Das Frauenforum Spiez brennt auf Sparflamme
für den Vorstand zu finden. Zwei Sitze bleiben vakant, aber mit Monika Lanz wurde eine neue Präsidentin gefunden.
Theres Indermühle leitete im Regezkeller ihre letzte Hauptversammlung des Frauenforums Spiez (FF). Nur gerade 15 meist politisch engagierte Frauen von aktuell noch 123 Mitgliedern nahmen daran teil. Schon seit längerer Zeit konnten zwei der sieben Sitze im Vorstand nicht besetzt werden. Seit vier Jahren wollte die Präsidentin ihr Amt weitergeben. Es war niemand bereit, dieses zu übernehmen – und es wurde ein Hilferuf in Form einer Umfrage an die Mitglieder versandt: «Wir suchen in den Reihen unserer Mitglieder politisch engagierte und motivierte Frauen, welche möglichst über gute Netzwerkverbindungen in der Gemeinde Spiez verfügen und sich in unserem ehrenamtlichen Vorstand wohl fühlen. Sollten wir niemanden finden, müssen wir an der nächsten Hauptversammlung 2011 die Auflösung des Frauenforums sowie die Verwendung des Vereinsgeldes beschliessen.» Das Echo auf den Brief war bescheiden.
1993 gegründet
Da blutet den Initiantinnen des Frauenforums, die sich 1990 in grosser Euphorie trafen, das Herz. Gerlinde Michel war damals dabei: «Das Amt Niedersimmental hatte bei den Grossratswahlen die 50-Prozent-Frauenquote erreicht», erinnert sie sich. Die Grossrätinnen Verena Kauert und Susanna Knecht waren dabei und wollten ein überparteiliches Forum gründen, um das politische Bewusstsein zu wecken und zu fördern. Eine Gruppe aus Spiez nahm 1991 am Frauenstreik in Bern teil, weil sie auch der Meinung war: «Wenn Frau will, steht alles still.» Die Spiezerinnen wollten helfen, Druck zu machen, damit die Gleichstellung von Mann und Frau umgesetzt würde. «Die Frauen sind zu wenig an der Front», ist Michel überzeugt. Ende September 1993 wurde der Verein Überparteiliches Frauenforum Spiez und Umgebung gegründet und hatte Mitglieder bis Aeschi und Frutigen. Wechselnde Gruppen sollten Anlässe organisieren, um zu lernen, Konzepte zu kreieren und sich in der Öffentlichkeit zu behaupten. «Das klappte damals gut», so Michel.
Neue Präsidentin gefunden
Jetzt scheint der «Pfupf» draussen, die Organisation findet keine neuen Vorstandsmitglieder. Der Vorstand glaubte, nur noch durch ein Wunder könnte der Verein gerettet werden. Theres Indermühle war bei der FF-Gründung dabei, sie ist seit 1995 im Vorstand, seit 2000 Co-Präsidentin und seit 2005 Präsidentin. «Es gibt einen Lichtblick», strahlte Indermühle, politisch beim Freien Spiez engagiert, an der Hauptversammlung. «Ich kann euch eine Nachfolgerin zur Wahl als Präsidentin vorschlagen.» Mit Applaus wählten die Anwesenden Monika Lanz (FDP). Sie war bisher Rechnungsrevisorin und konnte ihr Amt, quasi als Sesseltausch, an Theres Indermühle abgeben. Alle waren erleichtert. Die scheidende Präsidentin wurde mit Dank für ihre Arbeit und einem Geschenk verabschiedet.
Im letzten Jahr fand im März ein Wahlpodium mit den Grossratskandidatinnen statt, im September eine Lesung von Monika Dettwiler und im November ein Besuch im Rathaus in Bern. Monika Lanz will beim Verein vorläufig auf Sparflamme kochen. Sie sieht im Jahresprogramm zwei Anlässe vor: ein Podium am 19.September zu den Nationalratswahlen und die Hauptversammlung am 6.Februar 2012 «mit einem politischen Leckerbissen», wie sie geheimnisvoll ankündigte.
Ursula Irion, die Kellermeisterin der Spiezer Rebbaugenossenschaft, rundete die Versammlung mit interessanten Ausführungen über die einheimische Weinproduktion ab. Rösi Reichen>
Erstellt: 22.01.2011, 00:31 Uhr
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