Hitler lesen im Park
Von Linus Schöpfer. Aktualisiert am 20.01.2012 52 Kommentare
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Der Verleger Peter McGee will die faschistische Hetzschrift, die heute vor allem in zwielichtigen Internet-Foren kursiert, peu à peu der breiten Öffentlichkeit zugänglich machen. Bereits Ende diesen Monats sollen die ersten 15 Seiten an den britischen Kiosken feilgeboten werden. Obschon McGee die Auszüge mit wissenschaftlichen Kommentaren ausstatten will, stösst sein Projekt auf Skepsis. Charlotte Knobloch etwa, frühere Vorsitzende des deutschen Zentralrats der Juden, kritisiert in der deutschen Tageszeitung «Die Welt» McGees dezidiert kommerzielle Verwertung des hitlerschen Hauptwerks.
Andernorts wird die Unternehmung hingegen begrüsst. So erhofft sich «Zeit»-Redakteur David Hugendick eine Entzauberung Hitlers. Durch das in Deutschland geltende Reproduktionsverbot habe «Mein Kampf» eine «mystische, toxische Aura» erhalten. «Der Glaube, dass ein Kontakt mit dem Buch sogleich einen Rückfall in düstere Zeiten auslösen könne», so Hugendick, «entstammt einer Vorstellung, wie man sie heute eigentlich nur noch aus der Märchenliteratur kennt.»
Schweizer Markt: Keine Zensur, aber...
In Deutschland werden staatlicherseits eine überschaubare Zahl Bücher, neben rassistischen auch pornografische und terroristische Schriften, vom öffentlichen Diskurs ausgesperrt. Das heisst, sie werden indiziert und dürfen weder verkauft noch beworben werden.
Hierzulande ist das anders. «In der Schweiz gibt es keine Zensur, folglich werden auch keine Bücher verboten», erklärt Ingrid Ryser, Sprecherin des EJPD. Eine Privatperson muss ein als rassistisch empfundenes Werk erst anzeigen, hernach entscheidet der Richter, ob der Straftatbestand der rassistischen Propaganda vorliegt oder ob allenfalls der wissenschaftliche Aspekt überwiegt.
Könnte da nicht ein skrupelloser Verleger auf die Idee kommen, McGee nachzueifern und ebenfalls versuchen, die «toxische Aura» des Hitlerbuchs zu kommerzialisieren? Nein, meint Carlo Bernasconi, Chefredaktor der Fachzeitschrift «Schweizer Buchhandel». «Abgesehen davon, dass Vertrieb und Lektüre von ‹Mein Kampf› der Schweizer Mentalität komplett zuwiderlaufen, ist das Risiko, verklagt zu werden, viel zu hoch», sagt Bernasconi.
«Wie ein Pin-up-Girl mit Sternchen auf den Brustwarzen»
Spätestens am 1. Mai 2015 wird «Mein Kampf» im deutschsprachigen Raum wieder frei erhältlich sein. Denn dann laufen die Urheberrechte des Buches, die der Freistaat Bayern bis dato innegehabt und verwaltet hat, aus.
Schon bereitet das Münchner Institut für Zeitgeschichte eine historisch-kritische Ausgabe vor, um einer «bloss kommerziellen Nutzung das Wasser abzugraben», wie der ehemalige Institutsleiter Horst Möller zur «FAZ» sagte. Möller warnt vor einer «Sensationsmache»; seine Ausführungen evozieren die bedenkliche Aussicht auf einen banalisierten Bestseller «Mein Kampf» und auf Flaneure, die beiläufig in ihrem Hitler schmökern.
Carlo Bernasconi allerdings bezweifelt, dass die Freigabe etwas am Schweizer Status quo ändern wird, und auch der wissenschaftlichen Edition steht er skeptisch gegenüber. Der Fachmann glaubt nicht, dass die sorgsam vorbereitete historisch-kritische Ausgabe die hiesigen Verleger umzustimmen vermag. Hitler bleibe Hitler und somit nicht publizierbar: «So eine historisch-kritische Ausgabe von ‹Mein Kampf›, das ist wie ein Pin-up-Girl mit Sternchen auf den Brustwarzen. Grundsätzlich ändert sich nichts.»
(Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 20.01.2012, 10:13 Uhr
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52 Kommentare
Ich habe eine originale Hochzeitsausgabe (wurde damals bei Trauungen abgegeben) gelesen..und jetzt?? Bin ich Neonazi??? Das Buch wiederspiegelt das Denken zu der Zeit der Weimarar Republik und der Problematik von Versailles....was hat das mit heute zu tun? Jeder kann selber entscheiden was er lesen will und was nicht.... Antworten
Hitlers - Mein Kampf ist in ewta so spannend wie Marxs - Manifest. Ausserdem haben beide ähnliche Ansichten, besonders was die Landverteilung angeht.
Glaube nicht, dass sich irgendjemand freiwillig durch diesen langweiligen Holzverschwender durchliest, genau so wie niemand Homers - Odysseus wirklich durch gelesen hat.
Der Büchervielfalt würde es gut tun
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