Nein





© Tamedia AG 2010 Alle Rechte vorbehalten