Trucks, Weltstars und bemalte Mädchen
Der grösste CountryFan ist und bleibt Petrus: Schon zum elften Mal in Folge beschert er den Organisatoren des Trucker- & Country-Festivals Interlaken prächtiges Wetter – und mehr als 50000 Besucher. Diesmal bleibt sogar die sengende Sommerhitze aus, vor allem am Samstag sorgt eine Wolkendecke für angenehme Temperaturen. Die Sanitätsdienste haben jedenfalls wesentlich weniger zu tun als in den vergangenen Jahren. Und schon früh am Samstagabend zieht sich mancher der fast 6000 Biker sogar seine Lederjacke über, und einige der 1400 Trucker starten über ihrem privaten Festtisch in den Lastwagenburgen den Gas-Heizstrahler.
Es gibt fast nichts, was es nicht gibt: Fährt doch der Sigriswiler Chrigu Graber seine alte Yamaha Ténéré tatsächlich mit Schneeketten bestückt und alten Skis auf dem Rack vor. «Für den Fall, dass es auf dem Heimweg plötzlich Schnee hat.» Derweil baumelt an der Hüfte des Entlebuchers Joe Zemp eine Remington-Replica; er steht lässig vor der Bühne 1 und lauscht dem fetzigen Countryrock der Nashviller Modern Earl. Doch das Schiesseisen ist nicht das einzige, womit «Joe Bandit» beeindrucken möchte: «Ich würde mit meiner Band nächstes Jahr gerne selber live auf einer der Aussenbühnen stehen», meint er, nicht ohne auf seine neue CD hinzuweisen. Als Modern-Earl-Leadgitarrist Et-han Schaffner übrigens bei der Zugabe sein Instument kurzerhand auf dem Rücken und danach Jimy Hendrix-like auch noch mit der Zunge spielt, gerät das Publikum aus dem Häuschen – Joe bleibt cool.
Nur wenige Meter daneben bearbeitet der Bieler Künstler Stephan Beutler halbnackte Frauen mit Farbe aus der Luftdruckflasche – Airbrush genannt. Diese Technik wird sonst eigentlich für die fantasievolle Bemalung von Töfftanks und Truckerkarosserien angewendet. Die grosse Traube der grösstenteils männlichen Zuschauer macht das Vorbeikommen im Fighters Corner erst mal unmöglich. Andy Guntern, Teilhaber der Streetfighters Switzerland, muss die Live-Montage der frisch bemalten 1100er-Kawasaki vorübergehend einstellen. Andy nimmts mit seiner ihm angeborenen Gelassenheit: «In der Werkstatt wäre die Maschine ja schon längst fertig. Aber wir sind hier schliesslich am Festen.»
Auf den vier Aussenbühnen des Festgeländes geht an allen drei Tagen die Post ab. So feiert der Rheintaler George Hug sein 30-Jahre-Bühnenjubiläum. Der Kanton Bern ist gleich mehrmals vertreten: Die Pete Dixon Band, Honky Tonk Pickers, Jimy Hofer, Gasoliners aus der Bundesstadt, und aus einheimischer Countryschmiede das Countryrock-Quartett Copperhead aus Grindelwald. Doch was wäre des T&C ohne Jacky. Das Berner Boogie-Urgestein mit dem bürgerlichen Namen Ueli Schmutz wird bei seinem traditionellen Sonntagmorgen-Auftritt frenetisch gefeiert. Der 66-jährige Rock’n’Roller ist erst vor einem Jahr dem Tod von der Schippe gesprungen: «Der Herrgott hat im Himmel halt kein Klavier, so bin ich noch ein bisschen hier geblieben.» Und Jacky martert die 88 Tasten brachialer denn je; dies stellt nicht nur Claude Hämmerly bei seiner Trucker-Predigt fest. Jackys Begründung kommt postwendend: «Das isch äbe, wüll’i hässig bi, dass’i nümme darf rouke.» Und, typisch Jacky: «Erst grad diese Woche ist mir in den Sinn gekommen, dass ich ja heuer mein 50-Jahre-Bühnenjubiläum habe.» Und zu Claude Hämmerlys Truckergottesdienst meint der kecke Tastenakrobat: «Die geilschti Predig wo’s git!» Der tosende Beifall des Publikums im voll besetzten Schattenzelt gibt ihm recht.
Na dann aufs nächste Jahr. Wieder bei Sonnenschein. Wieder mit Joe und seinem Colt – diesmal dann auf der Bühne. Und wieder mit Jacky.
Bruno Petroni>
Erstellt: 27.06.2011, 00:32 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.



