Auch mit 35 ist Köbi noch ein Stürmer
Von Marc Imboden. Aktualisiert am 23.02.2012 2 Kommentare
Es gibt Pferde, die bereits früh von altersbedingten Krankheiten heimgesucht werden und somit nicht mehr zum Reiten oder zum Fahren eingesetzt werden können. Andere hingegen haben eine robuste Gesundheit und ein langes Leben und erstaunen damit sogar Fachleute. Zu letzteren gehört Köbi: Der schwarze Schweizer Warmblut-Wallach, der der Thunerin Andrea Neuenschwander gehört und auf einem Bauernhof auf der Gwattegg zuhause ist, wird heute sagenhafte 35 Jahre alt.
«Wir sind fast jeden Tag in der wunderbaren Umgebung unterwegs», sagt Andrea Neuenschwander. Dass sie ihren Köbi dabei reitet und nicht etwa an einem Strick führt, versteht sich von selbst. «Das kann er nämlich nicht ausstehen. Ich glaube, dass er sich dabei alt und unzulänglich vorkommt.» Es gab einmal eine Zeit, als sie Köbi wegen einer Verletzung während Monaten nur führen durfte. Für die angerissene Beinsehne des Rappen war das zwar die optimale Therapie – doch seine Seele litt. «Er wurde richtiggehend depressiv», erinnert sich Andrea Neuenschwander.
Ein Vulkan unter dem Sattel
Von Köbis früher Lebensgeschichte weiss sie nicht viel. Bloss, dass er am 23. Februar 1977 im Seeland zur Welt kam und gemäss seinen Papieren den Namen Seesturm erhielt. Vor 23 Jahren begegnete sie ihm zum ersten Mal. Er gehörte damals einer Frau, die mit ihm ziemlich überfordert war. «Köbi machte seinem Namen schon damals alle Ehre: Er war unter dem Sattel ziemlich eigenwillig und unberechenbar, woraus ich schliesse, dass er nie richtig ausgebildet worden war.» Zwei Jahre später entschloss sich die Besitzerin, Köbi zu verkaufen. «Aber eine Reitschule hätte ihn wegen seines Temperaments wohl nicht genommen.» Also entschloss sich Andrea Neuenschwander, die damals 20-jährig war und ihre Ausbildung gerade erst abgeschlossen hatte, Köbi zu kaufen.
Der unermüdliche und bockfreudige Wallach kam damit zu einer Frau, die nie Reitunterricht erhalten hatte. Aber Liebe kann die grössten Hindernisse überwinden, und so arrangierten sich die Beiden miteinander. Doch dieser Prozess war von blauen Flecken begleitet – nicht bei Köbi, sondern bei seiner neuen Besitzerin: Unter dem Sattel gebärdete sich der Rappe jeweils wie ein Vulkan. «Ich fiel unzählige Male herunter. Doch Köbi blieb immer stehen und liess mich wieder aufsitzen.»
In der Zwischenzeit ist Köbi nur ein bisschen ruhiger geworden. «Bei den Ausritten mit anderen Pferden will er aber weiterhin an der Spitze sein und ein flottes Tempo anschlagen. Schlendrian duldet er nicht!» Köbi ist inzwischen in der Gegend um die Gwattegg kein Unbekannter mehr. Er hat es sogar zum Werbebotschafter für Thun gebracht: Die Stadt hat ein Bild von ihm für eine Werbeblache verwendet.
Seinen Ehrentag geniesst er heute in der Begleitung von zwei- und vierbeinigen Freunden, gefeiert wird mit Freunden und Köbi-Fans am Wochenende. Andrea Neuenschwander betont, dass sie nicht stolz sei, ein so betagtes und gleichzeitig so gesundes Pferd zu haben, bei dem sich die altersbedingten Gebrechen in sehr engen Grenzen halten: «Es ist vielmehr Dankbarkeit dafür, dass wir beide so viel Glück im Leben haben. Hinzu kommt die Hoffnung, dass er seine Gesundheit und Lebensfreude noch lange nicht verliert!» (Berner Zeitung)
Erstellt: 23.02.2012, 14:23 Uhr
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2 Kommentare
Auch ich wünsche Köbi noch viele schöne Tage, Wochen, Monate, Jahre... Musste meine Stute leider letzten September über die Regenbrücke schreiten lassen. Sie wurde gut 30 Jahre und war ebenfalls bis kurz vorher topfit. Ueberhaupt ähnelt die Geschichte von Köbi und ihrer Besitzerin der meinen. Ein wunderschönes Gefühl, so lange von einem pferdischen Freund begleitet zu werden. Alles Gute! Antworten
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