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Dio mio! Wer soll diesen Fummel tragen? Und vor allem: Wann?

Von Nina Kobelt. Aktualisiert am 16.11.2011

Versace fürs Volk: Ab nächster Woche hängen Donatellas Kreationen in ausgewählten H&M-Boutiquen. Sie glitzern und funkeln und erinnern an Palmenposter. Ob man kaufen will, ist eine Frage des Geschmacks – und des Mutes.

1/19 Was das wohl ist? Ach egal... Die Kollektion war im Nu vergriffen.
Bild: Claudia Salzmann

   

Kitschiger Flickenteppich: Versace-Jacke für 179 Franken. (Bild: zvg)

Antike Opulenz: Seidenkleid mit Nietenverzierung für 299 Franken. (Bild: zvg)

Der Verkauf

Die Kollektion «Versace for H&M» ist ab 17.November in 6 Schweizer Filialen erhältlich. In Bern beim H&M an der Marktgasse 6.

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So cool. So bunt. Und ausserdem sehr hip. Schauspielerin Uma Thurman (gross, schlank, blond) war an der Präsentation von «Versace for H&M» in New York voll des Lobs für die Kollektion, die bei uns ab nächstem Donnerstag erhältlich ist. Wir fragen uns indes bange: Wer um Himmels willen soll diesen Fummel tragen? Und vor allem: wann?

Natürlich ist Mode Geschmackssache. Nirgends äussern sich Vorlieben und abstossende Gefühle so sehr wie bei auffälliger Kleidung, wie sie auf Catwalks spazieren geführt wird. Und dort nirgends so offensichtlich wie bei Versace. Santo und Donatella, die das Erbe des erschossenen Bruders Gianni Versace erfolgreich weiterführen, machen Mode für die Reichen und Schönen, nicht für die Massen. Bis jetzt. Nun kann sich nämlich auch das Fussvolk Donatellas Kreationen erstehen – in H&M-Boutiquen. Dio mio! Zwar reiht sich das Label in eine lange Reihe von zum Teil recht ausgeflippten Designern ein, die für den schwedischen Kleiderhersteller den Bleistift zückten: Karl Lagerfeld, Stella McCartney, die Avantgardisten Viktor&Rolf, Roberto Cavalli und so weiter. Das hier aber ist eine echte Herausforderung für Schnäppchenjäger: Schon für richtige Stars mit dem richtigen Versace-Fummel ist es schwierig, Donatellas Stoff gewordene Ideen zu tragen, ohne dabei auszusehen wie ein Pornosternchen. Die Chefin selber leistet sich ja selten einen Ausrutscher, was Kleidung betrifft – wir sprechen hier von Ausrutschern in Richtung stilvolles Auftreten.

Nun also Versace fürs Volk. Die Mailänderin Donatella liess in New York verlauten, sie könne es kaum erwarten, dass ihre Mode endlich der ganzen Welt zugänglich sein werde. Sie meint damit: dass sich Hinz und Kunz ein pinkfarbenes Seidenkleidchen mit komplizierten Ornamenten leisten kann. Oder Leggins, verziert mit Blumengebilden. Grafische Schwarz-Weissmuster auf Tücher gedruckt, auf Jacketts, auf Hemden. Und wilde Herrenkleidung: Der pinke Anzug mit gleichfarbenen Schuhen ist noch das am wenigsten ausgefallene Stück. Er kann zum Beispiel nicht mithalten mit der Freizeitjacke, einer Mischung aus grün gefärbtem Jaguar, antiker Opulenz, Sonnengöttern und Palmenposter.

Mode ist auch eine Mutfrage. Man kann durchaus auf Versace stehen, sich aber nicht getrauen, als griechische Göttin am Weihnachtsessen aufzutauchen. Oder als Surferboy (der himmelblaue Pullover mit Palmenmuster ist ziemlich eng geschnitten). Zugreifen sollte man in einem solchen Dilemma trotzdem: Wie bei allen anderen Designeraktionen geht es ja vor allem darum, das Label im Kasten hängen zu haben. Dieses Mal sogar mit Chancen auf Gebrauch: Heute ist Fasnachtsbeginn. (Berner Zeitung)

Erstellt: 11.11.2011, 07:22 Uhr

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