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Abschied des Gerichts vom Schloss Thun

Von Roger Probst. Aktualisiert am 15.12.2009

Der Umzug des Thuner Gerichts vom Schlossberg in die Selve bedeutet das Ende einer langen Ära. Bei Richtern und Anwälten schwingt auch ein wenig Wehmut mit. Exklusivität und Romantik gehen nun verloren.

Der Thuner Gerichtspräsident packt zu: Thomas Hiltpold schleppt eine mit Akten gefüllte Kartonkiste aus seinem Büro.

Patric Spahni

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Der Blick von Thomas Hiltpold schweift über die Dächer von Thun. «Die Aussicht von meinem Büro aus sucht ihresgleichen», sagt der Geschäftsleiter des Thuner Gerichts. «Das werde ich vermissen.» Derweil verstauen Zügelmänner Kiste um Kiste mit Ordnern voller Akten, sowie Stühle, Tische und Schränke in einen grossen Lastwagen, der vor dem Schlosshof parkiert ist. «Mein Büro wird als letztes geräumt», sagt Hiltpold hinter einem mannshohen Turm voller Umzugskartons hervor.

Lange Planungsphase

Gestern haben die eigentlichen Zügelarbeiten begonnen. Bis heute Abend sollten sie zum grössten Teil abgeschlossen sein. Der Umzug des Thuner Gerichts vom Schloss Thun, wo es seit Jahrhunderten seinen Sitz hat, ins neue Verwaltungsgebäude an der Scheibenstrasse in der Selve wurde generalstabsmässig vorbereitet (wir berichteten). Die Planungen für den Umzug haben bereits vor Monaten begonnen. «Im Spätsommer haben wir eine grosse Entrümpelungsaktion durchgeführt», sagt Hiltpold. «Im Laufe der Jahre hat sich im Estrich so einiges angesammelt.» Insgesamt habe man mehrere Mulden mit aussortiertem Material gefüllt.

Vor zwei Monaten wurde dann das Archiv, rund 500 Kisten mit den Dossiers zu den Gerichtsfällen, ins neue Domizil geschafft. Und jetzt das gesamte Mobiliar. Vom Umzug kaum tangiert wurde das Gerichtswesen. Am letzten Freitag wurde in den alten Gerichtssälen noch verhandelt, bereits am kommenden Freitag sind in den neuen Sälen die ersten Verhandlungen angesetzt. «Die Einräumarbeiten laufen parallel», sagt Hiltpold.

Gebäude bleiben leer

Bis Ende März hat der Kanton die Gebäude im Schloss noch gemietet. Was dann passiert, ist offen. Der Gemeinderat ist mit möglichen Investoren in Verhandlungen. Klar ist, dass es im ehemaligen Gefängnis einen Bed&Breakfast-Betrieb geben wird. Hiltpold hofft, dass die Räumlichkeiten nicht lange brach liegen. «Es ist wichtig, dass sich bald etwas tut.» Besonders Bedenken hat der Thuner Stadtrat der Grünen im Hinblick auf die nächsten Monate. «Die Gerichtsgebäude könnten ein beliebtes Ziel ungebetener Gäste werden.» Dies gelte es zu verhindern.

In punkto Kontrolle ortet Hiltpold denn auch Handlungsbedarf. «Bis jetzt waren wir hier, haben am Abend alle Lichter ausgeschaltet und das Tor zum Schlosshof abgeschlossen.» Gerade im Winter, wenn das Schlossmuseum grösstenteils geschlossen sei, fehle jemand, der zum Rechten sehe.

Lachendes

Der Umzug bringt dennoch einige Vorteile mit sich. So werden die Wege zwischen Untersuchungsrichteramt, Staatsanwaltschaft und Erziehungsberatung für die Richter kürzer. Auch in Sachen Sicherheit sei der Wechsel ein Quantensprung, so Hiltpold. Im neuen Gebäude erhalte nur Zutritt, wer berechtigt sei. Zudem gehört die Zeit der rustikalen Holzbänke für die Zuschauer in den Gerichtssälen der Vergangenheit an. Sie weichen bequemeren Stühlen. «Das meiste Mobiliar wird jedoch gezügelt», sagt Hiltpold.

«Wir erhalten nun ein Jahr Zeit, das Gebäude zu testen», so der Gerichtspräsident 2 weiter. Hiltpold macht damit eine Anspielung auf die Justizreform, welche auf Anfang 2011 umgesetzt wird. Dabei werden die anderen Oberländer Gerichte zum Regionalgericht, das in Thun Sitz hat.

und weinendes Auge

Zum Abschied schwingt bei Hiltpold, der seinen Arbeitsplatz seit 18 Jahren auf dem Schlossberg hat, auch Wehmut mit. «Die Romantik, aber auch die Exklusivität gehen verloren.» Er befürchtet zudem, dass mit dem Umzug in ein Verwaltungsgebäude das Ansehen der Justiz in der Bevölkerung leiden könnte. «Die Schlösser als herrschaftliche Bauten waren jahrhundertelang Sinnbild für die staatliche Macht. Das geht nun verloren.» (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.12.2009, 08:19 Uhr

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