Noch ein Spielzeug für James Bond
Von Thomas Borowski. Aktualisiert am 20.03.2011
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Man muss sehr genau hinschauen, um den am Genfer Salon als Weltpremiere vorgestellten Aston Martin Virage zu erkennen. Denn wenn der als Coupé oder Cabriolet (Volante) gebaute Zweitürer neben dem DB9 oder DBS steht, sieht er diesen zum Verwechseln ähnlich. Die Leichtbau-Alukarosserien gleichen sich beinahe eine wie der anderen. Ihre Masse sind sozusagen identisch. Und nur in Details wie der veränderten Frontpartie oder den vom Viertürer Rapide entlehnten Scheinwerfern ist der neue Virage äusserlich von den anderen GTs der britischen Edelschmiede zu unterscheiden.
So viel Ähnlichkeit sei gewollt, lässt Aston-Martin-Chef Ulrich Bez anlässlich der Fahrvorstellung seines neusten Babys verlauten: «Wir haben beim Virage die elegante Form des DB9 mit der starken Sportlichkeit des DBS verbunden.» Dies sei nicht zuletzt auf Wunsch der Kunden geschehen, die nach dem 2003 lancierten DB9 und dem 2007 auf den Markt gebrachten DBS nach «etwas Neuem» verlangt hätten. Kritische Bemerkungen zur Ähnlichkeit der drei Sportcoupés im Fuhrpark der Briten streichen an Bez vorbei. Er liebe die einfache Form des DB9, erklärt der 67-jährige Patron von Aston, deshalb sei der Virage in der Tradition seiner Vorgänger gebaut. Und sowieso laute die Philosophie bei Aston Martin «Evolution statt Revolution», ergänzt Bez. Das Design der aktuellen Modelle sei in seiner evolutionären Entwicklung ein sehr wichtiger Bestandteil der Traditionsmarke.
«Luxus braucht keinen Vergleich»
Dass so viel Traditionsbewusstsein auch bei den Kunden ankommt, beweisen die hiesigen Verkaufszahlen der Briten. 2010 konnte Aston Martin in der Schweiz mit 211 verkauften Fahrzeugen ein Plus von rund 10 Prozent verzeichnen. Dass Mitbewerber Porsche im gleichen Zeitraum hierzulande im luxuriösen Sportwagensegment mit 1843 Autos rund das Neunfache abgesetzt hat, das stört den Aston-Martin-Chef nicht: «Luxus braucht keinen Vergleich, hier wird mit anderen Massstäben gemessen.» Wer ein Luxusauto kaufe, habe eine Leidenschaft für das entsprechende Produkt entwickelt, glaubt Bez. Ausserdem habe Aston Martin als Marke in der knapp 100-jährigen Firmengeschichte noch nie auf möglichst hohe Stückzahlen gesetzt. «Wer Aston Martin kauft, der schätzt die Exklusivität, die erstklassige Verarbeitung und die Fahreigenschaften dieser Autos», ist Bez überzeugt.
Von all diesen Eigenschaften hat der neue Virage zur Genüge mitbekommen. Sowohl das Coupé als auch das traditionell Volante genannte Cabriolet werden mit Verkaufspreisen deutlich über der Viertelmillion-Marke auf Schweizer Strassen eine Exklusivität darstellen. Für so viel Geld gibt es aber auch eine Verarbeitung, die wunschlos glücklich macht. Das Interieur mit viel Leder, Alcantara und mattiertem Chrom beweist die Liebe der Briten zum Detail und lässt keinen Raum für Beanstandungen. Als grösste Neuerung im Cockpit hebt sich das zusammen mit Garmin entwickelte Navigationssystem auf Knopfdruck lautlos aus der Mittelkonsole in den Blick und verschwindet ebenso leise wieder.
Deutlich lauter geht es beim Drücken des Startknopfes zu und her. Unter der lang gezogenen Haube brabbelt beim Virage der gleich mächtige V12-Motor wie beim DB9 und DBS. Mit 497 PS haben die Aston-Ingenieure seine Motorisierung kräftemässig genau zwischen den beiden platziert, seinen Verbrauch aber im Vergleich zu den Vorgängern um rund einen Liter nach reduziert. Das ist zwar nicht viel, aber immerhin ein Schritt in die richtige Richtung.
«Beschleunigung ist wichtiger»
Mehr Eindruck machen dagegen die Fahreigenschaften des Virages. Der Vortrieb des Hecktrieblers ist schlicht hervorragend. Das Zusammenspiel von V12-Motor und dem 6-Gang-Automatikgetriebe hinterlässt am Steuer nur gute Laune. Das adaptive Dämpfersystem hält sowohl im gemütlicheren Drive- als auch im knackigen Sport-Modus, in dem die Gänge über die Schaltpaddels am Lenkrad eingelegt werden, eine der Geschwindigkeit und den Strassenverhältnissen angepasste Federung parat. Auf Knopfdruck wählt das aus dem Aston Martin Rapide übernommene System automatisch zwischen zehn Dämpfungsstufen aus.
Dass der Virage mit einer angegebenen Spitzengeschwindigkeit von 299 km/h im Gegensatz zum DB9 und DBS die prestigeträchtige 300-Stundenkilometer-Marke nicht knackt, ist laut Ulrich Bez kein Manko. «Die Höchstgeschwindigkeit ist mir egal. Viel wichtiger ist mir die Beschleunigung», erklärt er. Und die stimmt beim Virage auf jeden Fall. Davon überzeugen kann man sich in der Schweiz ab Mai. Pünktlich zum Frühlingsbeginn stehen dann die ersten Virage beim Aston-Martin-Händler bereit.
*?Thomas Borowski fuhr den neuen Virage am 9./10. März auf Einladung von Aston Martin in Spanien. (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 19.03.2011, 10:56 Uhr
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