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Bordeaux 2009, c'est magnifique

Von Jan Graber. Aktualisiert am 30.04.2010

Normalerweise können im Frühjahr nur Weinprofis den jüngsten Bordeaux-Jahrgang testen. In Zürich wurden die exklusiven Tropfen aber einem privaten Publikum gezeigt – für die Deutschschweiz eine Premiere.

Testen, bevor sie erhältlich sind: An Primeur-Degustationen werden jeweils im April die Bordeaux-Weine aus den Trauben des letzten Herbstes probiert.

Testen, bevor sie erhältlich sind: An Primeur-Degustationen werden jeweils im April die Bordeaux-Weine aus den Trauben des letzten Herbstes probiert.
Bild: Reuters

Drei Tipps

An der Primeur-Degustation konnten über 70 Weine probiert werden. Welche Weine dem Geniessern zusagen, hängt vor allem von den eigenen Vorlieben ab. Diese drei Weine gehören zu den Favoriten des Autors:

Der Klassiker: Château Figeac
Ein Bordeaux aus der Region St.-Émilion, die Trauben werden auf 40 Hektaren angebaut. Château Figeac gehört zu den Klassikern des Bordeaux. Das wissen auch die Hersteller, weshalb die Weine eher überteuert sind.

Arrogant, aber exquisit: Château Malescot St.-Exupéry
Ein hervorragender Wein aus dem Margaux. Das Château mit 29 Hektaren gehört zu den aufstrebenden Weingütern, weshalb es die Weine noch zu einem anständigen Preis-Genuss-Verhältnis gibt. Die Familie des Winzers Jean-Luc Zuger stammt übrigens aus Zug.

Überraschend: Château Lascombes
Lascombes gehörte früher nicht zu den Topgütern. Seit ein paar Jahren aber sind die Weine am Kommen. Der 2009er ist ein hervorragender, ansprechender Wein, der mit seiner offenen Art einnimmt - ein herrlicher Wein im mittleren Preissegment.

Die Schöne und der Bordeaux-Händler: Daniel Gazzar konnte Château-Besitzer überzeugen, ihre heiklen Tropfen ins Ausland zu transportieren. Für Château Canon reiste die PR-Dame Géraldine Léger mit.
www.gazzar-weine.ch

Stichworte

Könnten Blicke töten, wären wir soeben von der Bildfläche verschwunden. Wir stehen im Grand Hotel Dolder am Degustations-Tisch des Château Malescot St.-Exupéry, um uns wimmelt und schnattert es, etwa 800 Besucher schnüffeln, schlürfen, schlucken den neusten Jahrgang von siebzig Château-Weinen aus dem Bordeaux und auch wir möchten den Jahrgang 2009 des besagten Malescot probieren. Der Schlossherr schaut uns jedoch an, als hätten wir ihn alleine durch unsere Anwesenheit beleidigt – und giesst verächtlich einen Schluck des 2006er-Jahrgangs in unser Glas.

Es gibt sie also tatsächlich, die oft beschworene Arroganz französischer Château-Besitzer. An dieser erstmals in der Deutschschweiz durchgeführten Degustation von Bordeaux-Primeuren bleibt sie indessen eine Ausnahme, alle anderen Château-Besitzer schenken ihre Weine mit Vergnügen aus und erzählen liebend gerne von ihren Produkten. Vor zwei Jahren wäre eine solche Degustation noch undenkbar gewesen. Weinproben der jüngsten Bordeaux-Jahrgänge waren bisher nur Weinprofis wie Journalisten und Händlern vorbehalten. Jeweils Anfang April pilgerten sie in Scharen auf die Châteaus im Bordelais, um den die neusten Erzeugnisse der Winzer zu probieren – Weine, die ganz frisch aus den Trauben des vorangegangenen Herbstes gekeltert waren. Das blieb sich auch dieses Jahr gleich, als im Epizentrum der teuren Weine die Tropfen aus den Trauben des Herbstes 2009 degustiert und bewertet wurden.

