Zimt – des Christkinds liebste Würze
Diabetes
US-Forscher haben entdeckt, dass Zimt bei Diabetikern des
Typs 2 eine blutzuckersenkende Wirkung haben kann. Entsprechende Präparate sind aber nicht unumstritten.
Es war eine Entdeckung per Zufall: Im Jahr 2003 haben Forscher rund um den US-Amerikaner Richard A.Anderson die blutzuckersenkende Wirkung von Zimt bei Diabetikern des Typs 2 entdeckt, als sie die Wirkung von gängigen Lebensmitteln auf den Glukosegehalt des Blutes überprüften.
Anderson hatte sich darüber gewundert, dass die bei Amerikanern so beliebte und mit Zimt gewürzte Apfeltorte den Blutzuckerspiegel nur schwach steigen liess – ganz anders als erwartet.
Das Team vom Forschungszentrum für Landwirtschaft und Ernährung in Beltsville ging der Sache nach und veranstaltete ein Experiment, an dem 60 Patienten teilnahmen, die an Diabetes des Typs 2 litten. Die Körperzellen solcher Menschen sind unempfindlich für Insulin, das bei Gesunden den als Kraftstoff benötigten Blutzucker in die Zellen schleust. Nach dem Test stand fest: Ganz offensichtlich machte Zimt die Körperzellen wieder sensibel für Insulin. Der für den Effekt verantwortliche Zimtbestandteil soll ein wasserlösliches Extrakt namens MHCP (Methylhydroxy-Chalcone-Polymer) sein.
Längst enthalten frei verkäufliche Kapseln Zimt oder Auszüge davon und sollen Typ-2-Diabetikern im Rahmen ihrer Therapie dabei behilflich sein, den Blutzuckerspiegel in Schach zu halten. Ob die als Nahrungsergänzungsmittel angebotenen und nicht ganz billigen Präparate wirksam, unproblematisch und ihr Geld wert sind, darüber gehen die Meinungen in der Fachwelt auseinander.
Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft zum Beispiel rät davon ab, solche Zimtpräparate begleitend zur üblichen Diabetestherapie einzunehmen. Die den Blutzucker senkende Wirkung von Zimt sei nicht eindeutig nachgewiesen. Zudem besteht Unklarheit über mögliche Nebenwirkungen einer längeren Einnahme der Zimtmittel.
Davon abgesehen steht der duftende Zimtbestandteil Kumarin im Verdacht, bei besonders dafür empfindlichen Menschen (eine kleine Minderheit in der Gesamtbevölkerung) Leberschäden zu verursachen und in höheren Dosen sogar bestimmte Krebsarten auslösen zu können – sofern sich Tierversuche an Ratten auf den Menschen übertragen lassen, was längst nicht klar ist. Bislang gibt es keine klaren Belege für das Risiko einer Tumorerkrankung, ausgelöst durch Zimt.
Klar ist: Der billigere und von der Lebensmittelindustrie viel häufiger in Frühstücksmüesli, Gebäck und anderen Fertigprodukten eingesetzte Kassia-Zimt enthält mehr Kumarin als der vergleichsweise teure Ceylon-Zimt, dessen Verzehr in üblichen Mengen als unbedenklich gilt.
Nach der deutschen Aromenverordnung dürfen pro Kilo Lebensmittel höchstens 2 Milligramm Kumarin in Nahrungsmitteln enthalten sein. In der Schweiz gibt es bisher für Zimt keinen Grenzwert bezüglich Kumarin. Laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) werden hierzulande derzeit in Zusammenarbeit mit Gesundheitsbehörden, Lebensmittelherstellern und Handel viele Messungen durchgeführt, um die effektiven Kumaringehalte in Zimt und zimthaltigen Produkten zu bestimmen. Ausserdem werden für die gesundheitliche Bewertung von Kumarin wissenschaftliche Daten zusammengestellt.
Im Hinblick auf den gesteigerten Zimtkonsum in der (Vor-)Weihnachtszeit empfiehlt das BAG, industriell hergestelltes Weihnachtsgebäck und andere zimthaltige Lebensmittel massvoll zu geniessen. So sollten Kinder pro Tag nicht mehr als eine Portion zimthaltige Lebensmittel essen. Als eine Portion gelten zum Beispiel 4 Zimtsterne, 1 kleiner Lebkuchen (30 g), 2 zimthaltige Müesliriegel oder 1 Teller zimthaltiges Müesli (75 g).was/wü
Meine Bank, mein Segelschiff, mein Zimt – so hätte der Augsburger Kaufmann und Geldverleiher Anton Fugger (1493–1560) in das Duell zweier Prahlhänse aus dem Werbefernsehen («Mein Haus, mein Auto, mein Boot») einstimmen können. Bloss lief die TV-Reklame fast ein halbes Jahrtausend, nachdem der Händler vor den Augen Karls V. seinen Reichtum eindrucksvoll vorgeführt hatte: Er verbrannte die Schuldscheine des bei ihm tief in der Kreide stehenden Kaisers in einem prasselnden Kaminfeuer aus Zimtstangen.
