Geballte Ladung
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Feinstaub, Diesel- und Russpartikel, Schwefeldioxid und Stickstoffdioxid – was an Luftschadstoffen täglich in die Luft geschleudert wird, ist nicht eben gesundheitsfördernd. Zwar hat die Schweiz in punkto Industrieimmissionen gegenüber andern Ländern – etwa aus dem ehemaligen Ostblock – sicher privilegierte Verhältnisse. Aber auch hierzulande rechnet man gemäss aha! dem Schweizerischen Zentrum für Allergie, Haut und Asthma, mit jährlich 3700 vorzeitigen Todesfällen als Folge der Luftverschmutzung. Als besonders gefährlich gilt der Feinstaub: Ein Teil der winzigen Staubpartikel wird direkt in die Atmosphäre abgegeben (zum Beispiel Russ), die anderen entstehen erst in der Luft durch chemische Prozesse mit anderen Substanzen. Diese Kleinstpartikel mit einem Durchmesser unter einem Hundertstelmillimeter, im Fachjargon PM10 genannt, können tief in die Lungen und von dort weiter in die Blutbahnen gelangen. 44 Prozent des jährlichen PM10-Ausstosses entstehen bei Verbrennungsprozessen aus Dieselmotoren und Holzfeuerungen.
Zusätzlicher Reizfaktor, aber nicht Ursache
Unter der Luftverschmutzung leiden besonders auch die Allergiker: Es gibt immer mehr Hinweise, dass allergische Reaktionen durch bestimmte Schadstoffe verstärkt werden. «Studien haben gezeigt, dass die Schadstoffbelastung ein zusätzlicher Reizfaktor für das kindliche Asthma ist und sich die Symptome verschlechtern», bestätigt Charlotte Braun-Fahrländer, Professorin am Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Basel. Ob Luftschadstoffe möglicherweise die Ursache für die stete Zunahme von allergischem Asthma und Heuschnupfen sind, weiss man allerdings nicht. «Für diesen Zusammenhang gibt es bislang keine Beweise», sagt die Medizinerin. Braun-Fahrländer leitet seit über zehn Jahren die breit angelegten SCARPOL-Studien des Bundes, welche die Auswirkung von Umwelteinflüssen auf Atemwegserkrankungen untersuchen.
Als Fakt gilt hingegen, dass Pollen dann besonders aggressiv werden, wenn sich Feinstäube aus Autoabgasen auf ihnen ablagern. Diese geben dann mehr Reizstoffe ab als Blütenstaub, der auf dem Land gesammelt wurde. Wie Pollen und Schadstoffe wechselwirken, weiss man zum Beispiel vom Dieselruss: «Dieselpartikel verbinden sich mit Allergenen aus der Luft und gelangen dann bei der Einatmung bis tief in die Atemwege. Sobald sie von Immunzellen aufgenommen werden, wird die Produktion von allergischen Antikörpern begünstigt», erklärt Brunello Wüthrich, Facharzt für Allergologie und Dermatologie in Zürich.
Zucker, Enzyme und Fettsäuren spuckender Pollen
Der Grund: Die Dieselpartikel brechen die Struktur von Pollenproteinen auf und verstärken dadurch deren allergene Wirkung. Denn im Innern wirken Pollenallergene viel aggressiver als an der Oberfläche. Den genauen Vorgang hat Claudia Traidl-Hoffman, Allergieforscherin an der Technischen Universität München, vor kurzem beschrieben: «Wenn der Pollen in Kontakt mit einer Oberfläche gerät, will er herausfinden, ob er auf einer weiblichen Blüte gelandet ist», erläutert Traidl-Hoffman. «Bei der Kontaktaufnahme spuckt er Zucker, Enzyme und auch Fettsäuren aus. Landen diese Polleninnereien irrtümlich auf der gereizten Nasenschleimhaut eines Allergikers, verstärken sie die Überreaktion seiner Immunzellen.»
Am besten untersucht hat ihre Arbeitsgruppe die sogenannten PALMs, das sind Abbauprodukte von ungesättigten Fettsäuren. «In Kombination mit Luftschadstoffen sind sie dafür verantwortlich, dass Allergiker in der Stadt stärker unter Heuschnupfen leiden als Landbewohner», erklärt die Münchner Forscherin. Inzwischen werden einige weitere Immunstimulatoren intensiv erforscht. Die Pollenchemikalien können sogar, gemäss einer neuen Studie, bei Menschen ohne Allergieerkrankung die Nasenschleimhäute reizen und heuschnupfenähnliche Beschwerden verursachen. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 16.08.2010, 11:15 Uhr
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