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Hinter den Kulissen der Stadionsicherheit

Von Christian Zeier. Aktualisiert am 06.02.2012

Mitten in der Diskussion um mangelnde Sicherheit in den Stadien bläst YB zur Transparenzoffensive: Auf einem Rundgang zeigt der Verein, welchen Aufwand er bereits betreibt. Im Zentrum steht dabei eine Mischung aus Repression und Dialog.

1/7 Auf dem Rundgang...
Walter Pfäffli

   

Gefährliche Eiszapfen

Einsatz
Bevor YB gestern Nachmittag im Stade de Suisse gegen Servette antreten durfte, musste die Berufsfeuerwehr Bern ins Wankdorf ausrücken: Wegen des andauernden kalten Wetters hatten sich am Stadiondach Eiszapfen gebildet, die sicherheitshalber entfernt werden mussten. Vier Angehörige der Berufsfeuerwehr begaben sich gut gesichert auf das Stadiondach. Mittels eigens dafür angefertigter behelfsmässiger Werkzeuge konnten die Eiszapfen vom Dach gelöst werden. Die Sicherheit im Stade de Suisse war daraufhin wieder gewährleistet, wie die Berufsfeuerwehr Bern am Sonntagnachmittag mitteilte.

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«Willkommen bei angenehmen minus 10 Grad.» Bernhard Blaser, stellvertretender Sicherheitsverantwortlicher im Stade de Suisse, empfängt seine Mitarbeitenden mit kühlem Humor. «Wir erwarten 9000 bis 10'500 Zuschauer», informiert Blaser. «100 bis 250 Gästefans dürften aus Genf anreisen, knapp 30 könnten problematisch sein.»

Noch zwei Stunden bis zum Spiel YB - Servette. Im Medienzentrum des Stade de Suisse haben sich unter anderen Sektorenchefs, Verantwortliche der privaten Sicherheitsfirmen und ein Fanverantwortlicher von YB zum letzten Briefing vor dem Spiel versammelt. Sie koordinieren die 238 Leute, die an diesem Sonntag im Stadiondienst für einen reibungslosen Ablauf sorgen. «Dieser Aufwand wird von aussen viel zu wenig wahrgenommen», sagt Albert Staudenmann, Medienverantwortlicher bei YB. Daher habe man nun zum Sicherheitsrundgang geladen.

Die Bemühungen des Vereins um Transparenz fallen in eine bewegte Phase: Vergangene Woche präsentierte die Konferenz der kantonalen Justiz- und Polizeidirektorinnen und -direktoren (KKJPD) neue Massnahmen gegen gewalttätige Fans. Darunter befinden sich auch mögliche Auflagen für die Clubs: Bewilligungspflicht für Spiele, verschärfte Kontrollen an den Eingängen oder längere Rayonverbote – vieles scheint in der momentanen politischen Stimmung möglich.

Kameras bis zum Bahnhof

Dass die neuen Regelungen aber nötig sind, das wird vonseiten des Berner Fussballvereins bezweifelt. «Für uns würden die Massnahmen wenig ändern», sagt der Sicherheitsverantwortliche Hans Harnisch. «Wir tun jetzt schon sehr viel für die Sicherheit.» Der Rundgang ist mittlerweile fortgeschritten, man ist mit dem Lift nach oben in den vierten Stock gefahren. Hier, mit einer formidablen Aussicht auf Spielfeld und Fankurven, hat sich die Kantonspolizei eingenistet. Auf neun Bildschirmen werden im Führungszentrum unzählige Kameras vom Stadion bis hin zum Bahnhof Wankdorf überwacht. «Wir haben die Fans im Blickfeld, sobald sie ankommen», sagt Jürg Straubhaar, Chef des Polizeidialogteams. Die Kameras zeigen detailliert, wer wo was macht – auch Straftäter lassen sich so identifizieren.

Lieber Pyros als Chaos

In der Praxis sieht das aber meist anders aus: «Fans, die in der Kurve Pyros zünden, sind meist vermummt oder durch Banner geschützt», sagt der YB-Medienverantwortliche Staudenmann. Daher gestalte sich die Beweislage oft schwierig. Zudem müsse man stets die Verhältnismässigkeit von Interventionen beachten: «Würde etwa die Polizei in den Fanblock gehen, um einen Pyro-Sünder festzunehmen, dürfte das grosse Proteste auslösen.» Dann hätte man statt eines kleineren Vorfalls ein grösseres Chaos im Stadion. Untätig sei man deswegen aber nicht: Zum Ende der letzten Saison etwa seien fast 100 YB-Fans von einem Stadionverbot betroffen gewesen.

Für pragmatische Lösungen setzt sich auch Fanarbeiter Lukas Meier ein. Er hält die Neuerungen der KKJPD gar für «kontraproduktiv» und spricht sich für vermehrten Dialog zwischen den Parteien aus. «Wir sind in Bern in einer komfortablen Situation», sagt er. Die Zusammenarbeit zwischen Polizei, Stadionbetreibern und Fans funktioniere gut, allmählich setze sich die Erkenntnis durch, dass reine Repression nichts nützt.

Repression und Dialog

Meier führt die in der Vorrunde geschaffenen Dialogteams der Polizei als Beispiel an: «Statt in den martialischen Uniformen wie bisher gehen sie mit Leibchen gekennzeichnet auf die Fans zu.» Die Strategie sei Teil des Hannover Modells, welches sozialwissenschaftliche Kompetenzen mit polizeilichem Sachverstand zusammenführt.

Dass man mit der Mischung aus Repression und Dialog auf dem richtigen Weg sei, glaubt auch der Sicherheitsverantwortliche Harnisch: «Die Probleme lassen sich nicht mit dem Doppelhänder lösen», ist er überzeugt. Davon will man nun auch die Berner Politik überzeugen: Der nächste Rundgang ist bereits in Planung. (Berner Zeitung)

Erstellt: 06.02.2012, 07:44 Uhr

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