Zug, Auto oder Velo — mit ein paar Mausklicks zur besten Lösung
Von Stephan Künzi. Aktualisiert am 16.02.2012 1 Kommentar
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Das fiktive Beispiel (Bild: Grafik DB)
Hintergründe
Der Mobilitätscheck
Angefangen hat alles vor knapp zehn Jahren in der Region Luzern, mittlerweile sind alles in allem zehn Kantone, Städte Gemeinden und Organisationen mit von der Partie: Erst dank dieser breiten Unterstützung sei es in den letzten Monaten möglich gewesen, die Internetplattform mobilitaetsdurchblick.ch auf den heutigen Stand auszubauen, sagt Projektleiter Daniel Matti. Und weist darauf hin, dass die Homepage nicht mehr nur eine einfache Grafik zum eigenen aktuellen Mobilitätsverhalten ausspucken kann, sondern eben auch auf einfache Art präsentiert, welche konkreten Folgen der Verzicht aufs Auto oder das Umsatteln aufs Velo haben kann.
Gerade bei einer Züglete, einem Stellenwechsel oder sonst einer grösseren Veränderung machten sich viele Leute vertiefte Gedanken darüber, mit welchem Verkehrsmittel sie unterwegs seien, fährt Matti fort. Die Homepage bietet ihnen Gelegenheit, sich auf spielerische Art mit dem Thema auseinanderzusetzen. Und das erst noch daheim am eigenen Computer sowie zu jeder Tages- und Nachtzeit – das mühsame und abschreckende Zusammensuchen von Informationen und Adressen der zuständigen Amtsstellen entfällt.
Die beteiligten Kantone, Städte und Gemeinden haben ihrerseits Interesse daran, dass sich die Leute solche Gedanken machen. Wo doch vielerorts Strasse wie Schiene überlastet sind und jeder, der sich auf möglichst raum-, lärm- und umweltschonende Art fortbewegt, umso willkommener ist.
Er arbeitet Vollzeit in Niederwangen, sie Teilzeit in der Stadt Bern. Nun wollen sie nach Oberscherli in eine gemeinsame Wohnung ziehen und stellen sich die Frage: Lohnt es sich, das Auto zu behalten? Oder würde es sich allenfalls lohnen, in Zukunft voll und ganz auf den öffentlichen Verkehr zu setzen?
Auf diese Fragen hält das Internet Antworten bereit. Im Auftrag diverser Kantone, Städte und Gemeinden, unter ihnen Kanton und Stadt Bern sowie Köniz und Trubschachen, hat das Luzerner Forschungs- und Beratungsbüro Interface einen Onlinecheck entwickelt. Er stellt auf einfache Weise dar, welches Verkehrsmittel in welchem Fall am meisten Sinn macht.
Von Variante zu Variante
Die beiden klicken sich also unter mobilitaetsdurchblick.ch ins Internet ein. Geben dann an, auf welchen Strecken sie regelmässig im Auto, im Zug, im Bus oder auch zu Fuss und auf dem Velo unterwegs sind – und schwups, führt ihnen eine einfache Grafik vor Augen, wie sie sich derzeit durch die Welt bewegen.
Welchen Anteil also die Reise im Auto, im Zug, im Bus, zu Fuss oder auf dem Velo an ihrer gesamten Mobilität ausmacht – darüber hinaus rechnet der Computer aus, wie viel Zeit sie benötigen und wie hoch die Kosten sind. Ein Banner mit unterschiedlich vielen Sternen auf jeder Zeile macht weiter deutlich, wie komfortabel, wie umweltschonend, wie sicher und wie gesund ihr heutiges Verhalten ist.
Doch das ist nicht alles, im Gegenteil. Richtig interessant wird der Mobilitätscheck erst jetzt, in jenem Teil also, der erst vor Monatsfrist aufgeschaltet worden ist – denn nun kann das fiktive Neuzuzügerpaar aus Oberscherli mit ein paar wenigen Klicks auf die Schaltflächen rechts zum Beispiel eben das Auto weglassen, auf Carsharing setzen oder vermehrt darauf achten, dass beim Reisen die Gesundheit nicht zu kurz kommt.
