Das Grab der Mona Lisa
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Wer war Mona Lisa? Wem gehörte das geheimnisvollste Lächeln der Kunstgeschichte? In den letzten Jahren, Jahrzehnten und Jahrhunderten sind die Fragen immer wieder anders beantwortet worden, verschiedene mehr oder weniger ehrenwerte Damen wurden als mögliche Vorbilder für Leonardo da Vincis berühmtestes Gemälde genannt, auch ein Selbstporträt wurde in Betracht gezogen, und immer wieder standen Jünglinge, die dem Künstler gefallen haben sollen, zur Debatte.
Die wahrscheinlichste Kandidatin ist allerdings seit dem 16. Jahrhundert Lisa Gherardini Del Giocondo, die dritte Ehefrau eines Florentiner Kaufmanns und Seidenhändlers. Sie soll 1542 im Kloster Sant’Orsola in Florenz begraben worden sein, wo derzeit ein Georadar auf der Suche nach ihren sterblichen Überresten ist. Bis in die Tiefe von drei Metern wird gesucht, wobei vor allem die Schicht zwischen 70 und 160 Zentimetern Erfolg verspricht: Darunter scheine der Boden kompakt zu sein, erklärt der Pressesprecher des Projekts. Darüber finde sich eine Betonschicht aus den 1980erJahren, als man daran dachte, das Kloster in eine Kaserne umzubauen.
Bereits sollen menschliche Knochen geortet worden sein, und wenn die dereinst ausgegraben sind, geht die Arbeit erst richtig los: DNA-Vergleiche mit Söhnen der mutmasslichen Mona Lisa stehen an, und bei positivem Ergebnis hofft man natürlich, dass die Knochen Rückschlüsse auf die Physiognomie der Dame erlauben.
Ob man das Skelett zum Lächeln bringt? Ob einem eine Computerrekonstruktion im Stil jener schaurigen Fahndungsbilder weiterhilft, die in den letzten Jahren den «echten» Mozart rekonstruierten? Die Welt wird es erfahren. Denn neben den Forschern sind TV-Leute aus Russland und Japan, aus Frankreich, England und der arabischen Welt bei der Suche dabei. Und zur Promotion des Ereignisses werden Verhandlungen mit der Schauspielerin Cameron Diaz geführt. Deren Lächeln ist zwar ein bisschen breit für den Job, aber das soll die wahren Kunstliebhaber und Sensationsverkäufer nicht stören. (Tages-Anzeiger)
Erstellt: 28.04.2011, 11:50 Uhr
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