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Über diese Insel spannt der Regen einen Bogen

Von Anna Tschannen. Aktualisiert am 16.12.2011

Die Vulkaninsel Madeira vor der Küste Marokkos ist auch im Winter ein lohnendes Ziel – dank milden Temperaturen und kilometerlangen Wanderwegen.

1/4 Aussicht mit Regenbogen: Auf dem Pass der Verliebten öffnet sich der Blick in den tiefen Curral das Freiras, das Nonnental.Bilder
Bild: Anna Tschannen

   

Blumeninsel Madeira

Madeira ist eine ganzjährige Feriendestination mit durchschnittlichen Tagestemperaturen zwischen 19 und 26 Grad. Direkt ab Zürich fliegt momentan Air Berlin einmal pro Woche.

Die Bandbreite der Unterkünfte auf Madeira reicht von einfachen Pensionen über Ferienanlagen oder alte Landsitze bis hin zum absoluten Luxus im berühmten Nostalgiehotel Reid’s Palace oberhalb von Funchal. Die meisten davon befinden sich an der Südküste.

Eine gute Auswahl von 50 Levada- und Bergwanderungen hat Rolf Goetz im Rother Wanderführer Madeira zusammengestellt, neu aufgelegt im März 2011. Allfällige Warnhinweise zur Sicherheit auf Wanderwegen publizieren die lokalen Behörden unter www.visitmadeira.pt im Menüpunkt «Praktische Informationen». Wer baden möchte, ist auf der Nachbarinsel Porto Santo besser aufgehoben – auf Madeira gibt es lediglich einige künstliche Strände.ats

Es ist steil. Und eng. Der Chauffeur des Busses manövriert sein schweres Gefährt geschickt über die Strässlein, die mit weissen Zacken zum Steilhang hin abgesichert sind. In rascher Folge passiert er Haarnadelkurven, Brücken, Gegenverkehr und jede Menge auf der Strasse parkierte Autos, sodass den Touristen im Businnern Hören und Sehen vergeht. Wer den Blick aber von der Strasse losreissen kann, dem bietet sich ein wunderschönes Panorama: Die Insel Madeira besteht aus schroffen Steilküsten, terrassierten Hängen mit Schlünden dazwischen, alles dicht überwachsen.

Madeira, das eine unabhängige Provinz Portugals ist, trägt zu Recht den Übernamen schwimmende Blumeninsel. Die Vegetation ist üppig und vielfältig, auch an der Südküste, die wegen der Berge weniger Regenfälle abbekommt als der Norden. Das Klima ist das ganze Jahr über mild und macht die Insel zu einer idealen Winterdestination – besonders für Wanderfreudige.

Dem Kanal entlang

Wandern auf einer Insel, wos nur auf- oder abwärts geht, wo sogar die Rollbahn des Flughafens teilweise auf Pfeilern steht, weils zu wenig ebene Fläche gibt? Nein danke, werden sich manche sagen. Doch das Geheimnis heisst Levadas. Das ist ein weitläufiges System von Bewässerungskanälen, das sich wie ein Netz über die Insel erstreckt, vergleichbar mit den Suonen im Wallis. Bis über hundert Kilometer lang, versorgen sie die Südküste mit ihren Plantagen mit Wasser aus dem Gebirge. Die Wartungswege, die allen Kanälen entlangführen, bieten sich an für stundenlange Wanderungen. Dank des geringen Gefälles der Levadas sind die Wege eben. Sie führen durch die totale Einsamkeit, in tiefe Täler hinein und wieder, durch Lorbeer- und Eukalyptusbäume, manchmal durch Tunnels, hinter Wasserfällen durch oder an steilen Felswänden entlang. Lücken in der Vegetation bieten grandiose Aussicht auf Dörfer und das Meer weit unterhalb der Levada.

Bereits im 15.Jahrhundert begannen die Einwohner von Madeira, das Levada-Netz anzulegen. Je nachdem, ob die Kleinstkanäle, die zu den einzelnen Feldern führen, mitgezählt werden, variiert die Länge des gesamten Levada-Systems zwischen 800 und 5000 Kilometern. Auch heute sind die Bewässerungskanäle noch in Betrieb, der jüngste wurde in den Sechzigerjahren des 20.Jahrhunderts gebaut.

oder über die Berge

Wenn die beschaulichen Spaziergänge entlang der schmalen Levadas doch zu wenig sportlich sind, bieten sich Alternativen an. Das Gebirge im Inneren von Madeira erhebt sich bis zum höchsten Punkt auf 1862 Meter, dem Pico Ruivo. Dieser kann wie die meisten Gipfel des Zentralmassivs bestiegen werden. Allerdings raten die Einheimischen davon ab, wenn das Wetter wechselhaft ist. Oft ziehen blitzschnell Wolken auf und hüllen die hohen Berge in Nebel ein. Die Wege sind gut ausgebaut, weil sie in den meisten Fällen früher als Saumpfade dienten.

So führt etwa in den Curral das Freiras (Nonnental) ein Weg mit Kopfsteinpflaster, bequem mit stufenförmigen Rundungen erstellt. Das Tal liegt inmitten schroffer Berghänge und wurde erst 1958 mit einer Strasse erschlossen. Vorher mussten alle, die hineinwollten, über gepflasterte Passweglein aufsteigen. Der Aufstieg auf die Boca dos Namorados (Pass der Verliebten) ist schweisstreibend, wird aber belohnt durch einen Regenbogen über dem Nonnental. Bergab geht es dann steil durch Kastanienwälder, bis hin zur Bushaltestelle. Dort wendet erneut ein stoischer Busfahrer sein Gefährt auf einem Plätzchen, das für Normalsterbliche sogar zu klein für ein Manöver mit dem Auto wirkt. Kein Wunder, dass die Autovermieter am Flughafen vorwiegend Kleinstwagen im Angebot haben.

Torte und Kreuzfahrer

Ursprungspunkt aller Busfahrten ist die Hauptstadt Funchal. In der Stadt leben rund 90000 der 230000 Inselbewohner. Hier ist auch der wohl momentan berühmteste Madeirer zur Welt gekommen: Cristiano Ronaldo, mittlerweile Stürmer beim spanischen Fussballclub Real Madrid.

Die Innenstadt von Funchal lädt ein zum Bummeln. In den Gässchen mit aufwendigem, schwarz-weissen Kopfsteinpflaster verstecken sich Souvenirshops mit madeirischem Kunsthandwerk – und zahlreiche Cafés mit riesigen Auslagen voller Torten und Gebäck. Versorgt mit Kaffee und Kuchen, lässt sich gemütlich der Strom der Besucher von den Kreuzfahrtschiffen beobachten. Mehrere dieser Kolosse ankern beinahe täglich im Hafen von Funchal – ein weiteres Verkehrsmanöver, von dem man sich fragt, wie es überhaupt möglich ist. (Berner Zeitung)

Erstellt: 16.12.2011, 13:58 Uhr

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