Spitäler geben die Alterspflege ab
Von Herbert Rentsch. Aktualisiert am 10.05.2010
Wieder ein Umbau in der Oberaargauer Spitallandschaft. Wie die Spital Region Oberaargau (SRO) AG gestern mitteilte, lagert sie den Geschäftsbereich «Wohnen und Pflege im Alter» – früher Geriatrie genannt – auf den 1.Januar 2011 aus. SRO verabschiedet sich also operativ von ihren Alterspflegeabteilungen in Herzogenbuchsee, Huttwil und Niederbipp. Insgesamt sind dies 110 Betten.
Die drei Abteilungen werden in ein neues Unternehmen überführt: die «dahlia Oberaargau AG». Die Firma soll in der zweiten Jahreshälfte von der SRO AG und dem Verein dahlia gegründet werden. dahlia wird Mehrheitsaktionärin, SRO ist mit einer Minderheit beteiligt. Der Verein dahlia mit Sitz in Langnau betreibt im oberen Emmental heute drei Institutionen der Alterspflege.
Zu unterschiedlich
Zu den Gründen der Ausgliederung sagt SRO-Verwaltungsratspräsident Dieter Widmer: «Für den Bereich Wohnen und Pflege im Alter gelten andere Marktgesetze und ganz andere Rahmenbedingungen als für die Akutmedizin, den Rettungsdienst und die Psychiatrie.» Ohne die Alterspflege könne sich SRO voll auf den Spitalbetrieb konzentrieren, was Synergien ermögliche. «Die Bereiche Akutmedizin, Rettung und Psychiatrie sind untereinander vernetzt und können zusammenarbeiten.» Dies sei bei der Alterspflege nicht möglich.
Die Ausgliederung des Altersbereichs hat Folgen fürs Personal. Die Angestellten – es geht dabei um total 115 Vollzeitstellen – werden von der dahlia Oberaargau AG übernommen. «Fürs Personal gilt die Besitzstandsgarantie», sagt Widmer. «Die Löhne der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden gleich bleiben.»
Und was geschieht mit den ehemaligen Spitalstandorten Herzogenbuchsee, Huttwil und Niederbipp? Gemäss Dieter Widmer wird das bestehende Gesundheitszentrum in Huttwil weitergeführt und das geplante in Niederbipp aufgebaut. «SRO bietet dort auch künftig Leistungen an.» In einer ersten Phase mietet dahlia die Räume für die Alterspflege von der SRO AG. Ob die Spitalgebäude dereinst allenfalls verkauft würden und SRO dann Mieterin werde, sei noch offen, so Widmer. Am wahrscheinlichsten scheint ein Verkauf fürs ehemalige Spital Herzogenbuchsee, denn dieses dient schon lange einzig für die Alterspflege.
Personal will GAV
Die Personalverbände haben auf den Beschluss der SRO AG und der dahlia gestern kritisch reagiert. In einer Mitteilung forderten sie, dass die Angestellten auch nach der Ausgliederung dem Gesamtarbeitsvertrag für das Personal bernischer Spitäler unterstellt bleiben. SRO-Präsident Dieter Widmer betonte aber gegenüber der Berner Zeitung, die künftige dahlia Oberaargau AG ziehe nicht in Erwägung, einen Gesamtarbeitsvertrag zu erstellen. (Berner Zeitung)
Erstellt: 08.05.2010, 12:10 Uhr
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