Die Machomännchen
Von Michael Marti. Aktualisiert am 30.01.2012
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Eine Ausnahmeerscheinung: Kathryn Bigelow, die 2010 mit «The Hurt Locker» als erste Frau einen Oscar für die beste Regie gewann.
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Seit einigen Tagen sind die Nominationen für die Oscar-Verleihungen vom 26. Februar bekannt, und es ist damit jetzt schon klar: 2011 war kein gutes Jahr für die Frauen in Hollywood, ein Jahr ohne Gender-Happy-End. Selbstverständlich wird auch dieses Mal mit viel Tamtam ein Goldmännchen an die beste Schauspielerin vergeben (Lesen Sie dazu: «Herr Doktor, eine Orgasmus bitte!»), selbstverständlich wird auch 2012 eine Aktrice für die beste Nebenrolle ausgezeichnet – aber das wirds dann wohl schon gewesen sein an ausgezeichneter Weiblichkeit im Kodak Theatre am Hollywood Boulevard. (Lesen Sie dazu: «Ein radikaler Schnitt».)
Denn: Die Prestige-Kategorien «Bester Film» und «Beste Regie» werden klar von Männern dominiert. Nur 3 der 17 nominierten Produzenten sind Frauen. In die Kategorie «Beste Regie» schaffte es gar keine Frau; hier machen fünf Männer den Wettbewerb unter sich aus.
Die Zelluloid-Decke
Angesichts dieser eklatanten Frauenschwäche in der weltweit einflussreichsten Entertainment-Industrie spricht der «Guardian» in Anlehnung an den Begriff der «gläsernen Decke» von einer «celluloid ceiling», welche in Hollywood weibliche Karrieren jäh stoppe. (Lesen Sie auch: «Die gläserne Decke».) Und die «Huffington Post» jammert dieser Tage: Kathryn Bigelow, die 2010 mit «The Hurt Locker» als erste Frau einen Oscar für die beste Regie gewann, werde wohl eine Ausnahmeerscheinung bleiben. Für Jahrzehnte.
Das ist in der Tat zu befürchten, die Fakten sprechen eine deutliche Sprache. 2011 stammten nur 5 Prozent der 250 erfolgreichsten Hollywood-Filme aus der Hand einer Regisseurin, das zeigt eine Studie des Center for the Study of Women in Film and Television. 2001 waren es immerhin 10 Prozent gewesen. Und in den entscheidenden Funktionen der Filmindustrie insgesamt – Produktion, Regie, Drehbuch – betrug 2011 der Frauenanteil magere 18 Prozent. Schliesslich kommt hinzu, dass diese wenigen Frauen oft im Dokumentarfilm-Bereich engagiert sind, also an der Peripherie des Multimilliarden-Business Hollywood.
Die triste Gesamtbilanz
Während etwa in der amerikanischen IT-Industrie der Einfluss von Frauen in Spitzenpositionen markant zunimmt (Lesen Sie dazu: «Die Silicon-Valley-Theorie»), hat sich also die Zahl der relevanten Hollywood-Regisseurinnen in den letzten zehn Jahren halbiert. An dieser tristen Gesamtbilanz ändert auch der Erfolg einzelner Frauen nichts. Neben Bigelow (60) gelang es etwa auch Catherine Hardwicke (57), sich durchzusetzen, sie führte Regie im Kassenschlager «Twilight» (2008). Und zu dem kleinen und immer noch kleiner werdenden Kreis erfolgreicher Hollywood-Regisseurinnen gehört neuerdings auch Angelina Jolie, die 2011 ihr Drama zum Bosnienkrieg («In the Land of Blood and Honey») in die Kinos brachte.
Ganz offensichtlich gibt es kein Patentrezept, um Hollywoods Testosteronkultur zu verändern. Die Filmprofessorin Martha Lauzen, Autorin der erwähnten Studie, meint gegenüber dem «Guardian», «es gibt keine einfache Lösung – die Frauen müssen mit eigenen Projekten die Welt hinter den Kameras verändern und so ihren Einfluss vergrössern». Das klingt, zugegeben, ziemlich vage.
Die Hauptrolle im Rahmenprogramm
Eines ist dafür aber sicher. Am 26. Februar, wenn im Kodak Theatre die Oscars, diese vergoldeten Machomännchen, vergeben werden, dürfen an einem Ort die Frauen unbestritten die Hauptrolle spielen: auf dem roten Teppich, wo tief dekolletiert gestritten wird um den Sieg in der Kategorie «Oscars Best Dressed». Den vergibt allerdings nicht die Akademie, sondern die Boulevardpresse.
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Erstellt: 30.01.2012, 21:36 Uhr
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