Das Internet bewegt sich ins Fernsehen
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Antwort auf Bluewin-TV?
Das Bieler Unternehmen Finecom lanciert das TV-Angebot Quickline Verte, das über 110 digitale TV-Sender (davon 8 in HD-Qualität) und 120 Radiosender umfasst. Das Angebot ermöglicht gemäss Pressemitteilung unter anderem zeitversetztes Fernsehen und Live-Pausen. Es umfasst ausserdem eine Videothek sowie einen persönlichen Videorekorder für die Aufnahme von Serien und mehreren Sendungen gleichzeitig. Ausserdem integriert das Portal Internetdienste wie einen Newsbereich, ein Shopping-Portal oder den Zugriff auf Community-Plattformen wie Facebook. Verte soll ab Januar 2010 im gesamten Gebiet des Quickline-Kabelnetzverbunds für 25 Franken pro Monat erhältlich sein.
Interaktives Fernsehen wird den TV-Markt stärker beeinflussen als Online-News die Zeitungsbranche-Branche. Das jedenfalls glaubt Jan Wendt, Geschäftsführer des Service- und Plattformproviders Netrange MMH.
«Die Auswirkungen auf die etablierten Fernsehstationen sind dramatisch. Bereits in den kommenden fünf Jahren werden die TV-Sender mit spürbarem Umsatzrückgang im Werbegeschäft zu kämpfen haben», so Wendt gegenüber der Agentur Pressetext. Schon jetzt habe sich etwa der Axel-Springer-Verlag mit Bild.de oder in Österreich Mediaprint mit Krone.tv in Stellung gebracht.
Mit Opera via TV surfen
Mit dem Durchbruch von interaktivem Fernsehen ist Experten zufolge bereits in den kommenden Jahren zu rechnen. Bereits jetzt bietet etwa der holländische Heimelektronik-Riese Philipps verschiedene TV-Geräte (etwa den Philipps 42PFL9664H) mit dem Dienst Net TV an. Damit versammelt der Hersteller für den Fernsehbildschirm optimierte Internetangebote - etwa Nachrichten (Tagesschau.de), Videos (Youtube), ZDF-Mediathek, Ebay und Bild.de. Zusätzlich können Nutzer via den Browser Opera direkt im Internet surfen.
Das Internet kommt auf das Fernsehgerät – gleichzeitig macht sich auch eine Gegenbewegung immer stärker bemerkbar: Fernsehinhalte wandern ins Internet ab. Neben dem Videoportal von SF sind vor allem die Portale Myvideo (ProSiebenSat.1) und Clipfish (von RTL) erwähnenswert. Diese Portale setzten auf das Bedürfnis der Konsumenten nach traditioneller Fernsehunterhaltung, die zu jeder Tages- und Nachtzeit genutzt werden kann. Auch beim grössten Videoportal Youtube hat man den Trend erkannt: Der Besitzer Google versucht mit der Bevorzugung professioneller Inhalte (Kinofilme, Serie, Dokumentationen) mehr Geld über Werbung generieren zu können.
Junge wenden sich vom Fernseher ab
Vor allem 14- bis 29-Jährige schauen im Internet Fernsehen. Laut einer gemeinsamen Studie von ZDF und ARD verbringt diese Altersgruppe täglich über zwei Stunden im Internet, vor dem Fernseher sitzen sie indes nur 97 Minuten pro Tag.
Die Folgerung für ProSiebenSat.1-Chef Marcus Englert: «Das Fernsehen wird sich ein Stück weit ins Internet bewegen, aber das Internet wird sich auch ins Fernsehen bewegen.» Englert geht davon aus, dass künftig eine einzige Fernbedienung genügt, um an einem einzigen Gerät alles verfügbar zu machen: Das Fernsehen (wie wir es bis anhin kennen), den Konsum von Gratis-Clips aus dem Internet wie auch die Nutzung von kostenpflichtigen Filmen aus Onlinevideotheken.
Um das Internet auf dem TV zu nutzen braucht es einen Breitband-Anschluss sowie ein entsprechendes TV-Gerät oder eine Set-Top-Box. Wie Pressetext.de berichtet, werden bereits ab Anfang nächsten Jahres Set-Top-Boxen und reine IP-Boxen in den Verkauf kommen, mit denen jedes Fernsehgerät aufgerüstet werden kann. (rek)
Erstellt: 09.11.2009, 14:43 Uhr
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