Die teuersten Weine der Welt
Von Jan Graber. Aktualisiert am 07.01.2010 6 Kommentare
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Sie sind die ultimativsten Trophäen für Weinsammler mit dem nötigen Trinkgeld: die rarsten Tropfen der Welt, oft über hundert Jahre alt, nicht selten mehrere hunderttausend Franken schwer. Den Besitzer wechseln die Luxussäfte oft an spektakulären Auktionen, bei denen sogar Mitbieter schon bleich geworden sind. So geschehen zum Beispiel Marvin Shanken, dem Herausgeber des Wine Specators:
Er soll bei der Versteigerung eines 1787er Lafite aus der Sammlung des ehemaligen US-Präsidenten Thomas Jefferson nicht gemerkt haben, wie der Auktionator (der heutige Weinbuchautor Michael Broadbent) die Gebotsschritte von einem bestimmten Punkt an erhöht hatte. Ehe es sich Shanken versah, hatte die Flasche einen Preis von 100'000 Dollar erreicht – und es war unklar, ob er noch überboten werden würde. Mit aschfahlem Gesicht sass er im Publikum – bis die Flasche für 105'000 Dollar an den bekannten Weinsammler Christopher Forbes ging.
Rekordpreis für Château Mouton-Rothschild
Auch andere Weine erreichen an Auktionen oft exorbitante Preise – und dies für Säfte, die sich manchmal nicht einmal mehr geniessen lassen: Von einem 1945er Château Mouton-Rothschild, einem der begehrtesten Tropfen der Erde, darf der Besitzer beispielsweise keine wundersamen Sinneseindrücke mehr erwarten – trotz des Versprechens des Herstellers Château Mouton-Rothschild, dass sich der Wein erstaunlich gut gehalten habe. Obwohl die Bordeaux-Weine zu den langlebigsten Rotweinen gehören, haben selbst die besten Jahrgänge nach 25 Jahren ihren Zenit überschritten. Bei einer Auktion im September 2006 fiel der Hammer für den 45er Mouton-Rothschild dennoch beim Preis von 28'750 Dollar pro Flasche. Den Preis verdankt die Flasche allerdings nicht zuletzt dem Etikett, auf dem mit dem Worten «1945, année de la victoire» der Sieg über Nazi-Deutschland gefeiert wird.
Es gibt aber auch Tropfen, die trotz hohem Alter höchste Genüsse versprechen – die Süssweine. Ein Château d'Yquem aus dem Jahr 1811, den es in der Schweiz für 73'000 Franken zu kaufen gibt, erhielt vom Bordeaux-Kenner Robert Parker 100 von 100 Punkten – der Weinguru hatte den Wein 1996 selbst probiert und für ausserordentlich gut befunden. Der hohe Zuckergehalt des Weins wirkt als Konservierungsstoff, weshalb sich Süssweine problemlos über hundert Jahre halten lassen.
Glasbruch sei Dank
Eine der teuersten Flaschen der Welt ging indessen nicht über den Tresen sondern in Brüche. Bei einem medienwirksamen Dinner, bei dem eine Flasche Château Margaux 1787 aus der Sammlung von Thomas Jefferson zum Preis von 500'000 Franken verkauft werden sollte, räumte ein Kellner das rare Stück mit einem Kaffeetablett ab – es zersplitterte auf dem Boden. Der britische Besitzer und sein Weinhändler, der den Wein verkaufen sollte, strichen von der Versicherung 225'000 Dollar für die kaputte Flasche ein.
Was macht die begehrten Tropfen so sündhaft teuer? In erster Linie der Hype, der sich ähnlich wie bei Kunstauktionen um ganz bestimmte «Werke» gebildet hat. Bei den versteigerten Weinen handelt es sich ausschliesslich um lange haltbare Spitzenjahrgänge, die von Weinexperten wie Robert Parker oder dem Wine Spectator mit Höchstnoten bewertet wurden. Dass selbst die grössten Weine ein Verfallsdatum haben, spielt mit der Zeit keine Rolle mehr: Ist der Hype entfacht, nährt sich das Feuer praktisch von selbst. Tropfen wie etwa ein 1900er Château Margaux werden umso mehr zu Objekten der Begierde, je höher sie im Preis steigen. Und zu veritablen Investitionen: Sofern sich die Flasche nicht als Fälschung herausstellt, wird sie kaum an Wert verlieren und vielleicht im Gegenteil bei der nächsten Auktion noch teurer unter den Hammer kommen.
Seltene Tropfen bei Schweizer Weinhändlern
Nicht jeder teure Wein wechselt den Besitzer indessen an einer Auktion. Auch bei Weinhändlern in der Schweiz lassen sich seltene Säfte problemlos für ein paar tausend bis zu mehreren zehntausend Franken erstehen. So lässt eine Magnumflasche (1,5 Liter) des Burgunders La Romanée Conti das Sparbüchlein um 88'500 Franken schrumpfen. Für eine Magnumflasche Château Lafleur von 1950 muss der Trophäenjäger 22'250 Franken hinblättern. Fast bescheiden wirken dabei die 4788 Franken, die für einen Château Pétrus aus dem Jahr 2005 auf den Tisch gelegt werden müssen.
Lesen Sie nächste Woche: Welcher Wein rechtfertigt welchen Preis? Warum manche Tropfen ein Vermögen kosten. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 07.01.2010, 14:01 Uhr
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6 Kommentare
Alles Ansichtssache.Für gewisse Länder ist dekadenz schon Mineralwasser zu kaufen.Oder Auto zu fahren.Oder einen fernseher zu haben.Das sollte allen, zuerst klar sein. Alle alltäglichen Dinge in der Schweiz,sind für andere Masstäbe dekadent. Antworten













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