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Wie das Burkhardhaus einst zu seinem Namen kam

Von Annina Hasler. Aktualisiert am 05.07.2012

Die Gemeinde Langnau verkauft das Burkhardhaus. Aus diesem Anlass hat Museumsleiterin Madeleine Ryser im Archiv gegraben und einiges über das geschichtsträchtige Haus zutage gefördert.

Ein stattliches Haus mit einer langen Geschichte: Was die Zukunft für das Burkhardhaus bereithält, ist noch ungewiss.

Ein stattliches Haus mit einer langen Geschichte: Was die Zukunft für das Burkhardhaus bereithält, ist noch ungewiss.
Bild: Thomas Peter

Vergangene Woche entschied der Grosse Gemeinderat Langnau, das Burkhardhaus an der Haldenstrasse 11 für 580'000 Franken an Unternehmer Toni Lenz zu verkaufen. Im Zuge der Berichterstattung schrieb diese Zeitung, weder Gemeindepräsident Bernhard Antener noch Gemeindeschreiber Samuel Buri wüssten Näheres über die Vergangenheit des geschützten Gebäudes zu erzählen. Daraufhin meldete sich Madeleine Ryser, die Leiterin des Langnauer Regionalmuseums Chüechlihus. Im Gegensatz zu den beiden «Offiziellen» weiss Ryser über das fast 180-jährige Haus einiges zu berichten.

«Die Liegenschaft mit dem dazugehörenden Land wird in alten Protokollen immer wieder erwähnt», sagt Ryser. Bereits in Dokumenten aus dem frühen 18.Jahrhundert tauche die Parzelle auf – damals stand noch nicht das heutige Burkhardhaus dort. «Das Heimwesen gehörte dem Schärer und Wundarzt Hans Furrer. Als dieser 1727 starb, übernahm sein Sohn Daniel die Praxis an der Haldenstrasse 11», erzählt Ryser. Daniel, ebenfalls Wundarzt, war niemand Geringeres als der Lehrmeister des berühmten Langnauer «Wunderdoktors» Michel Schüppach. Der «Schärer Micheli» ist den Emmentalern bekannt als Wundarzt, Chirurg, Menschenkenner und Philanthrop, Quacksalber oder Heiler – je nachdem, welchen Quellen man Glauben schenkt.

Später überliess Daniel Furrer seinem «Lehrling» Michel Schüppach die Praxis und zog sich zurück. Laut Ryser praktizierte Schüppach wohl bis 1733 an der Haldenstrasse, um in diesem Jahr den Bären zu kaufen und seine Praxis dorthin zu verlegen.

Die Vergangenheit reicht weit zurück

1796 taucht das Gebäude an der Haldenstrasse 11 erneut in den Papieren auf. Nun wird es als «Posthaus» bezeichnet. Besitzer war Friedrich Baumgartner, ein Postbote. «Das Haus war sehr wahrscheinlich keine Postwechselstelle, diese befand sich damals an der heutigen Bernstrasse», weiss Ryser. Sie glaubt, die Besitzerfamilie Baumgartner sei vielleicht eine Dynastie von Briefträgern gewesen, und deshalb habe das Haus «Postgütlein» sowie das ganze Stück Land «Postmätteli» geheissen. 1831 kaufte Gemeindeschreiber Johann Ulrich Hofer das Land und liess wohl das heutige Burkhardhaus erbauen. In den Papieren werden Stallungen erwähnt, Hofer hielt also wohl nebenbei Kleinvieh.

1903 schliesslich kaufte Geometer Jakob Burkhard das Haus, von nun an als «Geometerhaus» bezeichnet. «Es ist vor allem Burkhards Tochter, Fräulein Burkhard, die den älteren Langnauerinnen und Langnauer noch bekannt ist», glaubt Ryser. Burkhards Tochter war langjährige Langnauer Gemeindeschwester. Kurz vor ihrem Tod 1969 hat sie der Gemeinde ihr Elternhaus vermacht – und diesem somit seinen heutigen Namen gegeben.

Ryser weiss weiter, dass nach der Familie Burkhard jahrelang der bekannte Sekundarschullehrer Paul «Pile» Röthlisberger im Burkhardhaus lebte. Vor wenigen Jahren wurde dieses schliesslich zu einem Asylzentrum umfunktioniert. Seit die Asylbewerber vor knapp zwei Jahren ausgezogen sind, steht es leer.

Die Zukunft ist noch ungewiss

Rysers Auskünfte basieren auf Abschriften von alten Verträgen und Grundbuchauszügen. Gesammelt hat die Unterlagen Margrit Rageth. Die Bernerin interessierte sich für alte Häuser und sammelte zahlreiche Informationen. Als Madeleine Ryser ein Seminar zu «Schärer Micheli» vorbereitete, gelangten die Unterlagen zum Burkhardhaus in ihre Hände. Was die Zukunft für das Haus bereithält, ist offen. Toni Lenz behält seine Pläne vorerst noch für sich. (Berner Zeitung)

Erstellt: 05.07.2012, 09:27 Uhr

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