Gefährliche Reise

Heuer wurden die exklusiven Säfte jedoch auf eine zusätzliche Reise geschickt: nach Zürich, wohin der Westschweizer Online-Weinhändler Gazzar die Château-Besitzer eingeladen hatte. Es war nicht die allererste Auslandreise junger Bordeaux-Weine: Schon letztes Jahr konnte Geschäftsführer Daniel Gazzar die Bordeaux-Päpste überzeugen, eine Degustation in Lausanne, fernab der heimatlichen Scholle, durchzuführen – ein Novum in der Geschichte des Bordelais. Überzeugen liessen sich die Weinerzeuger, weil Gazzar ihnen eine spezielle Logistik anbot: «Die jungen, frisch aus den Trauben gekelterten Musterweine sind sehr heikel, instabil und schwierig zu transportieren», sagt Gazzar. «Die Weine halten keine Woche. Wir entwickelten deshalb eine besondere Logistik: Ein Lastwagen sammelte die Probeexemplare auf den Châteaus ein und brachte sie umgehend in die Schweiz.» Dieses Jahr war das Ziel das Grand Hotel Dolder in Zürich, wo die Tropfen gleichentags probiert wurden. Nächstes Jahr gehen sie wieder nach Lausanne, im Zweijahresrhythmus wechseln sich danach Zürich und Lausanne für die Degustation ab.

Aber nicht nur des heiklen Transports wegen scheuten die Château-Besitzer die Reise: Bei den sogenannten Primeuren handelt es sich um Weine, die am Anfang ihrer Reifung stehen und frühestens zwei Jahre später im Laden erhältlich sind. Für ungeübte Nasen wirken die Jungspunde unfein, verschlossen und streng; in der Regel braucht es Profis, um das Entwicklungspotenzial der Weine aufgrund der Aromen zu erkennen. Der Gefahr eines Fehlurteils durch die privaten Geniesser wirkten die Château-Besitzer entgegen, indem sie einen älteren Jahrgang desselben Weins im Gepäck hatten. So konnten die Besucher im Dolder den 2009er mit einem ausgereiften Exemplar desselben Weins vergleichen.

Vorzubestellen, kann sich auszahlen

Für dieses Jahr war die Befürchtung nicht berechtigt: Der 2009er gilt jetzt schon als Spitzenjahrgang – die meisten der noch unreifen Weine würden bereits heute einen Hochgenuss bieten. So auch der Château Malescot St.-Exupéry, von dem wir – nun mit blankem, uns schlicht nicht mehr beachtendem Blick – doch noch ein Glas des 09ers erhalten. So ungern wir dies an dieser Stelle zugeben: Beim Malescot handelt es sich um einen ausserordentlich guten Tropfen, bei dem sich durchaus eine Subskribtion lohnen würde (siehe auch Kasten).

Denn diese ist der eigentliche Sinn der privaten Primeur-Degustation: Grosse Bordeaux-Weine sind wegen ihrer meist geringen Produktionsmenge sehr gesucht – sobald sie auf dem offiziellen Markt erhältlich sind, werden viele der grossen Tropfen unbezahlbar. Händler versuchen, die Preisentwicklung möglichst früh zu erkennen und machen ihren Kunden Subskriptionsangebote: Der Kunde kauft aufgrund der frühen Bewertung eine oder mehrere Kisten eines bestimmten Weins, bezahlt sie und wartet daraufhin zwei Jahre, bis die Ware zu ihm nach Hause geliefert wird. Er hofft damit auf zweierlei: Auf ein Schnäppchen und auf einen exklusiven Genuss. Reift der Wein nämlich gut (was sehr oft der Fall ist), kann er zwei Jahre später einen massiv höheren Wert haben. Je mehr der Ruf eines Weins wächst, umso weniger wird er zum Zeitpunkt, an dem er offiziell in die Läden käme, zudem erhältlich sein – oder nur noch zu einem horrenden Preis. Und derzeit weissen alle Anzeichen darauf hin, dass die Preise 2009er wie die Zapfen eines gut geschüttelten Champagners abgehen werden. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 29.04.2010, 13:42 Uhr

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