Der «Ferrari» aus dem Seeland
Von Beat Kuhn/sar. Aktualisiert am 21.01.2011 1 Kommentar
Stichworte
Etwas gesehen, etwas geschehen?
Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von Bernerzeitung.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).
Die Publikation eines exklusiven Leserreporter-Inhalts mit hohem Nachrichtenwert honoriert die Redaktion mit 50 Franken. Mehr...
«Das ist mein Ferrari, äh, Tazzari – ich sage es immer wieder falsch», verspricht sich Peter Metzger absichtlich und schmunzelt. Sein Tazzari hat aber nicht nur phonetisch eine Nähe zu Ferrari, sondern auch geografisch, wie das «Bieler Tagblatt» berichtet: Er wird in der Nähe des Stammsitzes von Ferrari, im oberitalienischen Imola, produziert. In Grösse und Form erinnert er indes weniger an einen Ferrari als an die Roadster-Variante des Smart. Das Elektromobil, das seit Ende 2009 in Imola produziert wird, hat ein Aluminiumchassis. Denn die Firma Tazzari ist in erster Linie ein Alugussteile-Hersteller.
Aus Sorge um die Umwelt
In der Schweiz hat der Tazzari Zero, wie das Gefährt mit vollem Namen heisst, eine Adresse im Seeland: Von Diessbach aus besorgt die Ivolt AG den Vertrieb; Peter Metzger ist ihr Geschäftsführer. Primär war es die Sorge um die Umwelt, die den gelernten Elektroingenieur und Manager aus dem Bereich der Mess- und Regeltechnik dazu bewogen hat, sich dort zu engagieren.
Auf einer Internetplattform machte sich Metzger auf die Suche nach Gleichgesinnten, die mit ihm zusammen etwas im Bereich alternative Energien machen wollten. Er fand sie im St.Galler Marius Bachofen und dem Innerschweizer Edgar Steinauer. Mit ihnen gründete er die Ivolt AG. Geschäftsführer Metzger ist für zwei Drittel der Schweiz zuständig, für den Rest, die Ostschweiz, ist Bachofen verantwortlich.
Im ersten Jahr zehn verkauft
Ein Geschäft ist der Vertrieb des Tazzari einstweilen nicht. Im ersten Betriebsjahr haben die drei Teilhaber erst zehn Fahrzeuge verkaufen können. Dabei hatte alles so verheissungsvoll angefangen: Schweizer Premiere hatte der Tazzari Zero im März 2010 am Genfer Automobilsalon. Noch dazu mit Schützenhilfe von der damals amtierenden Miss Earth 2009, Graziella Rogers aus Lyss, die vor dem Wagen posiert hatte. Trotz Medienberichten wurden die drei Visionäre aber nicht von einer Bestellungswelle überschwemmt.
Auch am Marketing dürfte es nicht liegen, dass das Geschäft harzt. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten weibeln Metzger und seine beiden Mitstreiter, wie sie nur können, für ihr Projekt. So haben sie es schon an etwelchen Messen und Events vorgeführt, unter anderem auch an den Bieler Jugendkulturtagen X-Days im letzten August. «Für Werbung fehlen uns allerdings die Mittel», bedauert Peter Metzger.
Stattlicher Preis
Oder liegt es etwa am Produkt selbst? Man würde doch meinen, dass ein umweltfreundlicher, wendiger Kleinwagen mit kraftvoller Beschleunigung und einer Spitzengeschwindigkeit von 100 Stundenkilometer heutzutage sein Publikum findet. Auch zumal man den Tazzari Zero an jeder gewöhnlichen Steckdose aufladen kann.
Der Kaufpreis eines Tazzari beträgt jedoch stolze 35'000 Franken. Das schreckt auf den ersten Blick ab. «Aber ein Elektrofahrzeug darf man nicht mit einem herkömmlichen Auto vergleichen», betont Metzger. Denn was so eines in der Anschaffung mehr koste, hole man durch die tieferen Betriebskosten wieder herein. «Dank seinem geringen Gewicht braucht der Tazzari Zero nämlich zehnmal weniger Energie und hat zehnmal tiefere Betriebskosten als ein normaler PW.»
Die Autoindustrie unterstütze das Projekt Tazzari Zero in homöopathischen Dosen. «Grundsätzlich hat die Automobilbranche aber kein Interesse an Elektrofahrzeugen», so Metzgers Erfahrung. «Die will noch möglichst lange das Bestehende erhalten.» (Bieler Tagblatt)
Erstellt: 21.01.2011, 07:20 Uhr
Kommentar schreiben
1 Kommentar
Region
- 20:42Mann überfällt gleiche Bank zweimal
- 18:14Fünf Häftlinge flüchten aus Strafvollzugsanstalt
- 16:17Teenageransturm am Eröffnungstag des Bernaqua
- 15:34Bosnische Familie zu Unrecht nicht eingebürgert
- 15:24Überlastete Mitglieder: EVP-Präsidium bleibt vakant
- 12:53Experte wirbt für Sanierung der Berner Pensionskassen

