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Der Prius für Promis

Von Thomas Geiger. Aktualisiert am 21.01.2012

Der Fisker Karma verspricht Luxus und ein gutes Gewissen – derzeit für Hollywoodstars, bald für Herrn und Frau Schweizer.

1/4 Das Werk von Henrik Fisker:
Fisker

   

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Kelly Sullivan hat es nicht leicht. Da verkauft man eines der spannendsten Autos der Welt und kann den Kunden nichts anders zeigen als ein paar Fotos und eine Internetseite. Denn auf seinen ersten Metern hat sich der Fisker Karma ein wenig schwergetan. 2008 auf der Motorshow in Detroit gezeigt, sollte der Luxusliner mit einem Elektroantrieb im Stil des Chevrolet Volt eigentlich vor Jahresfrist in den Handel kommen. Doch Designer und Mastermind Henrik Fisker musste lernen, dass die Mühlen nicht nur bei seinen früheren Arbeitgebern BMW oder Aston Martin langsamer mahlen, als es einem kreativen Hansdampf lieb ist. Und wenn dann noch die Wirtschaft stottert und es auf der Zielgeraden Probleme mit den Akkus gibt, dann brauchen alle Beteiligten eben einen etwas längeren Atem – auch Männer wie Sullivan.

«Das war tatsächlich eine Herausforderung», klagt der Juniorchef und wirkt mittlerweile ziemlich erleichtert. Denn wenn er sich jetzt in seinem Verkaufsraum in der noblen Automeile von Santa Monica umschaut, prangt aussen am Dach zwar noch immer das Lexus-Logo. Aber drinnen stehen jetzt drei Karma auf dem Parkett und draussen ein halbes Dutzend. Und an den meisten klebt ein Zettel «Sold» – verkauft!

DiCaprio und Al Gore

Obwohl der Viertürer bei rund 110000 Dollar (exkl. Taxen) startet, hat Sullivan in den vergangenen Wochen zwei Dutzend Karma ausgeliefert, und die Liste der Vorbestellungen ist endlos. «Hier in Hollywood ist der Karma ein Renner», freut sich der Verkäufer. Henrik Fisker freut sich auch, wenn er stolz über Erstkunden wie die Schauspieler Ashton Kutcher und Leonardo diCaprio oder Politiker wie Collin Powell und Al Gore spricht.

Denn genau für solche Promis und die Highsociety in Hollywood hat Fisker den Karma entworfen. Innerhalb der nächsten zwei Jahre soll es zwar unter dem Codenamen «Projekt Nina» auch eine familienfreundliche Limousine auf dem Niveau der Mercedes E-Klasse geben. Dafür hat Fisker bereits ein altes Werk von General Motors gekauft, das eine Jahreskapazität von 100 000 Fahrzeugen hat. «Und die wollen wir auch ausnutzen.» Aber erst einmal kommen Besserverdiener zum Zug. «Luxus ohne Reue» ist das Motto und das gute Karma dafür das passende Synonym.

Ein «sauberer» Blickfang

Die Schickeria hat in den Augen Fiskers auf ein Auto wie seinen Karma gewartet. Denn grün zu sein, gehört in Städten wie Los Angeles längst zum guten Ton. Deshalb haben sich dort vor Jahren schon alle einen Prius gekauft und dem Hybrid-Toyota zum Durchbruch verholfen. Und deshalb ist hier auch der Elektropionier Tesla gross geworden. Aber glücklich seien die Millionäre in den Hollywood Hills, in Santa Monica und Bel Air mit diesen Autos nicht, ist Fisker überzeugt. Dem vom Lotus Elise abgeleiteten Tesla fehlt laut Fisker die Alltagstauglichkeit. Und der Prius sei so wenig standesgemäss, dass er zwar die meiste Zeit gut sichtbar vor der Villa parke, während die Besitzer mit einem Mercedes durch den Hinterausgang verschwinden würden. Beim Karma ist das anders. Dass Fisker ein begnadeter Designer ist, hat er mit Autos wie dem BMW Z8 oder dem Aston Martin Vantage bewiesen. Und mit dem Karma hat er sein Meisterstück abgeliefert. Fünf Meter lang, fast zwei Meter breit, aber mit 1,33 Metern kaum höher als ein Porsche 911, fängt der Wagen in Hollywood jeden Blick. Etablierte europäische Luxusmarken wie Ferrari, Lamborghini oder Maserati wirken fast schon langweilig, wenn der jüngste Entwurf des Dänen um die Ecke kommt.