Der Verzicht aufs Auto – und darum geht es in diesem fiktiven Beispiel zuallererst – schlägt sich zuallererst im Portemonnaie nieder. Statt 1200 bis 1300 Franken geben die beiden im Monat für ihre Mobilität nur noch 250 bis 300 Franken aus, wenn sie sich von ihrem bereits etwas älteren Mittelklassewagen trennen. Die Einsparung in dieser Höhe kommt auch daher zustande, weil die beiden, so die Annahme weiter, zusätzlich jede Woche zweimal nach Bern in den Ausgang sowie einmal ins Westside zum Grosseinkauf und einmal ins Oberland zum Wandern oder Skisport fahren. Dafür nutzen sie aktuell ebenfalls je nachdem Auto, Bahn oder Bus.
Der Mobilitätscheck wertet noch mehr Varianten aus. Etwa, dass der Kauf eines ökologischen Neuwagens die Kosten auf 1700 bis 1800 Franken hochtreiben würde, wogegen eine sogenannt kostenoptimierte Variante mit nur 750 bis 800 Franken zu Buche schlagen würde. Das ist zwar immer noch mehr als beim völligen Verzicht auf ein Auto und auch mehr als in einer Variante, die ihr Augenmerk auf die Gesundheit legt. Dafür benötigen die Reisen auf all den Strecken weniger Zeit.
Immerhin, auch das rechnet der Mobilitätscheck aus, sind die beiden heute mit Auto, Zug und Bus Woche für Woche 15 Stunden unterwegs. Ohne Auto und mit einem grösseren Anteil an Zug und Bus wären es 17 Stunden, in der kostenoptimierten Variante dagegen nur deren 10. Wenn die beiden auf die Gesundheit achten und sich entsprechend häufig aufs Velo schwingen, läppern sich 22 Stunden zusammen.
Sogar persönliche Beratung
Bei alledem schränkt Projektleiter Daniel Matti ein: Die Resultate aus dem Onlinecheck beziehen sich nicht auf Strecken, die wie im Beispiel konkret von einem Ort A zu einem Ort B führen. Den Berechnungen zugrunde lägen vielmehr schweizerische Durchschnittswerte, gesicherte statistische Daten, die das allgemeine Mobilitätsverhalten genauso abbildeten wie die Kosten für den gewählten Autotyp oder für das gewählte Zug- und Busbillett.
Dennoch bildeten die Berechnungen den Alltag zuverlässig ab, so Matti weiter. Wichtig sei bei alledem, sich nicht auf eine einzige Strecke zu beschränken, sondern möglichst mehrere Wege einzugeben. Je breiter das Netz sei, desto näher komme es der Realität, kurz: «95 Prozent der Nutzer sind zufrieden mit dem, was sie erfahren.»
Und die übrigen? Für sie gibt es noch die Rubrik «persönliche Beratung»: Wer hier seine Mail-Adresse einträgt, kann in einem weiteren Schritt spezifische Fragen stellen. Und bekommt persönlich Antwort, weil der Kanton Bern und – für das Paar aus Oberscherli genauso wichtig – die Gemeinde Köniz Partner bei mobilitaetsdurchblick.ch sind. (Berner Zeitung)
Erstellt: 16.02.2012, 09:52 Uhr
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1 Kommentar
Ich habe den Online-Check gemacht! Die Resultate sind alles andere als realistisch!
Was die Kosten anbelangt, scheinen die Werte noch in einem einigermassen realistischen Rahmen zu liegen (Richtwerte), doch bei den Reisezeiten, weit gefehlt.
Wenn ich auf die ÖV umsteigen würde, hätte ich pro Woche 6:45 h mehr Reisezeit als mit dem Auto.
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