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Obama sucht seinen Platz in der Geschichte

Von Martin Kilian. Aktualisiert am 02.09.2010 1 Kommentar

Martin Kilian.

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Barack Obama hat es nicht leicht dieser Tage: Die US-Wirtschaft kränkelt, die republikanische Opposition wittert Morgenluft und zieht zuversichtlich in die Zwischenwahlen des amerikanischen Kongresses. Umso erstaunlicher ist es, dass sich der Präsident in dieser Woche auf ein sehr gefährliches aussenpolitisches Terrain wagt und in Washington eine neue Nahost-Verhandlungsrunde einläutet.

Nach mehr als anderthalb Jahren Stillstand will Obama endlich Bewegung in den Friedensprozess in Nahost bringen, weshalb er die Kontrahenten in die amerikanische Hauptstadt eingeladen hat. Doch nicht im Nahen Osten wird über das Ergebnis der Zwischenwahlen entschieden, sondern zu Hause anhand amerikanischer Arbeitslosenzahlen sowie der allgemeinen Konjunkturentwicklung.

Warum also der neue Elan hinsichtlich des Nahen Ostens? Man könnte argumentieren, dass es zu den traditionellen Aufgaben eines US-Präsidenten gehört, den Friedensprozess im Nahen Osten voranzutreiben. Schliesslich versuchten sich von Jimmy Carter über Ronald Reagan bis zu George Bush alle Präsidenten an einer Überwindung der Nahost-Misere. Oder man könnte sagen, die Aussenpolitik biete einem Präsidenten ein Feld, auf dem er sich freier als in der vertrackten Innenpolitik bewegen kann.

Beides trifft zu, doch im Gegensatz zu seinen Vorgängern denkt Barack Obama in langen Zeiträumen. Darum hat es der Präsident vermieden, die neuen Gespräche durch Vorgaben oder einen Verhandlungsrahmen in ein Korsett zu zwingen.

Trotzdem mutet der zur Schau getragene Optimismus des Präsidenten seltsam an. Vielleicht glaubt Obama, dieser Glückspilz, der sich so unversehens im Weissen Haus fand, tatsächlich, dass ihm gelingen werde, woran seine Vorgänger scheiterten. Eine amerikanische Wahl lässt sich damit nicht gewinnen, ein Platz im aussenpolitischen Pantheon schon eher. Barack Obama hat seine Ambitionen auf einen Platz in den Geschichtsbüchern noch nie verleugnet. Wahrscheinlich versucht er deshalb, Bewegung in eine Sache zu bringen, die seit Jahrzehnten fast hoffnungslos festgefahren ist. Selbst auf die Gefahr hin, dass ihm das für die Zwischenwahlen nichts bringt. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 01.09.2010, 23:51 Uhr

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1 Kommentar

Martin Holzherr

02.09.2010, 17:48 Uhr
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Niemand erwartet etwas von den geplanten Nahostverhandlungen. Doch das ist auch eine Chance. Die Israeli werden nur dann Zugeständnisse machen (zum Beispiel beim Siedlungsbau), wenn sie eine Gegenleistung erhalten. Solch eine Gegenleistung könnte die Zusage von Obama sein, dass die USA Israel gegen den Iran unterstützen. Antworten




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