Auf Knopfdruck Supersportler
Von Thomas Borowski. Aktualisiert am 06.03.2011
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Den Knopf mit der Aufschrift «Race» haben die Maserati-Ingenieure bewusst zu oberst in der Mittelkonsole angebracht. Denn wer sich in das mit handschuhweichem Leder ausgestattete Cockpit des neuen Gran Turismo MC Stradale setzt, kann diesem Knopf schon bald kaum widerstehen. Ein kurzer Druck genügt, und aus dem forschen Sportwagen wird ein furioser Draufgänger. Sofort gewähren die klangregulierenden Klappen in der Abgasanlage dem sonoren V8-Motorensound permanenten Auslauf. Musik in den Ohren von Motorsportfans, deren Herzen spätestens jetzt höher schlagen.
Stradale rennt über 300 km/h
Beschleunigt werden mit diesem Knopfdruck aber auch die Schaltvorgänge des Stradale. Denn im Race-Modus wechselt sein sequenzielles 6-Gang-Schaltgetriebe die Gänge über Lenkrad-Schaltwippen in nur 0,06 Sekunden. Wobei der Wechselvorgang unter der Antriebslast des 450 PS starken Achtzylinders eher einem Knallen gleich kommt, das Fahrer und Beifahrer regelmässig in die Schalensitze presst. Getoppt wird dieses Gefühl im eleganten Supersportler nur noch durch seine Beschleunigung. Die erreicht ihren Höhepunkt laut Werksangaben erst bei über 300 Stundenkilometer. Damit ist der sportlich aber ausgewogen gefederte Stradale der derzeit schnellste Maserati mit Strassenzulassung.
So viel Sportlichkeit hat er einer zierlichen Frau zu verdanken. Nunzia Fusco zeichnet als Technik-Ingenieurin bei der Fiat-Tochter Maserati für die Produktentwicklung des neuen Stradale verantwortlich. Zusammen mit ihrem Team war die zierliche 45-Jährige im vergangenen Jahr damit beschäftigt, der Gran-Turismo-Baureihe noch einen Zacken mehr Sportlichkeit zu verleihen. Nach dem Gran Turismo und dem Gran Turismo S soll der Gran Turismo MC Stradale nun die Rennerfahrung von Maserati auf die Strasse bringen. Das Vorhaben ist Fusco gelungen. «Wir haben es geschafft, die Leistung des Stradale im Vergleich zum Turismo S um 10 PS zu steigern und gleichzeitig den Benzinverbrauch zu senken», erklärte sie bei den testfahrten stolz.
Diese Leistungssteigerung wird durch Motortuning und diverse Technikmassnahmen erreicht. Das ganze Aerodynamikpaket des Coupés ist verbessert und sein Gewicht um satte 110 Kilogramm verringert. Die enge Rücksitzbank für zwei Passagiere baut Maserati deswegen aus. Auf Wunsch gibts im Stradale an ihrer Stelle ein Überrollkäfig. Das ist eben so optional wie die 4-Punkt-Renngurten an den beiden Schalensitzen aus gewichtsparender Kohlefaser, die sich auf unserer dreistündigen Testfahrt als überraschend bequem erweisen. Im mit Karbonblenden, Leder und Alcantara stilvoll ausgestatteten Interieur werden besonders bei der Lärmdämmung weitere 25 Kilogramm Gewicht eingespart. Dies auf speziellen Wunsch von Nunzia Fusco: «Ich wollte unbedingt, dass der Motorensound im Wageninnern besser zu hören ist.»
Der Italiener rennt über 300 km/h
Leider ging bei aller Liebe zur Sportlichkeit vergessen, das in die Jahre gekommene Navigationssystem und die wenig schicke Bedieneinheit des Klimagerätes zu erneuern. Das sei an dieser Stelle verziehen. Denn darüber sieht man bei der sonst optisch faszinierenden Fahrmaschine aus Bella Italia ebenso hinweg wie über ihren hohen Benzinverbrauch. Doch wer sich diesen Supersportler leistet, den kümmern wohl auch die anfallenden Treibstoffkosten nicht, welche auf besagten Knopfdruck ebenso in die Höhe schnellen wie der Puls. Für alle anderen gibts im Gran Turismo MC Stradale – ebenfalls auf Knopfdruck – die sparsameren Antriebsarten Automatik oder Sport.
* Thomas Borowski fuhr den MC Stradale am 21./22. Februar auf Einladung von Maserati CNE Wiesbaden in Spanien.
Maserati MC Stradale
Kategorie: 2-türiges Sportcoupé mit 2 Sitzen.
Masse: Länge 4933 mm, Breite 1915 mm, Höhe 1343 mm, Radstand 2942 mm.
Gewicht: 1770 Kilogramm.
Motor: 4,7-Liter-V8-Benziner mit 450 PS
(331 kW). Maximales von Drehmoment 510 Nm bei 4750 U/min.
Fahrleistungen: 0 bis 100 km/h in 4,6 Sekunden, Höchstgeschwindigkeit 301 km/h.
Verbrauch: 14,4 Liter auf 100 Kilometer.
CO2: 337 Gramm pro Kilometer.
Preis: ab 239?888 Franken.
Infos: www.maserati.ch (Bernerzeitung.ch/Newsnet)
Erstellt: 06.03.2011, 15:55 Uhr
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