ETH-Forscher holen Facebook auf den Boden der Realität zurück
Von Matthias Chapman. Aktualisiert am 28.10.2011
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Bono hat ihn, und weitere Investoren auch: Einen Anteil an Facebook. Inzwischen ist die Gemeinde der Facebook-Investoren auf über 500 angewachsen. Gehandelt werden können die Beteiligungen allerdings noch nicht, auf den Börsengang wartet die internationale Anlegerschaft weiterhin. Wenn es allerdings darum geht, die Firma zu bewerten, schiessen die Berater und Analysten aus allen Rohren. Bis zu 100 Milliarden Dollar wurden in den Finanzmedien herumgeboten, dem widersprechen mochten nur wenige.
Kein Wunder, der Dotcom-Aufsteiger der letzten Jahre zählt inzwischen fast 800 Millionen Nutzer und macht dem Branchenprimus Google (GOOG 612.77 2.06%) Konkurrenz. Der Suchmaschinenbetreiber selber wird an der Börse derzeit mit knapp 160 Milliarden Dollar bewertet, schreibt allerdings Quartal für Quartal bereits satte Milliardengewinne. Bei Facebook ging man nach jüngsten Schätzungen für das erste Halbjahr 2011 von 350 bis 500 Millionen Dollar Reingewinn aus.
Im Normalfall nur 15 Milliarden Dollar wert
Nun schalten sich zwei Zürcher Forscher von der ETH in die Debatte um den Wert von Facebook ein. Es handelt sich um Didier Sornette und Peter Cauwels. Ersterer ist Geophysiker und Professor für unternehmerische Risiken an der hiesigen Hochschule. Sornette machte sich in den letzten Jahren einen Namen als Experte für Blasenbildungen an Börsen und Märkten. Cauwles arbeitet am gleichen Institut wie Sornette.
«Facebook massiv überbewertet?», lautet der Titel eines Artikels in der ETH-Publikation «ETHLife», der die Studie der beiden zusammenfasst. Die beiden Forscher haben drei Szenarien berechnet, wie sich Facebook künftig entwickeln soll: Ein Basisszenario, ein Szenario «hohes Wachstum» und ein Szenario «extremes Wachstum». Demzufolge kamen sie aufgrund der abschätzbaren Einnahmen auf einen Börsenwert von zwischen 15,3 Milliarden Dollar und 32,9 Milliarden Dollar.
«Hier droht eine weitere Spekulationsblase»
Berechnet haben die Forscher den Wert des Unternehmens anhand der Entwicklung der Nutzerzahlen sowie des Reingewinns pro User. Dieser liege derzeit bei einem Dollar, so die Schätzung. Bezüglich Nutzerzahlen gibt sich die Studie ernüchternd. Nach steilem und unendlich scheinendem Anstieg, würde sich dieser Wert auf einem gewissen Niveau einpendeln.
Zu den herumgebotenen Zahlen von bis zu 100 Milliarden Dollar Firmenwert für Facebook sagt Cauwels: «Das ist eine deutliche Überbewertung (…), hier droht eine weitere Spekulationsblase.» Um diesen Höchstwert zu erreichen, müsste Facebook seinen Profit pro User um einen Faktor von bis zu sechs steigern.
Börsengang im nächsten Frühsommer?
Laut den Zürcher Forschern soll der Börsengang von Facebook zudem nicht mehr weit entfernt sein. Die Firma von Gründer Mark Zuckerberg müsse nämlich jetzt schon zuhanden ihrer ersten Investoren einen Rechenschaftsbericht ablegen. Dieser ist im April nächsten Jahres fällig. Danach erwarten die Forscher den lang ersehnten Börsengang. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 28.10.2011, 15:13 Uhr
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