Glückliche Zeiten im Schlosskeller
mit dem Stück «Glückliche Zeiten» eine glückliche Zeit – zwei Stunden –
erleben. Am Donnerstagabend war im Interlakner Schlosskeller Premiere.
Die Handlung beginnt mit dem Ende einer Geburtstagsparty und endet mit deren Beginn. Das Publikum sitzt nicht ausschliesslich in Reih und Glied vor der Bühne, sondern auch an Tischen. Wie in einem Restaurant. In ein solches hat nämlich Gerry Stratton (gespielt von Erwin Hänni), Inhaber einer Bau- und Transportfirma, die Familie zur Feier des 54.Geburtstags seiner Frau Laura (Barbara Anderegg) eingeladen. Dabei ist Sohn Glyn (Christoph Gosteli) mit seiner Frau Stephanie (Andrea Stulz), die gerade einen Neuanfang ihrer brüchigen Ehe versuchen. Dabei ist auch Sohn Adam (Andreas Thöni), der der Familie seine nicht ganz standesgemässe Freundin Maureen (Deborah Lanz), eine Friseuse, präsentiert.
Der Schein trügt
Die Welt der Strattons scheint in bester Ordnung zu sein. Ist es aber nicht. Um das Publikum erleben zu lassen, wer wen liebt oder nicht mehr und warum, was zerbrochen ist und wieder gekittet werden soll, zeigt der Autor des Stücks «Glückliche Zeiten», der Engländer Alan Ayckbourn, mit einem besonderen Kunstgriff. Er lässt die drei Paare auf drei verschiedenen Zeitebenen agieren. Adam und Maureen begleiten das Publikum in die Vergangenheit bis zu dem Tag, an dem sie sich in ebendiesem Restaurant kennen gelernt haben. Die Ehe von Glyn und Stephanie wird in einer Reihe von Begegnungen aufgezeigt, die sie in der Zukunft in diesem Restaurant erleben werden. Nur die Eltern, Laura und Gerry, verbleiben in der Gegenwart.
Drei Handlungen
So teilt sich das Geschehen in drei Handlungen, die Zeit springt in drei Ebenen und an drei verschiedenen Tischen im gleichen Restaurant vor und zurück. Die drei Paare werden begleitet durch fünf unterschiedliche Exemplare der Gattung Kellner (alle gespielt von Pierre Frutiger). Am Schluss treffen sich alle wieder an der gleichen Tafel wie zu Beginn des Stücks. Zum Auftakt der Geburtstagsparty serviert der Kellner Champagner. Am Publikum liegt es, aus den einzelnen Bruchstücken die Geschichte zusammenzubauen.
Spielfreudiges Ensemble
«Glückliche Zeiten» (Originaltitel «Time of My Life») lässt auch die Schauspielerinnen und Schauspieler glücklich werden. Nicht jedes Stück bietet schliesslich so grosse Entfaltungsmöglichkeiten. Die vier Männer und drei Frauen packen die Chance, warten mit temporeichem Spiel, gepflegtem Hochdeutsch, witzigen Dialogen und Pointen an der richtigen Stelle auf.
Inszeniert hat das Stück die in Wilderswil aufgewachsene und nun in Bern lebende Sabine Wohlleber. Sie wartet auch mit Unerwartetem auf. So sitzen die Zuschauerinnen und Zuschauer auf Drehstühlen, damit sie auf die schnellen Wechsel der Spielorte reagieren können.
Das Ensemble setzt sich aus zwei Profis (Deborah Lanz und Erwin Hänni) sowie fünf Amateuren, die alle komödiantisches Talent besitzen, zusammen. Zum Gelingen des Abend tragen auch Tom Steiner (Licht, Musik) und Susanna Schär (Kasse, Garderobe, Service) bei.
2007 gegründet
Das Art-7-Theater wurde 2007 von Deborah Lanz gegründet. Die ausgebildete Schauspielerin ist Gesamtleiterin und Inhaberin der Art7theater GmbH mit Sitz in Unterseen. Das Ensemble wird von Stück zu Stück neu zusammengestellt. Sabine Wohlleber führt nun bereits zum dritten Mal Regie. 2008 inszenierte sie «Endstation Sehnsucht» von Tennessee Williams, 2009 Friedrich Dürrenmatts «Der Meteor».
Die Premiere von «Glückliche Zeiten» war ein voller Erfolg. Das Publikum wurde aufs Beste unterhalten und klatschte begeistert Beifall.
Ueli FlückWeitere Aufführungen. Im Februar: 13., 19., 20., 26. und 27. Im März: 4., 5., 6., 11., 12. und 13. (Beginn jeweils 20 Uhr). – Vorverkauf: www.beo-tickets.ch. Telefonisch: 0900 383800 (Mo–Fr 9–12 Uhr und 14– 19 Uhr). Vorverkaufsstellen: BLS-Reisezentrum Bahnhof Interlaken West, Tourismusorganisation Interlaken. Weitere Infos: www.art-7.ch.
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Erstellt: 13.02.2010, 00:32 Uhr
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