«Die Lothar-Folgen bleiben katastrophal»
Fast ein Drittel ist mit Wald bedeckt
Gemäss Statistik Forstwirtschaft 2009 des zuständigen Bundesamtes sind 31 Prozent der Schweizer Fläche von Wald bedeckt. Das heisst, dass in der Schweiz im letzten Jahr 12210 Quadratkilomter von Wald und Gehölze bewachsen waren. Zum Vergleich: Die landwirtschaftliche Nutzfläche beträgt 37 Prozent. Gut 25 Prozent entfallen auf unproduktive Flächen, 6 Prozent auf Siedlungsflächen. Kleinere Waldanteile als die Schweiz haben Frankreich und die Niederlande mit 29 respektive 11 Prozent der Gesamtflächen. Spanien und Italien werden zu gut einem Drittel, Österreich knapp zur Hälfte von Wald bedeckt. Die Schweiz hat einen Holzvorrat von 428 Millionen Kubikmeter. Mit 361 Kubik pro Hektare Wald ist das der grösste Vorrat der Vergleichsländer. 59 Prozent des Holzvorrates besteht aus Weiss- und Rottannen, die grösstenteils in Sägereien zu Bau- und Konstruktionsholz verarbeitet werden. In unserem Land werden jährlich rund 5 Millionen Kubikmeter Holz genutzt. Im Jahr 2000 – also nach dem verheerenden Lothar-Sturm – waren es über 9 Millionen Kubik. Das Schweizer Holz wird zu gut 61 Prozent als Stamm- oder Rundholz in Sägereien verarbeitet, 26 Prozent werden als Energieholz verbrannt, und 12 Prozent als Industrieholz zu Papier, Zellstoff oder Platten verarbeitet.
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«Als Vizepräsident der Berner Waldbesitzer – des grössten produktiven Waldbesitzerverbandes der Schweiz – kann ich die schönfärberische Darstellung des Sturms Lothar nicht akzeptieren.» Mit solchen Worten reagiert der Gstaader SVP-Nationalrat Erich von Siebenthal (Bild) auf Berichte, die zehn Jahre danach bloss die Freude an der seither entstandenen Biodiversität (biologische Vielfalt) zum Ausdruck bringen. «Wer in Bezug auf Lothar von ‹Glücksfall› spricht, kann die Lage jener nicht nachvollziehen, die innert Stunden einen erheblichen Teil ihres Privatvermögens verloren haben.»
Die Waldbesitzer hätten praktisch über Nacht hunderte von Millionen an Vermögen verloren. Durch die auf Lothar folgende Käfer-Epidemie habe sich die Schadholzfläche verdoppelt. «Die Folgen bleiben auch aus heutiger Sicht katastrophal. Wir haben noch immer Käferholzbestände, die wegen der ungenügenden Aufräumstrategie entstanden sind», erklärt Erich von Siebenthal.
Freude am Schaden anderer
Wenn sich heute die Verwaltung ob der entstandenen biologischen Vielfalt freue, tue sie das auf Kosten der Waldbesitzer. Diese hätten das Holz nicht verkaufen können und es mangels guter Rahmenbedingungen im Wald liegen lassen müssen. Der Gstaader kritisiert: «Der Staat hätte schon vor Jahrzehnten feststellen können, dass unser Land zu wenig Verarbeitungsbetriebe hat. Das bahnlogistische Chaos, das bei Lothar herrschte, ist nur Symptom einer verfehlten Prioritätensetzung in der Schaffung international günstiger Rahmenbedingungen für Sägewerke und für den Wald.»
Die heutige Politik des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) und desjenigen für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) verschlimmere die Situation noch, rügt der Nationalrat. «Die Bahnlogistik für Rundholz wurde reduziert. Das Bafu arbeitet an Projekten wie der Biodiversitätsstrategie oder der Grundanforderungen an den naturnahen Waldbau weiter, ohne genügend zu berücksichtigen, dass Holz für die Bewältigung der klima- und energiepolitischen Aufgaben eine ausgezeichnete Antwort ist.»
Den Ertrag fast halbiert
1981 habe ein Kubikmeter gutes Holz noch 180 Franken gegolten, heute müsse man froh sein, wenn dafür 100 Franken gelöst werden könnten. Gerade im Bergwald sei die Waldnutzung aufwändig. «Nebst den ständig neu verordneten Auflagen ist auch das Kostenumfeld gestiegen – für die Waldbesitzer stimmt so das Kosten-Nutzen-Verhältnis einfach nicht mehr», sagt von Siebenthal.
Es könne wohl kaum das Ziel sein, künftig Holz aus Tschechien und anderen europäischen Staaten zu importieren, um auf die Waldnutzung in der Schweiz zu verzichten.
Die Rechte respektieren
Der Bund dürfe auf seinem eigenen Waldareal durchaus tun und lassen, was er wolle, betont der Oberländer Politiker. «Im restlichen Wald hat er aber die Eigentumsrechte zu respektieren. Damit der private Wald auch in Zukunft unsere umweltfreundliche Rohstoffquelle bleibt, müssen die Rahmenbedingungen so gestellt werden, dass die Bewirtschaftung gewinnbringend ist.»
Schweizer Holz sei sowohl als Energieträger wie als Baustoff ein wertvolles Gut. Um dessen Verfügbarkeit weiterhin zu gewährleisten, sei auch in Zukunft eine intensive Pflege des Waldes notwendig.
(Berner Oberländer)
Erstellt: 07.01.2010, 09:17 Uhr
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