Fischereipachtvereinigung unterstützt Gewässerschutz

Von Sibylle Hunziker. Aktualisiert am 08.02.2010
Im Interesse von Fischen und Fischern unterstützt die Fischereipachtvereinigung Amt Interlaken den Gewässerschutz. Als schönes Beispiel präsentierte sie an der Hauptversammlung in Interlaken Pläne für eine naturnähere Aare.
topelement Die Aare bei Goldswil ist mit ihren flachen Uferpartien heute bereits bei Äschenlarvenbeliebt. Künftig soll auch der Rest des Flussbetts etwas naturnäher werden.
Auf dem Bödeli zwischen Brienzer- und Thunersee zeigten in den letzten Jahren verschiedene Renaturierungs- und Wasserbauprojekte, wie Seeufer und Flüsse für Fische und andere Lebewesen wieder attraktiver gestaltet werden können – und wie davon auch der Mensch profitiert. Als «Paradebeispiele» nannte Martin Amacher vom Büro Mätzener und Wyss die neue, naturnahe Hochwasserverbauung des Lombachs oder die Vernetzung des Seeufers in der Weissenau mit dem Hinterland, deren letzte Etappe derzeit umgesetzt wird.

Aare als Äschenkinderstube

Auf Einladung der Fischereipachtvereinigung (PV) Amt Interlaken stellte Amacher an der Hauptversammlung vom Freitag in Interlaken aber vor allem neue Renaturierungsprojekte für die Bödeli-Aare vor. Grundlage für die Aufwertungsmassnahmen, deren Idee an einer «Gewässerputzete» des Uferschutzverbandes Thuner- und Brienzersee (UTB) von Fischern und UTB-Leuten geboren wurde, ist eine Äschenbestandesaufnahme. Sie zeigt, dass sich die Larven der gefährdeten Fischart im oberen Teil der Bödeli-Aare heute schon recht wohl fühlen.

«Entlang dem flachen, schilfbestandenen Ufer bei Goldswil finden sie genug Futter», erläuterte Martin Amacher. «Allerdings fehlen auf dieser Strecke Laichplätze.» Diesem Mangel soll in Pilotprojekten mit Kiesaufschüttungen und Ast-«Besen» im Fluss abgeholfen werden – Detailbesprechungen mit den Betroffenen, insbesondere mit der Schifffahrt, sind für die nächsten Wochen geplant.

Flussabwärts in Unterseen erlaubt die Flusssohle den Äschen zwar das Laichen, aber die Ufer sind für die Larven zu hart verbaut. Hier soll unter anderem das Ufer stellenweise abgeflacht werden. Als dritter Projektteil ist ein Fischpass auf dem Dreispitzareal bei der Mühlenschleuse in Planung. Zusammen mit den Fischern wird schon seit Jahren an der Renaturierung des Böniger «Chrottegräbli», eines Zuflusses des Dorfbachs, gearbeitet.

Erfolge der Fischer

«Wenn wir gut zu den Fischen schauen, kommen auch die Fischer auf ihre Rechnung», sagte Peter Friedli, der nach 27 Jahren als Fischereiinspektor pensioniert wird. Am Freitag verabschiedete er sich von den Interlakner Fischern und dankte ihnen für ihr grosses Engagement für die Natur und für den Renaturierungsfonds. «Ohne eure Unterstützung wären viele Projekte wohl kaum möglich.»

Auf guten Wegen sind auch Verbesserungen für Fische im Oberhasli, wie Urs Grütter, Geschäftsführer des kantonalen Fischereivereins BKFV, berichtete. Im Rahmen der Konzessionsänderung, welche die Kraftwerke Oberhasli (KWO) gemäss Bundesgerichtsentscheid für ihr Projekt einer Staumauererhöhung brauchen, müssen die KWO-Wasserfassungen saniert werden. Grütter erläuterte, dass die Oberhasler Fischer derzeit eine Liste der Gewässer aufnehmen, bei denen die Einforderung der gesetzlichen Restwassermengen sinnvoll ist. Für die übrigen Gewässer werden Ersatzmassnahmen geprüft. Sorgen macht den Fischern die Flut neuer Kleinwasserkraftprojekte. Das gilt besonders für die Lütschine, in der heute die vom Aussterben bedrohte Seeforelle zum Laichen aufsteigen kann. «Für die Erhaltung dieser Möglichkeit werden wir uns einsetzen», sagte PV-Präsident Peter Fiechter. Und er hofft, dass die im Entwurf zur kantonalen Wasserstrategie vorgesehene Schonung der Lütschine die Vernehmlassung überlebt.

Hans Fritschi von Pro Natura Berner Oberland bestärkte die Fischer darin, nicht wichtige Gewässer für die Produktion von Strom zu opfern, der heute noch massenhaft verschleudert werde – unter anderem für Kunstschnee im Oktober. Und Urs Grütter hofft, dass Einsprachen auch bei den Kleinkraftwerken den Weg zu besseren Optionen ebnen. So wies er auf die Idee hin, die heute für Pumpen gebrauchten Archimedesschrauben in umgekehrter Richtung für Kraftwerke zu benutzen; solche Werke würden ohne den für Fische gefährlichen Druckunterschied arbeiten.

Fischerinnen-Förderung

Neben dem Einsatz für lebendige Gewässer kümmert sich die PV um die Forellenaufzucht für den Saxetbach, ihr Pachtgewässer. Zudem bietet sie regelmässig Grund- und Sportfischerbrevet-Kurse an. Und für 2010 hat die PV zusammen mit ihren Mitgliedern, den sechs örtlichen Fischereivereinen im Amt Interlaken, erstmals einen Fischerkurs für Frauen ausgeschrieben.

Die Delegierten der Vereine hiessen am Freitag alle Geschäfte gut und wählten Elsi von Känel (Bönigen) und Daniel Mathys (Grindelwald) als Nachfolger von Matthäus Feuz und Rolf Amacker in den Vorstand. PV-Präsident Peter Fiechter, Vizepräsident Peter Ziebold und zehn weitere bisherige Vorstandsmitglieder wurden bestätigt.

(Berner Oberländer)

Erstellt: 08.02.2010, 08:18 Uhr

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