«Ich will wieder der Beste werden»
Mike Schmid hat in den letzten gut zwei Jahren die ganze Bandbreite an Emotionen erlebt. Der Skicrosser wurde 2010 in Vancouver Olympiasieger, gewann wenig später den Gesamtweltcup – und riss sich seither zweimal das Kreuzband. Nun fährt Schmid wieder schmerzfrei Ski.
Die letzten Wochen müssen Schmid wie eine Erlösung vorgekommen sein. Endlich, nach der Operation im Februar und der (zu) langen Rehabilitation, durfte er Ende November in Saas-Fee seine ersten Fahrversuche wagen. «Ich kann wieder so fahren, dass es Spass macht», frohlockte der Berner Oberländer nach fünf Tagen im Schnee. Elemente und Sprünge musste Schmid noch auslassen, an die ersten Wellen hat er sich aber bereits wieder gewagt. Besonders wichtig war, dass die Rückkehr ohne Schmerzen erfolgte. «Es braucht noch viele Schneekilometer», ist er sich bewusst.
Die Verzögerung im Aufbau ist auf Komplikationen im Heilungsverlauf zurückzuführen. Im August beseitigte eine Arthroskopie Vernarbungen im operierten rechten Knie und ein Streckdefizit. Als Folge resultierte eine weitere Zeitspanne, während der Schmid nie mit maximaler Kraft trainieren konnte. Nach dem ersten medizinischen Eingriff im linken Kreuzband im Sommer 2010 fehlte dem kräftigen Frutiger durch den diesjährigen Ausfall also ein zweites Sommertraining. Im Strassenbau, seinem Hauptjob, durfte er wegen der Verletzung ebenfalls nur bedingt arbeiten. «Mein Manager Jürg Klopfenstein hat dafür gesorgt, dass mir nicht zu sehr langweilig wurde», erzählt er grinsend.
Unter (Zeit-)Druck lässt sich Schmid nun von niemandem setzen. Die schweren Knieverletzungen haben ihm bewusst gemacht, dass «die Gesundheit mein grösstes Kapital ist». Er sehe es nicht als selbstverständlich an, dass alles wieder so werde wie es gewesen sei. Durch die Rückfälle sammelte Schmid, so absurd es tönen mag, wichtige Erfahrungen. «Ich wusste nach dem zweiten Kreuzbandriss, was auf mich zukommt, wie lange ich mich ungefähr gedulden muss.» Mit einem Lächeln fügt er an, dass er gemerkt habe, dass er unter anderem in Magglingen medizinisch sehr gut betreut wurde. «Wenn ich mich nicht auf die Physiotherapeuten, sondern auf mein Gefühl verlassen und das Knie entsprechend belastet habe, dann ist es sofort wieder angeschwollen.»
Comeback im Februar als Ziel
Überhaupt schwärmt Schmid von den Bedingungen in Magglingen, wo er zu 50 Prozent als Zeitmilitärsportler angestellt ist. Weil mehrere Skicrosser ihre Spitzensportler-RS und -Wiederholungskurse gleichzeitig und gleichenorts absolvierten, war der Spassfaktor wesentlich höher als das Leiden. «Man treibt sich gegenseitig an, neckt sich, ist umso motivierter.» Das erstmalige gemeinsame Sommertraining – in Schmids Fall der lange Aufbau – hat den ohnehin schon starken Zusammenhalt im Schweizer Team intensiviert.
Schmid hat den unschätzbaren Vorteil, dass seine Teamkollegen im Hinblick auf die geplante Rückkehr in den Weltcupzirkus ein wertvoller Indikator sein werden. Die interne Konkurrenz ist gross, ein halbes Dutzend Fahrer gehört zu den Top 20 der Welt. «Wenn ich sehe, dass ich mit ihnen mithalten kann, kann ich es auch mit der Weltspitze», sagt Schmid. Aus Erfahrung weiss er, dass es vor dem ersten Rennen der Saison jeweils 30 bis 40 Schneetage braucht. «Heuer werden es mindestens so viele.» Eine Prognose, wann er wieder voll angreifen will, wagt er nicht. Im Januar, wenn das Weltcupteam aus den USA zurückkehrt, möchte er das folgende zweiwöchige Training zur Standortbestimmung nützen. Der Masterplan wäre, im Februar, rechtzeitig vor dem Saisonfinale in Grindelwald, wieder Weltcuprennen zu bestreiten.
Unbekannt ist der Zeitpunkt der Rückkehr, bereits klar sind derweil die Ziele Schmids. Der 27-Jährige will dorthin, wo er vor dem dritten Kreuzbandriss seiner Karriere war. «Wenn ich an den Start gehe, will ich gewinnen. Auch wenn ich weiss, dass das Leben kein Wunschkonzert ist: Ich will wieder der Beste werden.» Stefan Baumgartner>
Erstellt: 16.12.2011, 00:34 Uhr
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Sonia Uhlmann ist keine typische Studentin. Dank Fernstudium hat sie den Master trotzdem geschafft.



