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Das Bühnenspiel als Lebenshilfe

Von Linus Schöpfer. Aktualisiert am 03.01.2012

Ein Theaterbesuch sei ein prima Return on Investment, glaubt der Münchner Germanist Bernd Sucher.

1/10 Alkoholmissbrauch («Wer hat Angst vor Virginia Woolf», Albee)
Sucher: «Manchmal sollte man besser sein lassen, was man allzu gerne täte. Wer betrunken ist, wird gerne redselig. Das geht indes meist schief. Nein: immer! Jeder, der ‹Wer hat Angst vor Virginia Woolf› kennt, wird bei der ersten Streiterei unter Betrunkenen Reissaus nehmen.»
(«Wer hat Angst vor Virginia Woolf»-Aufführung, 4. Oktober 2007 im Wiener Volkstheater)
Bild: Keystone

   

C. Bernd Sucher: Meine kleine Theater-Lebenshilfe. DTV, Dezember 2011. ISBN: 978-3-423-24907-2. 159 Seiten, circa 25 Franken.

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Was sagen sie uns noch im Zeitalter von «Twilight» und iPad, die alten Meister Goethe, Schiller und Shakespeare? Sehr viel, ja fast alles, meint der Germanist und Theaterwissenschaftler C. Bernd Sucher, seines Zeichens Professor an der Bayrischen Theaterakademie und Feuilletonist der «Süddeutschen Zeitung».

In seinem jüngst erschienenen Buch «Meine kleine Theater-Lebenshilfe» versammelt Sucher drei Dutzend Begriffe – darunter Gefühle wie «Liebe» oder «Eifersucht», Ereignisse wie «Hochzeit» oder Randständiges wie «Autopanne» oder «Alkoholmissbrauch». An ihnen zeigt Sucher, wie existenziell gutes Theater sein kann, dass jeder und jede quasi zu jeder Lebensfrage auf der Bühne passende Antworten finden kann.

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Für Verliebte analysierte Bernd Sucher etwa die Szeneanweisungen von Schillers «Kabale und Liebe», die Aufschluss geben über nonverbale Signale, für Verheiratete betrachtet er «Leonce und Lena» von Georg Büchner, für Eifersüchtige zergliedert er Shakespeares «Othello». Und wer sich mit einer Autopanne rumplagt, dem empfiehlt Sucher scherzhaft Magniers «Ein klarer Fall», in dem ein Vehikeldefekt zum Ehebruchdrama eskaliert.

Die heimlichen Stärken des Buches treten jedoch ausgerechnet dann zutage, wenn Sucher seine Tippgeber-Pflichten vernachlässigt, wenn er humorvoll abschweift zu den Finessen der Bühnenkunst. Wenn er sich etwa im Kapitel «Krankheiten» dem intensiv kultivierten Gebrechen von Frau Bruscon in Thomas Bernhards «Der Theatermacher» widmet: «Die Frau der Hauptfigur, des Dramatikers, Regisseurs und Schauspielers Bruscon, kläfft nämlich unaufhörlich, weshalb der nicht eben sensible Ehemann sie beschimpft, ihr einziger Reiz sei der Hustenreiz.» Für hypochondrische Theatergänger, so folgert Sucher, sei Bernhard ergo eher weniger zu empfehlen.

In der obigen Bilderstrecke erhalten Sie kleine Einblicke in Suchers Ratgeber – Stück für Stück. Nicht zuletzt für all' jene, die im neuen Jahr etwas häufiger ins Theater gehen möchten...

(Bernerzeitung.ch/Newsnet)

Erstellt: 03.01.2012, 11:41 Uhr

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