Eine ungeheuerliche Tat
Eine ungeheuerliche Tat. Denn im Europa jener Zeit galt Zimt als eines der kostbarsten Gewürze überhaupt. Seit rund 5000 Jahren, zunächst offenbar in China, verfeinert es Speisen und hilft bei Magenschmerzen, Mundgeruch oder Blähungen. Auch Handel wird damit schon lange betrieben. Arabische und phönizische Kaufleute boten zur Zeit der Pharaonen die aromatische Rinde in Ägypten zum Verkauf. Im heutigen Israel war Zimt schon vor fast 3000 Jahren, zu König Davids Zeiten, bekannt. Der in Griechenland geborene Arzt Hippokrates (460–370 vor Christus) erwähnte die verdauungsfördernde Wirkung des Gewürzes, und sein Landsmann Theophrastos hob etwas später den köstlichen Geschmack von Zimt hervor: Der Philosoph empfahl ihn besonders zum Verfeinern von Rebensaft – Freunde des modernen Glühweins werden zustimmen.
Gewürz, Arznei, Parfüm
Auch die Römer der Antike nutzten Zimt – als Gewürz und Arznei, als Parfüm und Räucherwerk. Obendrein als Opfergabe: «Der Kaiser Vespasian weihte den Göttern Kränze aus Zimt, die von getriebenem Golde zusammengehalten wurden», heisst es im Deutschen Koloniallexikon von 1920. Vespasians prunksüchtiger Vorgänger Nero verbrannte gerne, was ihm etwas wert war: So entfachte er auch grosse Zimtfeuer in den Strassen Roms, um seiner verstorbenen Gattin Poppea zu huldigen. Anton Fugger hatte also ein Vorbild, wenn auch ein unrühmliches.
Märchenhafte Geschichten
Woher Zimt stammte, wurde lange verschleiert. Schon in der Antike erfanden die arabischen Zwischenhändler dazu eigens Märchen – etwa jenes, wonach spezielle Zimtvögel das Gewürz in ihren Nestern horten. Wer an den kulinarischen Leckerbissen herankommen wolle, müsse die Vögel mit Pfeil und Bogen abschiessen. Der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtete im 5.Jahrhundert vor Christus, der Zimt wachse auf dem Grund eines Sees; Genaueres sei ihm nicht bekannt – kein Wunder.
In Wahrheit wächst Zimt an Bäumen – nicht als Frucht, sondern als dünne Innenschicht der Rinde von immergrünen Zimtbäumen. Die 275 Arten umfassende Gattung gehört zur Familie der Lorbeergewächse. Zur Gewinnung von Zimt werden aber nur wenige Arten herangezogen, von denen der maximal zwölf Meter hohe Echte Zimtbaum (Cinnamomum zeylanicum) aus Sri Lanka (früher Ceylon) das feinste Aroma liefert.
Eine schärfere und billigere Zimtvariante stammt aus China (Kassia-Zimt oder Cinnamomum aromaticum), wird heute aber auch auf Sumatra angebaut. Die dünne Rindenschicht rollt sich röhrenartig zusammen und ergibt – zu mehreren solcher Röhrchen zusammengefügt – den sogenannten Stangenzimt. Üblicherweise werden zehn getrocknete Zimtröllchen von je 0,3–1 Millimeter Stärke ineinandergelegt und zu 10 Zentimeter langen Stangen geschnitten.
Üblich, etwa auf Zimtschnecken oder Pfannkuchen, ist jedoch auch pulverförmiger Zimt, der vorwiegend aus der chinesischen Baumvariante gemahlen wird, ausserdem Zimtbruch. Aus Produktionsabfällen wird viertens Zimtöl gewonnen, das ähnlich wie Nelkenöl Schmerzen lindert und als Aroma- und Duftstoff eingesetzt wird. Öl lässt sich auch aus Blättern des Zimtbaumes gewinnen. Beide Ölarten reizen die Haut stark.
An der Sonne getrocknet
Angebaut werden Zimtbäume in Gärten, die den bei uns früher üblichen Korbweidenkulturen ähneln. Die 2 Meter langen Zweigschösslinge der Zimtbäume werden alle ein bis zwei Jahre abgeschnitten und entrindet. Die Rinde fermentiert (gärt) ein bis zwei Tage lang unter Matten. Danach wird die aromatische Schicht abgetrennt und an der Sonne getrocknet, wobei sie sich zusammenrollt. Je dünner die Rinde ist, umso feiner ihr Geschmack. (Berner Zeitung)
Erstellt: 19.12.2011, 14:12 Uhr
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