Punktgenaue Pollenprognosen
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Wann werden Pollen freigesetzt, wohin breiten sie sich aus und wo werden sie abgelagert? Mit «COSMO-ART», einem neuen Vorhersagemodell für den Pollenflug, werden Pollenprognosen noch viel genauer als bisher. Dieses Modell wurde vom Karlsruhe Institute of Technology (KIT) entwickelt, Meteo Schweiz bereitete es für die Verwendung während der Pollensaison auf. «Unsere Tests während der Birkenpollensaison 2010 mit dem neuen Modell sind vielversprechend verlaufen», sagt der Biometeorologe Andreas Pauling. Ab Frühling 2011 basieren die Pollenprognosen von Meteo Schweiz auch auf COSMO-ART.
Pollenflug vom Wetter abhängig
Pollenprognosen sind ein wichtiges Instrument für Allergikerinnen und Allergiker, um ihre Allergiebeschwerden zu minimieren, Aktivitäten im Freien zu planen und Medikamente gezielter einzunehmen. Auch Ferienzeit und Ferienort können Betroffene damit besser auf die Blütezeit der allergenen Pollenarten abstimmen. Bislang wurden diese Prognosen mit Hilfe des nationalen Pollenmessnetzes NAPOL getroffen: Über die Schweiz verteilt ist ein Netz von 14 Pollen-Messstationen, wo mit sogenannten Burkard-Fallen täglich Proben auf Klebestreifen eingesammelt werden. Beim Pollenmessdienst von Meteo Schweiz in Zürich und Payerne werden die Proben gezählt und analysiert.
Anders bei den neuartigen, modellierten Pollenprognosen: Diese berücksichtigen die Abhängigkeit des Pollenflugs vom Wetter, wie Andreas Pauling ausführt: «Der Wind transportiert und verbreitet die Pollen; hohe Temperaturen, Sonnenschein und Wind begünstigen deren Emission, Niederschlag und tiefe Temperaturen wiederum verhindern eine Pollenfreisetzung.»
Eine neue Generation von Pollenprognosemodellen, welche die Pollenausbreitung gemeinsam mit der Wetterprognose simulieren, wird momentan von verschiedenen Wetterdiensten in Europa entwickelt. In der Schweiz ist die Grundlage dafür das numerische Wetterprognosemodell «COSMO», das von verschiedenen europäischen Wetterdiensten einschliesslich Meteo Schweiz entwickelt wurde. Mit dem Zusatz «COSMO-ART» kann dieses auch die Ausbreitung von Partikeln modellieren. «Ausgehend von einer Verbreitungskarte der allergenen Pflanzen berechnet das Modell, wie sich Blüten entwickeln, wo und wann diese ihre Pollen an die Luft abgeben, wohin die Pollen fliegen und wo sie am Ende abgelagert werden», erklärt Andreas Pauling. Das Modell berücksichtigt lokale Wetterereignisse ebenso wie die lokale Verteilung der Pflanzen sowie deren Aktivierung.
An der Birke getestet
Biometeorologen von Meteo Schweiz haben COSMO-ART diesen Frühling während der Birkenpollensaison getestet. Die so erstellten Prognosen wurden anhand der Messdaten des nationalen Pollenmessnetzes NAPOL überprüft. «Nach diesen Tests ist das Modell nun bereit zur Einführung», sagt Andreas Pauling, «wobei wir einige Details noch angepasst haben.» Eine Korrektur war zum Beispiel bei den Daten zur europaweiten Birkenverteilung nötig. Ausserdem wurde das Modell skaliert, das heisst die Resultate wurden um einen bestimmten Faktor korrigiert.
COSMO ist ein hoch aufgelöstes Wettermodell: Die Gitterpunkte, an denen die Pollenbelastung berechnet wird, liegen nur 7 Kilometer voneinander entfernt. Zu einem späteren Zeitpunkt soll die Gitterweite gar auf 2 Kilometer verringert werden, wie es für die wetterprognosen bereits jetzt der Fall ist. Für künftige Pollenprognosen bedeutet dies: Meteo Schweiz kann Vorhersagen für praktisch jeden beliebigen Punkt der Schweiz machen – und nicht nur für ausgewählte Lokalitäten, wie das heute der Fall ist. Allergikerinnen und Allergiker können sich dann zum Beispiel über den Pollen-Newsletter von Meteo Schweiz darüber informieren, welche Pollenbelastung an ihrem Wohn- oder Arbeitsort oder an ihrer Feriendestination zu erwarten ist. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 24.09.2010, 15:35 Uhr
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