Dazu gibts ein luxuriöses Innenleben. Sicher, feine Hölzer und edle Leder können die anderen auch. Aber nirgends gibt es so wenige Schalter und Knöpfe wie im Karma: «Ein Elektroantrieb ist etwas ganz Einfaches, das wollen wir auch beim Design ausdrücken», sagt Fisker beim Blick auf das Cockpit, in dem es deshalb neben dem grossen Touchscreen nur noch fünf kleine Schalter gibt. Selbst der Mitteltunnel ist beinahe leer. Klar, «vorwärts», «rückwärts» oder «parken», das muss man schon noch selber von Hand einstellen. Aber dort, wo bei der Konkurrenz zum Beispiel der Controller für das Infotainmentsystem prangt, gibt es hier nur die unvermeidlichen Cup-Holder und ein Schaufenster zur Batterie, die den gesamten wuchtigen Mitteltunnel füllt.

Dass man ein paar Schalter aus dem Opel-Regal erkennen kann, stört Fisker wenig. «Warum sollten wir einen Blinkerhebel neu erfinden», fragt der Firmenchef. «Wir haben uns auf das Design und den Antrieb konzentriert. Das ist es, was den Fisker einzigartig macht.»

In 5,9 Sekunden auf Tempo 100

Ganz so einzigartig ist der Antrieb aber nicht. Denn im Prinzip funktioniert der Karma wie der Chevrolet Volt. Auch Fisker treibt die Räder elektrisch an und baut einen sogenannten Range Extender als Notstromaggregat ein, der spätestens dann startet, wenn den Akkus der Saft ausgeht.

Allerdings denkt der Däne in anderen Dimensionen: Seine beiden Elektromotoren haben jeweils 204 PS und bringen zusammen über 1300 Nm an die Hinterachse. Und den Generator treibt ein 2-LiterTurbo mit 260 PS an. Da bleibt der Spass nicht auf der Strecke, verspricht Fisker. Und hält Wort: Schon im rein elektrischen Betrieb, den Fisker nach den amerikanischen Tarnkappenbombern «Stealth-Mode» nennt, spurtet der Karma in 7,9 Sekunden auf Tempo 100. Und wenn bei 153 km/h das Limit erreicht ist, hat man in den USA schon ernsthafte Probleme mit der Polizei. Hält man sich dagegen zurück, reicht der 20 kWh grosse Akku selbst in Megacitys wie Los Angeles für die meisten Touren. Denn Fisker verspricht eine Reichweite von etwa 80 Kilometern.

Der Antrieb funktioniert reibungslos, und mit jeder Meile durch Santa Monica, entlang des Pacific Coast Highway und hinauf in die Hollywood Hills macht der luxuriöse Leisetreter mehr Spass. Und nach wenigen Minuten hat man das Spiel mit den Schaltwippen raus, die am Lenkrad des Karma prangen. Mit der Linken aktiviert man den Sport-Modus und schaltet selbst dann den Benziner als Notstromgenerator zu, wenn noch Saft im Akku ist. Dann steigt nicht nur die Reichweite auf knapp 500 Kilometer, sondern der Wagen legt noch einmal einen Zahn zu, schafft den Sprint in 5,9 Sekunden. Mit der Rechten dagegen regelt man in zwei Stufen die Rekuperation. Je öfter man den Hebel drückt, desto mehr Leistung zweigt beim Bremsen der Generator ab, um zwischendurch die Batterie zu laden. Wirklich voll wird der Akku nur, wenn man den Karma daheim sechs Stunden an die Steckdose hängt. Nur dann kommt man auch in die Nähe des Normverbrauchs, der den Karma mit 2,1 Litern zum absoluten Saubermann in der Oberklasse macht.

5 Fisker-Händler in der Schweiz

Je länger man mit dem Karma unterwegs ist, desto deutlicher werden aber auch die Nachteile: Obwohl so gross wie ein Audi A7, bietet der Karma im Fond kaum mehr Platz als ein A3, und der Kofferraum reicht kaum für zwei Reisetaschen.

Bis jetzt verkauft Fisker den Karma nur in Amerika. Aber mit einem Auge schielt er nun auch nach Europa. Das Vertriebsnetz steht, und noch vor dem Genfer Auto-Salon Anfang März soll auch hier der Verkauf beginnen. Dabei setzt der Däne besonders auf die deutschen und Schweizer Kunden, die er über seinen Schweizer Generalimporteur Emil Frey in Deutschland mit acht und in der Schweiz mit fünf Händlern bedient. Trotz dem eher kleinen Händlernetz ist Fisker ambitioniert. «Die Schweizer Autofahrer sind bei aller Lust an der Leistung auch sehr umweltbewusst», sagt Fisker. «Und anders als meine Landsleute in Skandinavien können sie sich diese Einstellung auch leisten.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.01.2012, 07:34 Uhr

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